Interaktives Theater: Rassimus in alltäglichen Situationen begegnen

Interaktives Theater : Rassimus in alltäglichen Situationen begegnen

Was tun, wenn die blonde Nina in der Theater-AG ihre fremdländische Mitschülerin beschimpft und nicht mit ihr proben will? Wie reagieren, wenn die Chefin den Fähigkeiten einer Mitarbeiterin nicht traut, nur weil die einen türkischen Nachnamen hat?

„Das sind keine leichten Situationen“, betont eine der Darstellerinnen des forumtheaters inszene gleich zu Beginn. Und da das Theater selbst keine schnellen Lösungen parat hat, sind die Zuschauer gefragt. Immer wieder präsentieren sie Vorschläge, wie mit man in den geschilderten Situationen reagieren könnte. Und gehen dann auch selbst auf die Bühne, um ihre Ideen umzusetzen. Gemeinsam entwickelt sich so ein Strauß an Handlungsmöglichkeiten.

Die Arbeitsplattform Migration in der Städteregion hatte im Rahmen der interkulturellen Wochen zu einem interaktiven Theaterstück mit anschließender Podiumsdiskussion in die Aachener Grundschule Brander Feld eingeladen. Auch wenn der Andrang nicht gerade überwältigend war, genossen die Zuschauer ganz offensichtlich die Gelegenheit, sich einmal ganz anders mit Themen wie Rassismus und Rechtsradikalismus auseinanderzusetzen. Und die meisten von ihnen gingen ohne Hemmungen auf die Bühne, um ihre Vorschläge zur Lösung der Konflikte gleich selbst vorzustellen.

„Klare Ansagen und klare Regeln könnten im Fall von Nina helfen“, kam es aus dem Zuschauerraum, nachdem erste Vorschläge wenig gefruchtet hatten. Nina will nicht mit Galai spielen: „Die ist Flüchtling, die stinkt“, sagt Nina und:“Die sieht doof aus.“ Da helfen keine wohlgemeinten Worte, Nina bleibt stur: „Ich will die Übungen nicht immer mit Galai machen. Die versteht ja gar nichts.“

Galai steht daneben, mit hängenden Schultern und traurigem Gesicht. Ein Rollentausch wird vorgeschlagen. Nina soll sich einmal ähnlich schlecht fühlen wie Galai und sich in die Lage eines Flüchtlingsmädchens versetzen. Auf der Bühne wird die Situation in Szene gesetzt, bringt aber nicht den gewünschten Erfolg. Nina bleibt stur und unzugänglich.

Das Publikum sieht sich gezwungen, sich mit Alltagssituationen auseinanderzusetzen und so lange nach Lösungen zu suchen, bis ein akzeptables Ergebnis erzielt wird. Dem Misstrauen der Chefin gegenüber der fremdländischen Kollegin begegnet eine Zuschauerin mit einer „Lobhudelei“: Dank der herausragenden Fähigkeiten der Chefin sei es doch erst gelungen, die besten Mitarbeiter zu gewinnen, darunter eben auch die mit dem unaussprechlichen Namen. Misstrauen sei also völlig fehl am Platz. Das wirkt.

„Der Rassismus ist da, und inzwischen ist er oft schon salonfähig“, meint das forumtheater, und liefert immer wieder Ansatzpunkte, damit sich Kinder, Eltern und Lehrer mit dem Thema auseinandersetzen. Auch Rechtsradikalismus kommt zur Sprache.

Das Publikum an diesem Abend war bunt gemischt und gespickt mit Experten. Im Anschluss vertieften sie die Themen Rassismus und Rechtsextremismus in einer Podiumsdiskussion und erzählten von ihren Erfahrungen und Sichtweisen. Und als Titel über dem gesamten Abend schwebten die Worte: „Wir sind Hoffnung. Wir sind Zuflucht. Wir sind Vielfalt.“

(mas)
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