Aachen: „Pulse of Europe“: Am Elisenbrunnen halten sie Plädoyers für Europa

Aachen : „Pulse of Europe“: Am Elisenbrunnen halten sie Plädoyers für Europa

Die anfängliche Harmonie, als die Parteienvertreter bei Sondierungsgesprächen in Berlin noch fröhlich vom Balkon winkten, ist verflogen. Während sich aber potenzielle künftigen Regierungskoalitionäre in Konflikten verzetteln, kommt den Mitgliedern der Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ die Europapolitik zu kurz.

Mit einem offenen Brief haben sie sich am Sonntag bei Kundgebungen in Aachen und in 129 weiteren europäischen Städten an die Union, die FDP, und die Grünen gewandt. Die Aachener Europa-Fans hatten sich diesmal am Elisenbrunnen getroffen.

Die Politiker, so heißt es in dem Schreiben von „Pulse of Europe“, sollten sich nicht mit dünnen Absichtserklärungen zur EU zufrieden geben. Stattdessen sollten drängende Probleme wie Separatismus, Jugendarbeitslosigkeit und die Demontage demokratischer Strukturen in Ungarn und Polen angegangen werden.

„Sie haben den ambitionierten französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den aufgeschlossenen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker an Ihrer Seite. Da sollte es doch möglich sein, durch die offene Tür beherzt und fortschrittlich auf die anderen Mitgliedstaaten zuzugehen“, las Iris Hilker vom Aachener „Pulse of Europe“-Organisationsteam vor.

Mit gewohnt optimistischem Unterton forderten die Initiatoren darin, die von Macron angestoßenen Reformvorschläge in die möglichen Koalitionsvereinbarungen aufzunehmen. Die Parteien sollten sich eindeutig für stärkere gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, mehr Demokratie und für die Bekämpfung von Fluchtursachen positionieren. Werde diese Chance vertrödelt, so Hilker weiter, „besteht die große Gefahr, dass viele Menschen, die mit wehenden Europafahnen auf den Plätzen stehen, diese frustriert einpacken werden“.

Ironie gegen Nationalismus

Wie bei den Veranstaltungen von „Pulse of Europe“ üblich, kamen am Sonntag auch andere Bürger zu Wort. Etwa Josef Tieber aus Wegberg, der eine bemerkenswerte ironische Rede auf den Nationalismus hielt. Die europäischen Länder sollten doch alle dem Vorbild von Donald Trump folgen und ihre alten Imperien wiederherzustellen versuchen: Italien könne wieder zum Römischen Reich werden, Österreich wieder zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie — und warum nicht auch das Reich der Wikinger wiederherstellen?

Natürlich hängte Josef Tieber diesem durchaus scherzhaften Plädoyer dann noch einen ernsthaften Teil an: Den Begriff der Nation müsse man in der heutigen Zeit neu definieren, und nicht zur Abgrenzung und Überhebung ausnutzen. Eine Forderung, auf die sich sicherlich die meisten der rund 150 Besucher der Kundgebung einigen konnten. „Pulse of Europe“ wird dann das nächste Mal Anfang Dezember während des Aachener Weihnachtsmarkts präsent sein.

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