Pulse of Europa: Letzte Kundgebung vor den Europawahlen

Kundgebung : „Europa ist das Beste, was wir je hatten“

Am Ende der Kundgebung war die Botschaft mehr als klar: „Europa ist kein Schlaraffenland, aber das Beste, was wir je hatten.“ So und so ähnlich haben es am Sonntag bei der letzten Pulse-of-Europe-Kundgebung vor den Europawahlen am 26. Mai sowohl Manfred Kutsch, Mitorganisator der Aachener Kundgebungen, als auch der zehnjährige Richard formuliert.

Etwa 500 Menschen waren gekommen, um unter anderem prominenten Aachenern wie Sabine Verheyen, Europaabgeordnete der CDU, und Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen, zu lauschen.

Letzterer hatte nicht nur eine Rede vorbereitet, in der er betonte, wie wichtig die EU für Erfolgsprojekte wie dem Austauschprogramm Erasmus ist, sondern hatte gleich auch noch mehr als ein Dutzend Mitstreiter seiner Fachhochschule mitgebracht, die sich mit proeuropäischen, selbstgestalteten Plakaten unter die Menge gemischt hatten.

Seit zwei Jahren findet mal wöchentlich und mal monatlich die „Speakers‘ Corner“ Aachens auf dem Katschhof ein. „Von Anfang an sind wir so etwas wie die Therapie der schweigenden, proeuropäischen Mehrheit gewesen“, sagte Kutsch, „und wir sind gespannt, ob die Therapie gewirkt hat, wenn wir alle nächste Woche über die Zukunft Europas entscheiden.“

Bekenntnis zu Europa: Die blaue Flagge mit den Sternen ist Trumpf. Foto: Andreas Steindl

Dass es allerdings trotz aller Zustimmung verschiedene Ansichten auch unter Proeuropäern gibt, zeigte sich, als Ansgar Klein von der Aktionsgemeinschaft „Frieden jetzt“ das Wort ergriff. Drei Minuten hatte er auf dem Podium, genau wie alle anderen. Und drei Minuten reichten, um vereinzelte Pfiffe und Zwischenrufe aus dem Publikum zu provozieren. Denn der Vortrag des Aktivisten stieß auf geteilte Begeisterung: Klein konstatierte der EU Militarismus und fehlende Rechtsstaatlichkeit. „Im Grunde sind die Ziele der Kundgebung erstrebenswert, aber realitätsfern“, sagte er.

Kleins Worte zogen eine Welle der Gegenwehr nach sich: Sabine Verheyen widersprach den Vorwürfen: „Die EU ist von Anfang ein Friedensprojekt“, sagte sie. „Und schauen wir uns doch einmal die Ergebnisse an: Europa hat die weltweit schärfsten Waffengesetze, und seit mehr als 70 Jahren herrscht unter den Mitgliedsländern Frieden, ja, sogar Freundschaft!“ Unterstützung erfuhr sie aus dem Publikum: „Wir brauchen Zuversicht, diese Skepsis ist nur kontraproduktiv für unser Europa“, sagte Zuschauerin Sigrid Nick. Den meisten sei bewusst, dass nicht alles optimal laufe – aber deshalb sei es so wichtig, sich zu beteiligen und wählen zu gehen, sagte sie.

Für die Organisatoren von Pulse-of-Europe war die Diskussion indes ein Hinweis mehr, dass ihre Arbeit nach den Wahlen nicht endet. „Wir werden weiterhin sonntags hier auf dem Katschof für ein geeintes Europa einstehen“, sagte Kutsch, „denn für uns gilt dasselbe wie für die Europäische Union – wir sind nicht kurzatmig!“

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