Protest gegen steigende Wohnungsnot in Aachen

Plakativer Protest in Aachen : Bezahlbarer Wohnraum: DGB will Kommunen in die Pflicht nehmen

Als die Aktion am Nachmittag offiziell beendet wird, ist ziemlich schnell die Luft raus. Das gilt allerdings nur für die aufblasbaren Sofas, die der Deutsche Gewerkschaftsbund als unübersehbares und plakatives Zeichen des Protestes am Holzgraben aufgestellt hat. „Bezahlbar ist die halbe Miete“, lautet der Slogan einer bundesweiten Kampagne, die der DGB gestartet hat.

Am Dienstag haben die Initiatoren auch in Aachen ihre Forderung nach mehr Investitionen in günstigen Wohnraum untermauert.

„Die Mietpreise galoppieren davon. Das betrifft vor allem Menschen mit geringem Einkommen und Singles“, stellt Ralf Woelk fest. Der Geschäftsführer der DGB-Region NRW Süd-West hat einige Zahlen zusammengetragen, mit denen er den aus seiner Sicht zunehmenden Handlungsbedarf untermauern will. „Der Anteil öffentlich geförderter Wohnungen sinkt seit Jahren und beträgt in Aachen nur noch sieben Prozent.“ Und eine Trendwende sei nicht in Sicht.

Im Gegenteil: „In den nächsten zehn Jahren werden über 5000 Wohnungen aus der Preisbindung herausfallen.“ Um dies ausgleichen zu können, müssten jährlich 500 neue öffentlich geförderte Wohnungen gebaut werden. „In den vergangenen Jahren lag die Zahl aber nur zwischen 200 und 250.“ Damit sei eine weitere Verschärfung der Situation absehbar.

Woelk und seine Gewerkschaft stehen mit ihrer Kritik nicht alleine. Steigende Wohnraumnot und steigende Mieten haben auch die Arbeiterwohlfahrt und den Mieterschutzverein Aachen auf den Plan gerufen. Sie beteiligen sich an der Aktion in Aachen und gehören – neben dem Diakonischen Werk und der Caritas – auch dem landesweiten Bündnis „Wir wollen wohnen“ an.

Gerade mit Blick auf Aachen sei das unabdingbar, findet Hans Knops und verweist auf weitere markante Trends: „In Aachen gibt es heute 20.000 Studenten mehr als noch vor zehn Jahren“, betont der Geschäftsführer des Mieterschutzvereins. Und: „Die Bevölkerungszahl ist in fünf Jahren um 6000 und die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 13.500 Euro gestiegen.“ Für Ralf Woelk bewirkt das eine fatale Entwicklung: „Immer mehr Menschen konkurrieren um das geringe Angebot an preiswertem Wohnraum.“ Das gelte längst nicht mehr nur für das Aachener Stadtgebiet, sondern für die gesamte Städteregion: „Hier haben sich die Mieten seit 2014 um durchschnittlich 17,84 Prozent erhöht.“

Viele Zuständigkeiten zum Thema Wohnen lägen bei Bund und Land, räumt Woelk ein. Doch es gebe auch für die Kommunen die Möglichkeit einzugreifen. „Wir brauchen wieder öffentlich getragene Wohnungsbaugesellschaften, die sich überwiegend um bezahlbaren Wohnraum kümmern“, fordert der DGB-Geschäftsführer. Und Hans Knops prangert an, dass Grundstücke von Bund und Land oftmals zu hohen Preisen an Investoren statt für den sozialen Wohnungsbau an die Kommunen veräußert würden. Hier müssten der Oberbürgermeister und die Politik intervenieren.

Das seit 2013 leer stehende ehemalige Landesstraßenbauamt an der Karl-Marx-Allee in Aachen sei da ein aktuelles abschreckendes Beispiel: „Es ist ein Skandal, dass der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb das Areal bis heute nicht an die Stadt verkauft hat.“, findet Ralf Woelk. Und blickt auch deshalb mit Sorge in die Zukunft: „Der bevorstehende Strukturwandel wird die Region vor eine zusätzliche Herausforderung stellen“, prophezeit der Gewerkschafter: Denn um ihn zu bewältigen, bedürfe es vieler zusätzlicher Arbeitskräfte: „Doch für die gibt es derzeit keinen angemessenen Wohnraum.“

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