Aachen: Projekt Velocity hinkt im Zeitplan hinterher

Aachen : Projekt Velocity hinkt im Zeitplan hinterher

Was Sie in Aachen bewegt, davon hat die Umfrage unserer Zeitung einen guten Eindruck vermittelt. Themen waren unter anderen Umweltzone und Radwegenetz. Beide haben Berührungspunkte mit einem Projekt, das Sie vorerst in Aachen nicht bewegen wird — und das im wahren Wortsinn: Velocity, der großangelegte Pedelec-Verleih.

Laut Tobias Meurer, einem der Geschäftsführer von Veloctiy, wird es nicht gelingen, die in diesem Jahr zuvor angepeilten 25 Ladestationen zu installieren. Für die Rahmen der Räder gibt es außerdem noch keinen Lieferanten. Wann der Regelbetrieb aufgenommen werden kann, ist nicht sicher.

Die Finanzierung von 20 Stationen sei in diesem Jahr sichergestellt, so Meurer. Installiert ist bisher erst eine Teststation — am Informatikzentrum der RWTH in der Mies-van-der-Rohe-Straße. Allerdings gibt es mit der noch Probleme. „Noch nicht ganz funktionsfähig“ sei sie, sagt Meurer. In Anbetracht der Tatsache, dass genau das im Grunde ihre Aufgabe als Testballon ist, waren Probleme an dieser Stelle aber erwartet worden. Schwächen und Kinderkrankheiten sollen vor Start des Regelbetriebs auf diese Weise offenbart und rechtzeitig ausgemerzt werden.

Nicht zu erwarten war ein Problem, das mit den Elektro-Bikes zusammenhängt. Um kostendeckend arbeiten zu können — das Projekt Velocity ist nicht darauf ausgelegt, Gewinne zu erzielen — müsse man die Spezialrahmen für die Räder laut Meurer in China produzieren lassen. Eine Alternative dazu gebe es nicht — einen Lieferanten allerdings auch noch nicht. „Der Bestellprozess ist viel komplizierter, als wir gedacht haben“, sagt der Geschäftsführer. Man stehe zwar in Kontakt zu möglichen Produzenten, die Verhandlungen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Die Anforderungen an die Rahmen sind hoch, spezielle Form und Ausstattung werden benötigt — ein Flansch etwa, um die Pedelecs später an die Stationen zu docken. Der Serienproduktionsstatus für die Anbauteile werde gerade vorbereitet. Aus Deutschland kommt die Batterie, der Antrieb von einem Hersteller aus Europa. Von einem deutschen Anbieter kommen auch die zehn Räder, die man angeschafft hat, um den Betrieb der ersten Ladestation am Informatik-Institut zu testen. Das ehrgeizige, langfristige Ziel: 1000 Pedelecs, die man an Stationen überall im Stadtgebiet ausleihen kann.

Ein drittes Brett, das die Velocity-Macher zu bohren haben, betrifft die Software. Sie soll im Hintergrund laufen, Räder und Kunden verwalten, Abrechnungen erstellen und die Schnittstelle nach außen bilden — etwa zur eigenen App, mit der Kunden die Verfügbarkeit von Rädern prüfen und direkt Pedelecs ausleihen können. Die werde gerade programmiert, sagt Meurer.

Weitere Stationen im Sommer

Das Projekt Velocity wird bis jetzt ausschließlich eherenamtlich von Studierenden der FH und RWTH vorangetrieben. Es finanziert sich aus rund 305 000 Euro, die von der Stadt als Gründungszuschuss kommen, und privaten Sponsoren, die laut Meurer bisher etwa in der gleichen Größenordnung gespendet haben. Wenn der Regelbetrieb aufgenommen worden ist, sollen die Umsätze für die Finanzierung sorgen. Zudem können private und öffentliche Betriebe Patenschaften für Stationen übernehmen. Einige Zusagen habe man schon, erklärt Meurer.

In den Sommermonaten soll es weitergehen mit dem Aufbau. Die nächsten Stationen, die eingerichtet werden sollen, sind jeweils eine am Westbahnhof und am Campus Melaten in der Forckenbeckstraße. Weitere, etwa an Hauptbahnhof, Elisenbrunnen, Städteregionshaus oder Fachhochschule, sollen folgen. Zum Fahren fehlen dann nur noch die Pedelecs. Meurer: „Wir sind zuversichtlich, dass es in diesem Jahr noch klappt mit den Rädern.“

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