Aachen: Protest im Bürgerforum führt zum Erhalt der Bushaltestelle

Aachen: Protest im Bürgerforum führt zum Erhalt der Bushaltestelle

Zwei Dutzend Senioren zeigten der Stadt und der Aseag, wo der Barthel den Most holt. Die Damen und Herren aus Burtscheid machten das kämpferisch und waren dabei so charmant, dass das Bürgerforum ihnen zu Füßen lag.

Die leicht verzwickte Vorge-schichte: Jahrzehntelang fuhr die Aseag mit einer Linie in Burtscheid durch die Straße Kalverbenden. Dabei wurde vorher die Haltestelle „Rathenauallee“ angefahren.

Die lag am Eck Bayernallee, auf der südlichen Seite Richtung Stadtwald, komplett eingerichtet mit Bus-Bucht und Wartehäuschen und barrierefrei. Das war praktisch für Hunderte alte Menschen im Wohnviertel, viele gehbehindert. Die täglich stark besuchte Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt, eine große Seniorenwohnanlage und das Vinzenzheim sind nah.

Ideal für die Senioren war auch, dass eine Aseag-Linie am Stopp „Rathenauallee“ hielt und durch Kalverbenden stadteinwärts kurvte, während stadtauswärts eine andere über die Robert-Schuman-Straße/Bayernallee ebenfalls die bequeme Haltestelle „Rathenauallee“ ansteuerte — die Senioren konnten geschützt und ungefährdet an „ihrer“ Haltestelle ein- und aussteigen.

Im vergangenen Dezember änderte die Aseag alles. Durch Kalverbenden fährt kein Bus mehr. Die alte Haltestelle „Rathenauallee“ liegt brach. Eine neue, mehr von der Art Not-Haltestelle, wurde auf schmalem Gehweg gegenüber eingerichtet, nicht barrierefrei. Das zwingt die alten Menschen nun, die an dieser Stelle breite Bayernallee zu überqueren, viele angewiesen auf Rollstuhl oder Rollator. Die Senioren liefen Sturm. Fünfhundert Unterschriften haben sie gesammelt, um den alten Zustand wieder herzustellen (die „Nachrichten“ berichteten).

Jetzt suchten sie mit stattlichem Aufmarsch Hilfe im Bürgerforum. „Wir werden uns das nicht gefallen lassen. Warum haben Sie das gemacht? Warum? Das ist eine große Unverschämtheit den alten Leuten gegenüber,“ kritisierte eine putzmuntere Sprecherin Gisela Bannwarth Stadt und Aseag, von der leider, obwohl eingeladen, kein Vertreter anwesend war.

„Moderate Verschlechterung“

Kai Mohnen vom städtischen Fachbereich Verkehr fachsimpelte allerlei von attraktiverem neuem City-Takt auf Hauptachsen mit deutlich besserem Angebot, sprach übers Konzept Busnetz und einen politischen Prozess, verwies auf eine weitere nur 400 Meter entfernte Haltestelle „Bayernallee“ und meinte, demgegenüber handele es sich bei der Änderung nur um eine „moderate Verschlechterung“.

Die Route wie bisher durch Kalverbenden bedeute überdies für die Aseag einen Zeitverlust von zwei bis drei Minuten, den sie nirgendwo aufholen könne. Deshalb schlage die Verwaltung übereinstimmend mit der Aseag vor, es bei der neuen Regelung zu belassen.

„Es muss Sie doch wundern, dass so viele Menschen dagegen ankämpfen“, hielt Margret Vallot von den Piraten Mohnen entgegen. „Sie haben etwas geplant, das an den Menschen vorbeigeht. Sie sollten noch einmal überlegen, ob man den Senioren entgegenkommen muss.“ Damit traf Vallot den Nagel auf den Kopf und auf breite Zustimmung in der Polit- und Zuhörerrunde. Ein kompliziertes Busnetz sei zwar „ein filigranes System“, befand Manfred Bausch (SPD), von der Vorlage aber sei er „nicht überzeugt“. Der Vortrag der Bürger leuchte ein, erklärte Eckart Mueller für die FDP. Er fragte nach dem „konkreten Nutzen der Veränderung“.

„Sehr nachvollziehbar“ ist der Protest der Senioren auch für Ellen Begolli (Die Linke). Änderungen im Liniennetz dürften nicht „solche Verschlechterungen für alte Menschen nach sich ziehen“. „Anpacken und korrigieren“, forderte Harald Baal, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat.

Einigkeit in der Politik

Für Achim Ferrari (Grüne) ist die Sache „nicht glücklich gelaufen“. Es sei „unsensibel“, die Situation für die alten Menschen zu verschlechtern. Die Aseag habe „in erster Linie die Interessen ihrer Kunden“ zu sehen, eine um wenige Minuten längere Fahrzeit könne nicht maßgebend sein. Ferrari: „Da muss noch einmal nachgedacht werden.“ Gabi Niemann-Cremer brachte es auf den Punkt: „Linie 2 wie ursprünglich lassen“, also die Fahrt über Kalverbenden. „Es sei ,ganz offensichtlich, dass die Bürger sich nicht mitgenommen fühlen‘“, rüffelte Horst Schnitzler von der UWG.

Große Einigkeit also unter den Politikern. Einstimmig empfahlen sie, das Thema sowohl in der Be-zirksvertretung Aachen-Mitte als auch im Mobilitätsausschuss zu beraten „und dabei die Eingaben der Bürger noch einmal neu zu bewerten“. Den zufrieden abziehenden, für ihre Belange so engagiert kämpfenden Senioren aus Burtscheid attestierte Forumsvorsitzende Lisa Lassay (Grüne): „Toll, sie haben das so lebendig dargestellt. Ihre Botschaft ist angekommen.“