Projekt "Laienreanimation" macht Halt in der Hauptschule Aretzstraße

Wiederbelebungskurs : Schüler der Hauptschule Aretzstraße werden potenzielle Lebensretter

Aus den Lautsprechern hallen Popsongs, Schlager, sogar einmal das Lied der Kindersendung „Biene Maja“. Dazwischen zählt eine dröhnende Stimme die Minuten runter. Acht Minuten sind es insgesamt, die die knapp 50 Schüler der zehnten Stufe an der Gemeinschaftshauptschule Aretzstraße (GHS) durchhalten müssen, acht Minuten, die zwischen Leben und Tod entscheiden können.

An Puppen üben sie im Takt der Musik, was zu tun ist bei einem Kreislaufstillstand. „Herzmassage kann Leben retten“, tönt es aus den Lautsprechern.

Bei dem Projekt „Laienreanimation“ geht es genau darum: „Dann merken die Schüler auch, dass es auf sie ankommt, dass sie jetzt Leben retten können“, sagt Christina Förster. Die Lehrerin für Sport und Naturwissenschaften ist Koordinatorin und gemeinsam mit Schulleiter Ralf Said Initiatorin des Projektes. Viele ihrer Schüler seien außerdem am Berufsfeld Krankenpflege interessiert. Das Ergebnis überzeugt: Das Projekt soll nun regelmäßig an der Schule weitergeführt werden, alle Schüler der Klassen 7 bis 10 nehmen daran teil.

Auch Dr. Lukas Martin, der als Notarzt den Schülern die lebensrettenden Maßnahmen näherbringt, ist zufrieden: „Meist sind die Schüler zu 100 Prozent motivierbar.“ Er weiß, wovon er spricht: Seit mehreren Jahren läuft das Projekt schon, in ganz Nordrhein-Westfalen versucht die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) unter anderem mit der Kampagne „Ein Leben retten“ ein Bewusstsein für das Thema Wiederbelebung zu schaffen – und nimmt dabei auch ganz bewusst Schulen in den Blick. Es sei wichtig, gerade jungen Menschen klarzumachen, dass es nicht nur Fremde treffen könnte, sondern auch Freunde und Familie, meint Martin. „Die ersten paar Minuten sind da ganz entscheidend.“

„Anstrengend, aber lehrreich“

Der Notarzt beschreibt, was passiert, bei so einem Kreislaufstillstand, und was zu tun ist: „Prüfen, rufen, drücken.“ Jeden Tag sterben ungefähr 250 Menschen an einem Kreislaufstillstand, erklärt er. „Wenn ihr alle gut mitmacht“, fordert Martin die Jugendlichen vor ihm auf, „dann können wir diese Zahl reduzieren.“ Eines seiner Beispiele ist ein Video vom ungarischen Fußball-Nationalspieler Miklos Feher, der 2004 im Alter von nur 24 Jahren an einem Herzstillstand starb. Die Schüler sind dann sehr still, alle scheinen betroffen. So mache er deutlich, dass es tatsächlich jeden treffen könnte, bestätigt Förster.

Die meisten Schüler strengen sich dann auch an, nachdem Martin ihnen an der Puppe vorführt, was im Notfall zu tun ist. Einigen wird klar, dass das aber gar nicht so einfach ist – man wechselt sich ab, reibt sich die Hände. „Anstrengend, aber lehrreich“, so beschreibt die Schülerin Aleyna die Übung. Auch Momo ist ernsthaft bei der Sache, der Schüler weiß im Gegensatz zu den meisten bereits, was zu tun ist. Er habe das schon einmal gemacht, erklärt der 17-Jährige, „in Syrien“. Er fände es sehr gut, ein potenzieller „Lebensretter“ zu sein.

Mehr von Aachener Nachrichten