Aachen: „Pulse of Europe“-Initiator Daniel Röder im Gespräch an der RWTH

Aachen: „Pulse of Europe“-Initiator Daniel Röder im Gespräch an der RWTH

Es war eine ganz persönliche Entscheidung, als Daniel Röder, Initiator der Bürgerbewegung „Pulse of Europe“, mit seiner Frau und einigen Freunden und Bekannten 2016 erstmals auf die Straße ging. Die Wahl von Donald Trump und die rechtspopulistischen Parolen bei anstehenden Wahlen in einigen europäischen Ländern bewegten ihn und einen kleinen Kreis, sich für Europa zu positionieren.

Was dann daraus wurde, hat ihn selbst überrascht. Vom Umgang mit den Medien über die Strukturierung der Bewegung bis hin zu vielen weiteren neuen Aufgaben sieht sich Röder in einer Weise gefordert, die er so nicht für möglich gehalten hätte. Im Gespräch mit Prof. Emanuel Richter, Institut für Politische Wissenschaft, erzählte er im neuen Hörsaalzentrum „Carl“ der RWTH von „Pulse of Europe“ und von seinen Wünschen und Hoffnungen mit Blick auf Europa.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und Menschlichkeit sind nur einige der Werte, denen Röder mit seiner Bewegung Gewicht verleihen will. Wiederbelebung der europäischen Zivilgesellschaft und ein vereintes Europas sind die Ziele, die er und seine Mitstreiter erreichen wollen.

Mit dem Modebegriff „Narrativ“ konnte er in diesem Zusammenhang eher wenig anfangen. Von Richter nach dem neuen „Narrativ“ für Europa befragt, meinte er: „Wenn wir es erst suchen müssen, haben wir schlechte Chancen.“ Aus jedem seiner Worte sprach der Glaube, dass ein vereintes Europa notwendig und auch möglich ist. Den Brexit versteht er als nicht endgültig, sondern er hegt noch immer die Hoffnung, dass daran noch etwas zu drehen ist.

„Kein deutsches Europa“

„Wir wollen kein deutsches Europa“, sagt er an anderer Stelle und: „Wir wollen ein europäisches Deutschland.“ Insgesamt scheint es ihm nicht so wichtig, über Ziele nachzudenken. Die „Vereinigten Staaten von Europa“ oder die „Republik Europa“? Sollte die Entwicklung in diese Richtung gehen?“, fragte Richter. Doch solche Ziele formuliert Röder offensichtlich nicht so gern. Er will, dass die Bewegung von innen heraus wächst und Demokratie lebt, ganz frei nach dem „Chaos-Prinzip: Einfach laufen lassen und schauen, was dabei herauskommt“.

Welche Ziele oder welche Handlungskonzepte dann entstehen, bleibe eben abzuwarten. Sich für Europa stark zu machen und zu zeigen, dass es viele Bürger gibt, die diesen Gedanken teilen, stärke auch die Politiker, sagte er und ist überzeugt, dass damit jede Menge erreicht wurde, „vielleicht mehr, als wir erwartet hatten.“

Nach dem Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Prof. Emanuel Richter bekamen vier Studenten die Gelegenheit, Röder zu befragen. Und sie erinnerten an ein „Europa der Kriege“ vor nicht allzu vielen Jahren, an „Klimawandel und Armutsbekämpfung“ als die zwei großen Themen unserer Zeit und an das schlechte Image der Europäischen Gemeinschaft.

„Das Narrativ des Friedens ist das alles Entscheidende“, meinte Röder und bekam für diesen Satz sehr viel Applaus. Bei der Armutsbekämpfung müsse die Europäische Gemeinschaft Vorreiter sein, um eine bessere Verteilung der Ressourcen zu erreichen. „Wenn wir das nicht angehen, wird das fatale Folgen haben“, sagte er.

„Nicht so viel reden“

Und das schlechte Image der EU? „Politiker sollten nicht so viel reden, sondern lernen zuzuhören“, schlug Röder vor, nachdem er Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker harsch für seine Haltung zum Brexit kritisiert hatte. „Es gibt eine Menge zu tun und große Herausforderungen zu bewältigen“, meinte er schließlich und: „Wir sind in Europa an einem Wendepunkt. Die Chancen stehen 50:50, dass Europa überlebt.“

Großes Vertrauen setzte er in den gerade in Frankreich gewählten neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. „Er hat viele gute Ideen“, meinte Röder. Der Blick nach Polen oder in die Türkei ist da offensichtlich sehr viel beunruhigender.

Röder wünscht sich für Europa eine Demokratie 2.0 mit neuen Gesprächsforen, Kommunikation und Dialog. Und für „Pulse of Europe“ viele Anhänger, die auf die Straße gehen und sich trotz aller Schwierigkeiten auch weiterhin für ein Vereintes Europa einsetzen.

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