Aachen: Rallye ohne Autos, dafür mit viel Sprit

Aachen : Rallye ohne Autos, dafür mit viel Sprit

In erster Linie ist es Spaß. In zweiter „eigentlich Leute kennenlernen“, und erst in dritter Linie ist es nass und kalt. Sicher ist die Erstirallye für die rund 4500 Studierenden, die sich der nieselgewordenen Ungemütlichkeit aussetzen, noch jede Menge mehr. „Teambildend“ zum Beispiel, wenn es nach den Organisatoren geht.

Denn Freundschaften zu schließen, die das ganze Studium lang halten und vielleicht sogar darüber hinaus, ist eines der Kernziele der Einführungswoche an der RWTH. Deren Bergfest und gleichzeitig den Höhepunkt bildet traditionell die Erstirallye.

„Probieren Sie doch mal“, sagt eine junge Frau in krude zusammengestelltem Outfit und hält eine Halbliterdose Bier einer Billigmarke in der ausgestreckten Hand. Wahrscheinlich sind die Klamotten bewusst gewählt. Bei der Erstirallye sieht man alle paar Meter eher ungewöhnliche Kombinationen. Selbst als unbeteiligter Passant kann man mit den Teilnehmern der Veranstaltung recht unproblematisch in Kontakt treten. Und bekommt dann schnell auch mal etwas Treibstoff angeboten, der bei einer echten Rallye natürlich unverzichtbar ist.

„Wir hatten heute Mittag zwei alte Damen auf der Fachschaftenmeile auf dem Templergraben, die sich das Treiben mal angeschaut haben“, sagt Thomas von Salzen von der Zentralen Hochschulverwaltung (ZHV) und gemeinsam mit den Studenten vom Erstsemesterarbeitsteam (ESA-Team) Organisator der Rallye. „Nicht-Studenten wagen sich erfahrungsgemäß aber eher selten her.“

Bunt die Dosen, bunt das Haupt

So bunt die Bierdosen in den Händen, so vielfältig sind die Kopfbedeckungen der verschiedenen Tutor-geführten Gruppen von jeweils etwa 15 Neu-Studierenden. Von weitem sieht man etwa rosafarbene Diademe auf Häuptern glänzen, die sich beim Näherkommen als Köpfe junger Männer entpuppen — wie niedlich.

Eine andere Gruppe Erstis steht mit Blumenkränzen aus Plastik an einem Stand, der fragt „Wie Aixzellent seid ihr?“ Die Blumenkränze scheinen zurückschreien zu wollen: „Geht so!“ Die Antworten der jungen Gruppe auf zuvor aufgezeichnete Fragen von RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg ergeben jedoch Sinn, sind clever und bringen ihnen „Coins“ ein.

Die können an jedem der 150 Stände erspielt und später in eine Spendensäule geworfen werden. Je höher der „Wasserstand“, umso höher fällt die finanzielle Spritze aus, die später großzügige Sponsoren an die Kiron University spenden — eine Hochschule, die benachteiligten jungen Menschen einen Hochschulzugang ermöglichen möchte.

Anke (23) ist zum vierten Mal Tutor bei einer Erstirallye und von ihrer Gruppe in diesem Jahr begeistert. „In den letzten Jahren musste ich meine Gruppe immer animieren. Da hatte ich am frühen Nachmittag zum Teil nur noch drei Leute dabei, die auch noch gefragt haben, wie lange es noch dauert.“ Das passt eher nicht zum Ruf der Erstirallye, und prompt kommt aus dem Hintergrund ein ohrenbetäubendes Dementi, eine Gruppe Erstsemester, die grölenderweise einen der ihren anfeuert. Grund: Der Mann gibt an einer Gummipalme Vollgas.

Die Stationen, die Spiele, die sich die Fachschaften ausgedacht haben, zeugen von einiger Kreativität. Das „Arctos Super Spiel“ etwa. Auf dem in etwa 4000 Arbeitsstunden selbstgebauten Eisschollenfeld versucht ein Ersti nach dem anderen, sich einen vorher angezeigten Weg zu merken und ihn dann aus dem Gedächtnis heraus abzulaufen. Auffällige Schlagseite war bei keinem Probanden zu erkennen, obwohl sie zu dieser Zeit bereits seit drei Stunden bei vermutlich gesundem Spritverbrauch unterwegs waren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Es geht wieder los: Erstis machen Aachen unsicher