Aachen: Rajesh Kumar erzählt vom harten Kampf gegen Armut

Aachen : Rajesh Kumar erzählt vom harten Kampf gegen Armut

„Heute schon die Welt verändert?“ lautet der Titel der diesjährigen Fastenaktion von Misereor in Zusammenarbeit mit der Kirche in Indien. Am Freitag besuchte Rajesh Kumar, stellvertretender Geschäftsführer einer indischen Misereor-Partnerorganisation, die Religionsklasse der neunten Jahrgangsstufe am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG).

Kumar ist Sozialarbeiter und setzt sich für Müllsammler, Slumbewohner und Obdachlose im indischen Bundesstaat Bihar ein. „Wir wollen die Menschen von der Straße holen und ihnen ein selbständiges Leben ermöglichen“, so Kumar. Auch das GSG hat sich mit dieser Thematik beschäftigt: „Wir wollen Schülern die Grundlinien der Entwicklungsarbeit näher bringen. Drei Wochen lang haben wir uns im Unterricht mit den sozialen Missständen, der Wasserversorgung, Schattenwirtschaft und Lebensqualität in Indien beschäftigt“, sagt Ilma Sturms, stellvertretende Direktorin am GSG.

Kumar hat 2003 mit dem Projekt in Bihar angefangen. Die Menschen haben jetzt die Möglichkeit, Bildungszentren zu besuchen und anschließend an einer Schule zu lernen. „Am Anfang wollten die Menschen unser Angebot nicht wahrnehmen. Wir mussten sie davon überzeugen, dass Bildung wichtig ist“, erzählt Kumar. In den Zentren lernen die Kinder Rechnen, Lesen, Schreiben und treiben Sport. Außerdem erhalten sie dort ein warmes Mittagessen. Auch die Frauen werden durch das Projekt gefördert, die oft finanziell abhängig von ihren Ehemännern sind. „Wir bringen den Frauen das Nähen bei. So müssen sie kein Geld für Kleidung ausgeben, sondern können sogar damit Geld verdienen“, so Kumar. Schließen die Frauen die Ausbildung zu Schneiderin ab, wird der Kauf einer Nähmaschine bezuschusst. Auf diese Weise konnten sich schon viele selbstständig machen. Auch zu Stylisten können die Frauen in Bihar ausgebildet werden.

Das Ausbildungsangebot soll bald 54 Berufsfelder umfassen. Neben der (Aus-)Bildung verfolgt Misereor auch andere Ziele: „Wir kämpfen für die Rechte der Armen und verschaffen ihnen Respekt“, erzählt Kumar. Bisher konnte durch das Projekt erreicht werden, dass Kinder eine Identitätskarte besitzen, was in Indien keine Selbstverständlichkeit ist. „Zum Teil müssen wir den Menschen erklären, dass sie Rechte haben“, so Kumar.

Auch finanzielle Unterstützung konnte erreicht werden. So erhalten Witwen und ältere Menschen eine Rente. Das Abreißen von Armenviertel kann nicht immer verhindert werden. „Die Polizisten kommen bewaffnet und mit Bulldozern. Wenn wir uns ihnen in den Weg stellen, drohen sie uns. Einmal hat eine Frau ein Messer geholt und gedroht, dass sie die Polizisten und sich selbst umbringt, wenn sie ihre Hütte abreißen. Darauf waren die Polizisten nicht gefasst. An diesem Tag haben sie keine Hütten mehr abgerissen“, erzählt Kumar. Die Schüler des GSG hörten Kumar gespannt und interessiert zu. Diese Schulstunde hat ihnen wohl weit mehr als nur Wissen vermittelt.

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