Aachen: Prinz Thomas II. springt aus dem Eäzekomp

Aachen: Prinz Thomas II. springt aus dem Eäzekomp

Fest hält er das Zepter in der Hand. Es hat die Form einer Angel, an der Spitze baumelt eine silberne Schnur mit einem silbernen Fisch. Karnevalsprinz Thomas II. lacht, Schweißperlen laufen ihm übers Gesicht, die Masse jubelt, ist aus dem Häuschen, hier und dort wird Bier verschüttet oder geschunkelt: Momentaufnahmen kurz nach dem Prinzenspiel, das Krippekratz Wolfgang Pauels in nur zwei Stunden auf der Autobahn schrieb.

Thomas Sieberichs‘ lebenslanger Traum ist in Erfüllung gegangen, er ist nun Prinz Thomas II. Nach der offiziellen Proklamation findet er kaum Worte, für das, was zuvor passierte. „Ich weiß nicht, ob es ein paar Minuten oder zwei Stunden her ist“. Wenn man auf der Bühne stehe, dann sehe und höre man nichts. „Es ist einfach grandios“, versucht der jecke 44-Jährige sein Wechselbad der Gefühle zu beschreiben.

Teuflischer Tanz der AAK-Mäddchere beim Prinzenspiel.

Rückblende: Thomas Sieberichs, im echten Leben Kranführer und Kraftfahrer, trägt im Spiel den Namen Nieres. Er sitzt entspannt am Platze Karls des Großen auf dem Eäzekomp und angelt in Camper-Tracht am „schönsten Platz zum Träumen“. Nieres schläft ein und träumt davon Öcher Prinz zu werden. Aus dem Schlaf erwacht, stellt er sich die Frage: Wie wird man denn eigentlich Karnevalsprinz? Weder der erfahrene Hofmarschall Gustl weiß Rat, noch steht die Lösung in der Prinzenrolle geschrieben. Ein Teufelswerk? Aber natürlich, denn die Aachener sind ja schließlich bekannt für ihren Pakt mit dem Krippekratz. Und Öcher zu sein, das bedeutet für Thomas Sieberichs alles.

Beim Rätseln, wie man denn eigentlich Prinz wird, ruft Nieres den Teufel herbei und der erscheint mit lautem Getöse samt Lousberg im Gepäck. Teuflisch ist der Deal, den der Satan mit dem Elferrat schloss: Nur er dürfe den Aachener Karnevalsprinzen bestimmen und gibt darum Nieres die Aufgabe, doch wahrlich einen Fisch im Karlsbrunnen zu fangen. Der Teufel, immer noch tief getroffen von der List der Aachener beim Dombau, zielt darauf, dass die Aachener Wurm und Pau fluten und die Stadt versenken. „Dann wird Aachen untergehen, wie die Alemannia“, fürchtet Dombaumeister Thorsten Bleyer mit ängstlicher Stimme.

Doch die Aachener sind „lues“, zu schlau, und überlisten den Teufel erneut. Die clevere Marktfrau, gespielt von Mundschenk Carsten Ganzauge, tritt in Erscheinung und gibt den Tipp, den Fisch doch einfach in den Brunnen zu werfen. Geboren ist die List, gesagt wie getan, schlüpft Schmied Marcel Meis in die Rolle des Fischverkäufers und wirft den Fisch in die Schüssel. Wie beim Entenangeln zieht der Nieres mit großer Leichtigkeit den dicksten Fisch aus dem Brunnen. Sekunden später schwindet Thomas auch schon hinter dem rot-glitzernden Vorhang, der mit großem Spektakel von der Decke des Europasaals fällt. Rund zwanzig Teufelchen stürmen zum fetzigen „Time“ der Black Eyed Peas die Bühne. Nach dem teuflisch guten Auftritt der AAK-Mäddchere, ist es auch Zeit: Endlich springt der frisch gebackene Thomas II. aus seinem Narrenthron, dem Karlsbunnen, hinter dem Teufelsvorhang hervor.

Jetzt geht für Thomas Sieberichs alles ganz schnell, die Prinzenkette überreicht ihm Vorgänger Rainer Cohnen. Es folgt AKV-Senatspräsident Rolf Lücker, der ihm gemäß dem Leitmotiv, das Angelzepter in die Hand drückt. Prinzenmütze und Prinzenfeder finden schnell an ihren Platz. Es regnet Konfetti en masse, das Publikum tobt und der Prinz singt: „Ein dicker Fisch, kommt auf den Tisch...“.

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