Prozess um brutalen Streit auf Zeppelinstraße in Aachen

Prozess : Angebliches Opfer sitzt jetzt auf der Anklagebank

Es war eine brutale Auseinandersetzung mit einer Eisenstange auf der Zeppelinstraße: Ein Schläger ist bereits in Haft, der andere wird ihm womöglich folgen. Er glaubt, in einer Notlage gewesen zu sein. Vor dem Aachener Schwurgericht muss er sich nun verantworten.

Die Eisenstange seines Gegners hatte mit voller Wucht den Kopf eines 35-Jährigen getroffen. Der lag daraufhin in der Nacht zum 17. Januar 2017 blutüberströmt in der Gosse der Zeppelinstraße, nicht weit von seiner Wohnung entfernt. Heinrich S. wurde vom Notarzt ins Klinikum gebracht und sein Leben gerettet, der Täter gefasst und später vom Aachener Landgericht zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe verurteilt.

Jetzt muss sich seit Montag der Mann selbst vor dem Aachener Schwurgericht verantworten, ebenfalls wie damals sein einstiger Kumpel und Kampfgegner wegen versuchten Totschlags. „Herr Richter, mein Kopf war kaputt und ich musste mich doch wehren“, ergriff Heinrich S. umgehend das Wort. Der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Roland Klösgen, konnte kaum in Ruhe auf dem Richterstuhl Platz nehmen.

Die Anklage wirft dem damaligen Opfer vor, selbst Täter gewesen zu sein, weil er seinen Kumpel vor seiner Wohnung mit einem Vorschlaghammer und mit Messern in der Hand empfangen haben soll, ein Vorwurf, den der 35-Jährige als völlig abstrus empfindet.

Dann beruhigte sich der Angeklagte wieder, auch auf guten Zuspruch seines Anwalts Peter Schäfer hin, allerdings nicht ohne nochmals nachdrücklich auf seine damalige Notlage hinzuweisen. Für die Kammer wird dies keine einfache Entscheidung werden, da beide Männer voneinander behaupten, jeweils die Angreifer gewesen zu sein. Hinzu kommt die Trübung durch den damaligen Drogenkonsum.

So durfte man gespannt sein auf die Vorführung des bereits verurteilten Kampfhahnes, der jetzt im Zeugenstand völlig offen zugab „ja, ich bin in dieser Nacht zurückgekommen, weil ich ihm weh tun wollte“, sagte gestern der aus der Haft vorgeführte Zeuge Evgenij B. (37). Kumpel Heinrich habe ihn übers Handy so sehr beleidigt, dass er nicht anders gekonnt habe.

Drogen- und Tablettenschulden

Vorausgegangen war der Versuch von Heinrich S., seine Drogen- und Tablettenschulden bei Kumpel B. zu begleichen. Dafür gab er ihm den Tipp, dass im Keller des Hauses in der Zeppelinstraße was zu holen sei, er selbst wollte aber nicht an der Diebestour teilhaben. Evgenij B. klaute ein Fahrrad aus dem Keller und versetzte es am Kaiserplatz gegen Drogen. Danach erst begann das Drama, das dann beinahe tödlich auf der Zeppelinstraße endete.

Die Aussage von B. war zwar dieses Mal ungefiltert, brachte aber letztlich keine Klarheit. Denn B. gab zwar zu, in aggressiver Absicht gekommen zu sein, behauptete jedoch gleichzeitig, Heinrich S. sei mit dem Hammer und Messer in der Hand auf ihn losgestürmt, da habe er ihm die Eisenstange über den Kopf gezogen.

Der Prozess wird am 13. Juni fortgesetzt.

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