Aachen: Projekte gegen das Vergessen: Gedenktag an die Opfer des Holocaust

Aachen : Projekte gegen das Vergessen: Gedenktag an die Opfer des Holocaust

Historische Zusammenhänge in die Gegenwart tragen und Verantwortung übernehmen: Das ist laut Holger A. Dux, Volkshochschule Aachen, das Ziel des Gedenktages an die Opfer des Holocaust, zu dem sich Schüler und Lehrer verschiedener Schulen alljährlich in der Heinrich-Heine-Gesamtschule am Hander Weg treffen.

Schüler der Gesamtschule Brand präsentierten dort dieses Mal ein ganz besonderes Projekt. Sie hatten sich Gedanken über Mahnmale gemacht, die angemessen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. Elena Platte entwarf mit ihrem Team einen Deportationswagen, der beispielsweise im Deutschen Bahnmuseum in Nürnberg stehen könnte. „Er soll begehbar sein, und authentische Geräusche und Laute sollen die Bedrohung für den Besucher spürbar machen“, sagt sie. Die Wände des Wagons sollen unter anderem mit Zitaten aus den Nürnberger Prozessen beklebt sein.

Neuer Name für die Mensa

Für Elena und ihre Mitschüler Yannick Költer und Anna Lozusic war diese Aufgabe eine ganz besondere Erfahrung. „Wir haben viel gelernt“, meinen sie einmütig. Bei einer Klassenfahrt nach Berlin hatten sie und ihre Mitschüler auch das Mahnmal am Brandenburger Tor besucht. „Das ist sehr umstritten, weil es oft auch als Spielplatz genutzt wird“, erzählt Elena. Das Berliner Mahnmal wurde zum Ausgangspunkt für die Aufgabe, sich Gedanken über eine adäquate Form der Erinnerung zu machen. Die Schüler entwickelten eine Vielfalt an Mahnmalen, die sie nun gemeinsam mit ihrer Religionslehrerin Janina Bärbig in der Heinrich-Heine-Gesamtschule vorstellten.

Überall an den Schulen findet das Thema „Holocaust“ große Beachtung. Am Inda-Gymnasium haben Schüler einen virtuellen Stadtrundgang mit Blick auf die Geschehnisse im Nationalsozialismus entwickelt. „Dabei steht die allgemeine Entwicklung auf der einen Seite, auf der anderen dann die konkreten Ereignisse in Aachen“, erklären die Schüler ihr Projekt, das auf www.tafelblog.de zu sehen ist.

Am Couven-Gymnasium nahmen die Schüler einen ehemaligen jüdischen Schüler in den Blick: Fredy Hirsch. Schüler der siebten Klassen malten sein Porträt, und die Älteren beschäftigten sich mit seiner Biografie. Hirsch wurde unter anderem nach Auschwitz-Birkenau deportiert und setzte sich dort bis zu seinem Tod für die Kinder ein. Jetzt soll auch die Mensa als „Fredy-Hirsch-Forum“ an ihn erinnern.

Stolpersteine als Mahnmale

Immer wieder tauchten die „Stolpersteine“ als geeignete Form der Erinnerung auf. Die „Gruppe Z“ aus Stolberg erzählte von ihren Bemühungen rund um das Denkmal für die Roma am Bahnhof in Stolberg, und die Gesamtschule Stolberg will „rechten Tendenzen“ entgegenwirken. Annelore Einmahl stellte die „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ vor und ermunterte zur Mitarbeit. Die Gesellschaft hat 155 Mitglieder, ein Drittel davon sind Juden, und sie organisiert unter anderem Veranstaltungen, Vorträge und Konzerte.

Und Silke Peters, Miteinander in der Städteregion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, stellte ein Video vor (rap4respect), in dem Jugendliche rappen und dazu auffordern, die Stimme zu erheben. Vorträge zur „Behindertenpolitik im Nationalsozialismus“ und über das „Medizinische Denken im NS-Staat“ vervollständigten das Programm.

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