Aachen: Projekt „Einsteins Kinder“ zieht Bilanz

Aachen : Projekt „Einsteins Kinder“ zieht Bilanz

„Erzählen ist die älteste Kunst der Welt: Sie ist interaktiv, audiovisuell und sehr lebendig.“ Mit diesen Worten beschrieb die professionelle Geschichtenerzählerin Regina Sommer das, was sie in einem dreijährigen Projekt mit Grundschulkindern erprobte. Untersucht werden sollte, ob das Geschichtenerzählen positive Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder hat.

„Wir brauchen einen wissenschaftlichen Beweis“, sagte sie und bekam jetzt Unterstützung vom Lehrstuhl für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung an der Universität Köln. Professor Thomas Hennemann untermauert nach dem dreijährigen Pilotprojekt „Einsteins Kinder“ die These, dass das Erzählen die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder fördert.

Bei dem Projekt „Einsteins Kinder“ besuchte Regina Sommer drei Grundschulen in sozialen Brennpunkten: Die Grundschule Passstraße, die Grundschule Düppelstraße und die Regenbogenschule in Herzogenrath. Im ersten Jahr erzählte sie den Kindern Geschichten nach eigener Wahl, im zweiten Jahr durften die Kinder selber auswählen und im dritten Jahr lernten sie, ihre eigenen Geschichten zu erfinden.

Und nach jeder Geschichte bekamen sie Zeit, um ihre Ideen zu malen. Begleitet wurde das Projekt von der Universität in Köln: Die versuchte anhand von Fragebögen herauszufinden, ob sich am Verhalten der Schüler, ihrer Selbsteinschätzung und dem Klassengefüge im Laufe der drei Jahre etwas geändert hat.

Demnach gab es einen leichten Rückgang von Problemen mit Gleichaltrigen, auch emotionale sowie Verhaltensprobleme nahmen ab, und das Klassenklima verbesserte sich. Allerdings gab es eher keine Verbesserung in der Skala „Soziale Integration“. Dennoch ist Professor Hennemann überzeugt, dass das Geschichtenerzählen ein Faktor ist, um sozial-emotionale Kompetenzen von Grundschulkindern zu fördern. „Wir würden das Projekt sehr gerne breiter aufstellen“, sagte er.

Nach Meinung einer Lehrerin steht und fällt das Forschungsprojekt mit den Fragebögen. Die seien nicht kindgerecht und verführten die Schüler dazu, einfach irgendetwas anzukreuzen. Und andere halten das Geschichtenerzählen auf breiter Ebene für unrealistisch.

„Denn woher sollen die ganzen professionellen Erzähler kommen?“, fragten sie. Regina Sommer hob immer wieder die positiven Effekte des Erzählens hervor. Gerade für Flüchtlingskinder aus Ländern wie Syrien sei es etwas Vertrautes, einfach nur dazusitzen und zuzuhören. Und dann würden auch sie bald anfangen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Wie es nun aber weiter geht mit dem Geschichtenerzählen in den Grundschulen ist noch nicht sicher. Das Pilotprojekt „Einsteins Kinder“ wurde bislang von der Bürgerstiftung der Sparkasse Aachen, der Kulturstiftung Rheinland, der Bürgerstiftung Herzogenrath, der Universität Köln und einer privaten Förderin finanziert.

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