Aachen: Problemzone Bushof: Neue Offensiven gegen den „Angstraum“

Aachen : Problemzone Bushof: Neue Offensiven gegen den „Angstraum“

Nicht erst seit gestern sind Streetworker und Ordnungshüter von Polizei und Stadt regelmäßig „vor Ort“ — dennoch sind gerade in jüngerer Zeit auch Beschwerden über massive Probleme im Bereich zwischen Peterstraße und Willy-Brandt-Platz an der Tagesordnung. Pöbeleien, Vandalismus, Drogenhandel und -konsum machen Anwohnern, Geschäftsleuten und Aseag-Kunden zusehends zu schaffen.

Die Situation, klagen viele, sei längst aus dem Ruder gelaufen. Die Aachener SPD will daher jetzt in die Offensive gehen, um effektiv gegenzusteuern und die Kräfte in Sachen Betreuungsangebote und Sicherheit neu zu bündeln, wie die Ratsfraktion in einer umfassenden Pressemitteilung wissen lässt. Spätestens bei der nächsten städtischen Sozialkonferenz am 7. September dürfte der Vorstoß wieder auf der politischen Tagesordnung stehen.

5 vor 12 am Bushof? Viele Geschäftsleute und Anwohner klagen, die Situation an der Peterstraße sei aus dem Ruder gelaufen. Beispielsweise wird in der City-Passage ein eigener Ordnungsdienst vermisst — obwohl dessen Eigentümer betont, dass Wachleute auf dem Posten seien. Die SPD hat jetzt einen Vorstoß gemacht mit dem Ziel, die Betreuungsangebote und Kontrollinstanzen zu verbessern. Auch auf städtergionaler Basis nimmt die Debatte Fahrt auf. Foto: Michael Jaspers

Denn auch im Hinblick auf die Zuständigkeiten der Kontroll- und Hilfsinstanzen scheint die Gemengelage am sozialen Brennpunkt Bushof — trotz mehr oder minder regelmäßiger Sondierung im Rahmen der sogenannten Ordnungspartnerschaft — eher unübersichtlich. Zuletzt hatten Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling und SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke, Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses, etwa ein verstärktes Engagement des Gesundheitsamtes gefordert. Das aber ist bekanntlich bei der Städteregion angesiedelt.

5 vor 12 am Bushof? Viele Geschäftsleute und Anwohner klagen, die Situation an der Peterstraße sei aus dem Ruder gelaufen. Beispielsweise wird in der City-Passage ein eigener Ordnungsdienst vermisst — obwohl dessen Eigentümer betont, dass Wachleute auf dem Posten seien. Die SPD hat jetzt einen Vorstoß gemacht mit dem Ziel, die Betreuungsangebote und Kontrollinstanzen zu verbessern. Auch auf städtergionaler Basis nimmt die Debatte Fahrt auf. Foto: Michael Jaspers

Zusammenarbeit verbessern

Anlass genug für Daniela Jansen, SPD-Kandidatin bei der im November anstehenden Neuwahl zur Nachfolge von Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU), weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Zusammenarbeit einzufordern. Jansen hatte jüngst zum Gedankenaustausch mit Vertretern der Suchthilfe, dem städtischen Fachbereichsleiter für Wohnen, Soziales und Integration, Rolf Frankenberger, und der sozialpolitischen Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, Nathalie Hüllenkremer, gebeten.

Angesichts der „vielfältigen Problemlage“, unterstreicht Jansen, könne es eine Lösung allerdings „nur mit allen Beteiligten geben“. So plädiert sie „neben der zweifelsfrei nötigen Ausweitung der Präsenz von Ordnungsbehörden“ — letztere hatte Grehling im Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt — für die Schaffung eines Quartiersmanagements. Ferner soll das Projekt „Queerbeet“, in dessen Rahmen sich Schwerabhängige in Begleitung von Sozialarbeitern um Begrünung und Müllbeseitigung kümmern, auch auf den Bereich Bushof ausgedehnt werden.

Schließlich sei eine verstärkte Einbindung der Geschäftsleute wünschenswert — vor allem mit Blick auf das Immobilienunternehmen Rendita Colonia, Eigentümerin der City-Passage: „Bislang bestehen hier keine Kontakte“, bemängelt die SPD. Und vermisst eine klare „Zuständigkeit für die Einrichtung eines privaten Ordnungsdienstes in der Passage“. Einige der wenigen noch in der Geschäftsmeile ansässigen Händler kritisierten unlängst, dass eigene Sicherheitskräfte ebendort kaum je gesichtet würden.

Was die zuständige Projektleiterin des Kölner Unternehmens gegenüber unserer Zeitung allerdings zurückweist: Seit Jahr und Tag werde die Passage regelmäßig und bis Ladenschluss durch private Wachleute begangen. Im Übrigen sei man derzeit mit Hochdruck darum bemüht, die Situation umfassend und zeitnah zu verbessern, erklärt sie vage. Näheres könne sie dazu noch nicht offiziell mitteilen.

30.000 Euro mehr Zuschuss

Auch die Frage, wie eine engere Kooperation mit den zuständigen Behörden der Städteregion gestaltet werden kann, steht unterdessen weiter im Raum. Deren Sprecher Detlef Funken unterstreicht auf Anfrage, man wolle „die Suchthilfe in der Städteregion Aachen in ihrer Gesamtheit auf den Prüfstand stellen“. Erst im Juli hätten die Fraktionen im Städteregionstag dem Diakonischen Werk, neben Caritas und Städteregion selbst Träger der Betreuungsangebote in der Stadt Aachen und im Altkreis, eine Zuschusserhöhung um 30.000 Euro für das kommende Jahr bewilligt.

Sämtlichen Beteiligten sei nämlich klar, „dass die Prüfung aller Fragen innerhalb des Jahres 2018 nicht zu bewältigen“ sei, betont Funken. Durch die Zusage weiterer Mittel gewinne die Verwaltung — also vor allem das Gesundheitsamt — „die notwendige Zeit, um strukturelle Grundlagen für eine Neuordnung der Suchthilfe zu schaffen“. Wie die konkret aussehen, bleibt freilich ebenfalls offen. In der nächsten Sitzung des zuständigen Ausschusses im Haus an der Zollernstraße am 26. September werde weiter darüber beraten, heißt es.

Grundsätzlich positiv steht derweil auch Hans Müller, sozialpolitischer Sprecher der CDU im Rat, dem Vorstoß des Aachener Koalitionspartners gegenüber. „Es besteht kein Zweifel, dass im Bereich Bushof dringend etwas passieren muss“, sagt er. „Selbstverständlich werden wir uns gemeinsam mit der SPD intensiv mit der Problemlage befassen.“ Allerdings halte er es für sinnvoll, die Gesamtsituation im Zusammenhang mit den Plänen zur Herrichtung des benachbarten Altstadtquartiers weiterzudiskutieren. Müller: „Dass die Schaffung eines Quartiermanagements mit allen bürokratischen Hürden, die das mit sich brächte, jetzt vordringlich ist, halte ich persönlich allerdings für fraglich.“

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