Aachen: QR-Codes an Gräbern: Das Gedenken an Verstorbene wird digital

Aachen : QR-Codes an Gräbern: Das Gedenken an Verstorbene wird digital

Auch auf Aachens Friedhöfen soll mit Beginn des neuen Jahres die „Trauer 2.0“ Einzug halten. Mit der neuen Friedhofssatzung, die am heutigen Mittwoch im Rat (ab 17 Uhr, Rathaus) verabschiedet werden soll, will die Stadt auch sogenannte QR-Codes auf Grabsteinen erlauben.

Die kleinen schwarz-weißen Muster (Quick-Response-Code)kennt man bislang vor allem aus der Werbung. Mit der Kamera eines Smartphones eingescannt, führen sie umstandslos ins Internet. Dies wollen sich offenbar zunehmend auch trauernde Angehörige zunutze machen, die mittels QR-Code im Internet an Verstorbene erinnern wollen.

Was in anderen Ländern bereits seit längerem erlaubt ist, ist in Nordrhein-Westfalen erst aufgrund des jüngst geänderten Bestattungsgesetzes möglich. Längst gibt es auch professionelle Anbieter für die digitalen Gedenkseiten, die am Grab abgerufen werden können und dann auch weit mehr Informationen über den Toten bieten, als auf einen Grabstein passen.

Größere Nachfrage scheint es in Aachen dafür bislang zwar noch nicht zu geben, doch das kann sich schnell ändern, ist Friedhofsverwalter Wolfgang Berg überzeugt, der die neue Satzung entsprechend überarbeitet hat. „Immer mehr Leute wollen sich auch im Internet verewigen.“ Das digitale Zeitalter ermögliche auch eine „Weiterentwicklung der Friedhofskultur“, sagt er.

Zunächst müsse man Erfahrungen sammeln, wohin die neue Technik führt und was dies auch rechtlich bedeuten kann. So will die Stadt natürlich keinerlei Verantwortung für das digitale Gedenken übernehmen. Jede Verwaltung würde daran scheitern, alle Internet-Verlinkungen zu prüfen, ist der verantwortliche Dezernent Lothar Barth überzeugt. In der neuen Satzung heißt es daher ausdrücklich: „Bei Verwendung eines QR-Codes übernimmt die Stadt für Inhalte, Richtigkeit und Gestaltung keine Haftung.“

Wie Verstorbene in Erinnerung bleiben wollen, könne kaum geregelt werden, heißt es seitens der Friedhofsverwaltung. Auch nachträgliche Bearbeitungen seien jederzeit möglich, wobei das Internet völlig neue Bereiche erschließen kann: Fotos aus alten Tagen, längere Texte, das Lieblingsbuch und selbst der Lieblingsfilm oder die Lieblingsmusik könnten mittels QR-Code abgerufen und abgespielt werden.

„Was auch immer die Leute hinterlegen, es dient der Trauerbewältigung“, ist Berg überzeugt. Das Gute aus seiner Sicht: QR-Codes mögen zwar eine neue Mode sein, aber sie beeinträchtigen keinen Friedhofsbesucher. „Man muss ja aktiv werden, um die Seiten zu sehen.“ Ohne Smartphone und Internetzugang geht nichts.

Umdenken müssen damit auch die örtlichen Bestatter und Steinmetze. Solange die Würde des Toten gewahrt bleibt, sei gegen QR-Codes nichts einzuwenden, findet Carl Steenebrügge. „Das ist ein Markt, der kommt“, sagt er. In seinem Bestattungshaus seien bislang allerdings noch keine Anfragen dazu eingegangen.

Auch für Steinmetz Andreas Radermacher ist der QR-Code noch Neuland. Die Idee, multimedial an das Leben der Verstorbenen zu erinnern, findet er jedoch absolut reizvoll. Auch auf Friedhöfen sollte erlaubt sein, was gefällt, meint er — jedenfalls solange andere nicht beeinträchtigt werden. „Die Frage ist allenfalls, wie dezent der QR-Code am Stein angebracht wird.“

Doch da ist vor allem seine Gestaltungskunst gefragt, denn engere Vorschriften will die Stadt nicht machen. „Es gibt vielfältige Möglichkeiten“, sagt Friedhofsverwalter Berg. So könnten kleinere Platten am Grabstein oder auf Sockeln angeschraubt werden, aber auch Gravuren seien denkbar. Und in einigen Städten gebe es bereits Grabsteine, auf denen der QR-Code sogar das einzige Gestaltungsmerkmal ist. „Da wird sich viel weiterentwickeln“, ist Berg überzeugt.

Mehr von Aachener Nachrichten