Rabenkrähe schlägt Heckscheibe eines Autos in Aachen ein

Tierischer Ermittlungserfolg : Krähe wirf mit Stein ein Loch in Autoheckscheibe

Nach seiner Schicht wollte ein Mann mit seinem Auto in den Feierabend fahren. Am Firmenparkplatz angekommen, entdeckte er, dass jemand seine Heckscheibe mit einem Stein zertrümmert hatte. Es war aber kein möglicherweise verärgerter Kollege – der Täter hatte schwarze Federn.

Der Fall wird bei der Polizei Aachen in die Kategorie „hatten wir noch nicht“ eingeordnet.

Es war ein großes Loch, dass sich dem 63-jährigen Autofahrer auf dem Parkplatz einer Aachener Firma präsentierte, wie es in einer Mitteilung der Polizei vom Freitag geschrieben steht. Auf der Hutablage lag noch das offensichtliche Tatwerkzeug – ein etwa drei mal vier Zentimeter großer Stein. Der Mann rief die Polizei.

Den Beamten vor Ort erzählte er, dass offenbar nichts gestohlen wurde. Immerhin ein kleiner Trost. Mehr als ärgerlich aber, dass ausgerechnet sein – und nur sein – Auto dem Vandalismus zum Opfer gefallen war. Die anderen rund 150 Autos blieben vom Täter verschont.

Mit Hilfe einer Videokamera konnt der fliegende Täter ausfindig gemacht werden. Alle anderen rund 150 Autos blieben vom Raben verschont. Foto: Polizei Aachen

Die Polizisten untersuchten den Tatort, sicherten Spuren und machten Fotos. „Fein säuberlich erhielt der Stein eine Sonderbehandlung“, heißt es im Polizeibericht. Mit Hilfe einer sogenannten Bakteriette, einem sterilen Wattestäbchen, das in einem Röhrchen ins Labor geschickt wird, wollten die Beamten serologische Spuren ( wie zum Beispiel Blut, Hautschuppen, Speichel) auf dem Stein sichern.

Am Schluss des Tages habe die Akte zu der Sachbeschädigung mit Schreibkram, Fotos, Aussagen des Autobesitzers und Spurenbericht knapp ein Dutzend Seiten gefüllt.

Kommissar Zufall half bei den Ermittlungen

Wie die Polizei berichtet, spielte ein Kommissar beim Ermittlungserfolg eine wichtige Rolle: der Zufall. „Der immer noch nicht zum Oberkommissar beförderte sehr wichtige Helfer polizeilicher Ermittlungsarbeit mischte auch dieses Mal kräftig mit“, heißt es.

Auszug aus dem Originalprotokoll der Aachener Polizei. Foto: Polizei Aachen

Der Kommissar zeigte sich in Form einer Videokamera. Die überblickt das gesamte Parkplatzgelände. Die Beamten konnten die Aufnahmen einsehen und entdeckten etwas, dass sie so auch nicht alle Tage zu Gesicht bekommen.

Teile des Original-Polizeiprotokolls beschreiben den ungewöhnlichen Tatverlauf: „...die Einsichtnahme der Überwachungskamera des Parkplatzes ergab, dass der Tatverdächtige circa 35 bis 45 Zentimeter groß und von schlanker, schwarzer Gestalt war. Nach Tatbegehung entfernte er sich fliegend vom Tatort. Kurzum es handelt sich bei dem Tatverdächtigen um einen Raben. Auf eine Auswertung der von dem Stein gesicherten serologischen Spuren wird verzichtet."

Der Abschlussbericht der Polizei gibt Aufschluss über den Tathergang

Laut Abschlussbericht sei der Vogel gegen 12 Uhr von einem Laternenmast über das noch unversehrte Auto geflogen. Dann lässt sich auf den Videoaufnahmen erkennen, dass plötzlich ein Loch in der Heckscheibe auftaucht Der gefiederte Täter landete nach seinem Steinwurf auf dem Heck und schaute sich um.

Das Fazit der Polizei lautet: „Alle Beteiligten sprechen aufgrund der schnellen Aufklärung von einem ‚tierischen’ Ermittlungserfolg“.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand irrtümlich, das der Tätervogel ein Rabe sei. Tatsächlich stelle die Polizei in einem Bericht nach Korrektur durch den Nabu-Stadtverband ein paar Tage später klar, dass es sich nicht um einen Raben gehandelt habe, sondern um eine Krähe. Diese seien etwas kleiner als Raben, weshalb die Täterbeschreibung auf die Krähe passe.

(red/pol)