Aachen: Profis aus drei Jahrzehnten standen Spalier

Aachen: Profis aus drei Jahrzehnten standen Spalier

Riesenkulisse zur 1000. Zweitligapartie der Alemannia gegen den MSV Duisburg: „Mit ­31.200 Zuschauern ist der Tivoli fast ausverkauft”, stellte Stadionsprecher Robert Moonen vor vollen Tribünen beim Sonntagsspiel fest.

Und tatsächlich, es war stimmungsmäßig beinahe wie in goldenen Zeiten der traditionsreichen Ballerbude wenige 100 Meter höher an der Krefelder Straße, der jetzt vom Bagger der endgültige Garaus gemacht wird.

Zum Jubeltag der Fußballprofiabteilung, an dem der Verein TSV Alemannia 1900 e.V. eine Jubiläumsurkunde überreicht bekam, fehlte der Alemannia an diesem bedeckten Sonntag „nur” noch ein glatter, sauberer Sieg. Ein 2:2-Unentschieden (siehe Seite Sport) gegen die Zebras, die als direkte Nachbarn im tristen Tabellenkeller kamen, sollte folgen, konnte allerdings niemanden so recht trösten.

Vor allem auch nicht die etwas ergrauten Mannen aus der Mannschaft der Tivoli-Saison von 1974/75. Unter der bewährten Führung von Trainerlegende Michel Pfeiffer liefen vor dem Anpfiff in den traditionellen schwarz-gelben Trikots Georg Marwig, Dieter Baumanns, Willi Haag, Jo Montanes, Willi Reuter, Helmut Schütt, Erwin Palm und Christian Breuer auf den Platz. Sie bildeten, erweitert durch Günter Delzepich und Stephan Lämmermann, das Ehrenspalier für die aktuell spielenden Jubiläumskicker mit Kapitän Benny Auer an der Spitze.

Den Spagat zwischen Duisburg und Aachen schaffte bei der Ehrung der Ex-Alemanne und heutige Team-Manager der Duisburger, Ivica Grlic. Der schlaksige Mittelfeldspieler stand noch 2004 mit der Alemannia im Pokalfinale in Berlin. Stürmer-Kante Delzepich (1,92 Meter) und der wieselflinke „Lämmi”, wie der einstige Kultstar tituliert wurde, repräsentierten die 1980er und die 1990er Jahre.

Also hatte man mit dem anwesenden Personal alle Dekaden der Zweitligazeit zusammengefügt. Der legendäre Jupp Martinelli saß dieses Mal auf der Tribüne, er war nicht dabei in der Zweiten Liga. Jo Montanes, Lämmermann und Delzepich begleiteten offiziell die Übergabezeremonie vor Spielbeginn, dann erst kam der Rest der Altstars auf dem Spielfeld dazu.

Als sie da so standen vor mehr als 30.000 Zuschauern, bemerkte man bei den meisten sehr wohl ein verzücktes Lächeln auf ihren Gesichtszügen, nur der bekannt bodenständige Michel Pfeiffer guckte wie immer. Die Bewertung des Auftritts fiel sehr unterschiedlich aus. Delzepich stöhnte beeindruckt: „Das ist noch einmal richtig geil.” Lämmermann antwortet spontan: „Gute Stimmung. Aber der alte Tivoli, das fühlte sich besser an.”

Beim Tipp zum Spielausgang ging Pfeiffer von einem klaren Sieg aus: „3:1 tippe ich”, sagt er. Der über Achtzigjährige rannte dann an der Spitze der Gruppe im Eilschritt die Stufen zum VIP-Bereich hinauf, er wollte keine Minute vom Spiel verpassen. Die Jubiläums-Choreographie im S-Block sah er nicht mehr. „1000 Spiele 2. Liga, 1000 Spiele unsere größte Liebe” hieß es hier auf den Tafeln der Fans.

Sowohl ein größeres Verkehrschaos wie Ausschreitungen blieben laut Polizei aus. Ein Fan wurde in Gewahrsam genommen, eine Anzeige wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern im Gästeblock war zu verzeichnen.