Aachen: Prinz Thomas gibt Gas, das Sturmtief hält sich zurück

Aachen : Prinz Thomas gibt Gas, das Sturmtief hält sich zurück

Warum das für Fettdonnerstag angekündigte Sturmtief ausgerechnet so heißen muss wie der Aachener Karnevalsprinz, weiß der auch nicht zu sagen. „Aber davon lassen wir uns die Laune nicht verderben“, ruft Thomas III. den Feiernden vor dem Burtscheider Abteitor zu. Die schunkeln sich warm und trotzen mit Regencapes und Schirmen wacker dem Regen.

Dabei hatten die Verantwortlichen der KG Oecher Spritzemänner morgens noch befürchtet, dass sie die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen kurzfristig absagen müssten. Doch zum Glück hält sich Thomas — also das Sturmtief, nicht der Prinz — erst einmal zurück. „Im Jahr des Goldenen Jubiläums der Spritzemänner wäre das wirklich schade gewesen“, sagt deren Präsident André Lander und freut sich, dass wieder mehr als tausend Jecke den Weg zum Jonastor gefunden haben.

Bei der Underground-Party feiern die Teenager (1), auf dem Hof die Tropi-Garde (2), in Burtscheid versammeln die Spritzemänner die Jecken auf dem Markt (3), und ins Brander Festzelt laden die Unterbähner ein (4). Foto: Andreas Herrmann

Vor über 30 Jahren habe man mit Euro-Paletten als Bühne in der Burtscheider Fußgängerzone begonnen und sei nach und nach gewachsen, bis man sich schließlich auf dem Markt wiederfand. Deshalb gehe es hier auch so familiär zu. „Wir sind sehr stolz darauf, den Öcher Straßenkarneval weiterhin hochzuhalten.“

Bei der Underground-Party feiern die Teenager (1), auf dem Hof die Tropi-Garde (2), in Burtscheid versammeln die Spritzemänner die Jecken auf dem Markt (3), und ins Brander Festzelt laden die Unterbähner ein (4). Foto: Andreas Herrmann

Und das wissen viele zu schätzen. Die Stimmung ist fantastisch. „Wir kommen seit vielen Jahren her“, sagt Elsbeth Görtz. Sie und ihre Freundinnen haben sich als Zitronen verkleidet und sind extra aus Kohlscheid angereist. „Das Programm hier ist toll gemischt und einfach einmalig.“

Rettungsdienste und Polizei zeigen am Fettdornnerstag verstärkte Präsenz in der Innenstadt und den Bezirken. Lange Zeit haben sie aber — gottlob — nur wenig zu tun. Foto: Harald Krömer

Luc I. bringt Burtscheid zum Toben

Rettungsdienste und Polizei zeigen am Fettdonnerstag verstärkte Präsenz in der Innenstadt und den Bezirken. Lange Zeit haben sie aber — gottlob — nur wenig zu tun. Foto: Harald Krömer

Neben der singenden Europaabgeordneten Sabine Verheyen, die das Bühnenprogramm eröffnet, und Lennet Kann alias Kurt Joußen geben sich noch viele weitere Aachener Karnevalsgrößen die Ehre. So auch die Originale und die 4 Amigos. Aber auch Märchenprinz Luc I. mit seinem Hofstaat und der Garde vom Aachener Kinderkarneval bringt mit seinem stimmungsvollen Sessionshit das Publikum zum Toben. Auf feinstem Öcher Platt verkündet er, dass die Schule für ihn in den nächsten Tagen ganz weit weg sei.

Als um 11.11 Uhr in Burtscheid schon gefeiert wird, herrscht in der Innenstadt noch regnerische Tristesse. Und auch das Penn-Zelt, das um 12 Uhr öffnet, füllt sich nur langsam. „Das ist schade, dass zu dieser klassischen Karnevalszeit in der Innenstadt noch nichts los ist“, sagt Frank Prömpeler. Den Markt vor dem Rathaus wiederzubeleben sei sicher eine Aufgabe für die Zukunft, kündigt der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK) an.

Mit gutem Beispiel voran geht immerhin die Tropi-Garde, die vom Münsterplatz in den Hof umgezogen ist und ab 13 Uhr dort handgemachten Familienkarneval feiert. Schade, dass fast zeitgleich auch die Oecher Penn ins Penn-Zelt auf dem benachbarten Katschhof einzieht, so dass ein Jeck, der sich für beide Veranstaltungen interessiert, ein Problem hat.

Doch die Stadtgarde im Zelt und die Tropis im Hof sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Im Penn-Zelt finden sich junge Gäste ab 20 Jahren einzeln und in Gruppen ein, zur Truppe mit dem Tropenhelm kommen eher Familien. Knapp 500 Jecke sind es schließlich, die den Hof während des zweistündigen Programms in eine Fastelovvendsarena verwandeln. Tropi-Generalin Sarah Siemons ist am Ende total begeistert: vom neuen Ort, vom Publikum, nur nicht vom Wetter. Obwohl sich Sturmtief „Thomas“ auch hier zurückgehalten hat. „Wir haben absolut keinen Wind gespürt“, sagt sie. Das sei auf dem Münsterplatz selbst bei weniger heftigen Böen immer anders gewesen. Wenn‘s also nach Sarah Siemons geht, die gemeinsam mit Jörg Carabin durch das Programm führt, kommen die Pfarrkarnevalisten von St. Josef im nächsten Jahr wieder zum Hof.

„Die Stimmung hier ist grandios“, sagt sie. Das liege zum einen an der Arena-Atmosphäre mit den Stufen hinunter zur Bühne. Und zum anderen am geänderten Konzept. „Auf dem Münsterplatz haben wir auch Wortbeiträge gebracht, hier konzentrieren wir uns ganz auf die Musik und Stimmung.“ Und die — unter anderem von den 4 Amigos, den Originalen und weiteren Tropi-Gruppen — kommt prima an beim kostümierten Publikum.

Gegen 13.30 Uhr hat sich dann auch das Penn-Zelt auf dem Katschhof gut gefüllt. „Das liegt sicher am zugigen Wetter draußen“, vermutet Penn-Presseoffizier Dirk Roemer. Die Penn zeigt Marketender-Tanz und Penn-Show, anschließend ist bis in die Nacht hinein Party angesagt — mit Livemusik und DJ.

Doch nicht nur in Burtscheid und der Innenstadt wird Karneval gefeiert. Die blauen Weiber in der Lützow-Kaserne feiern für den guten Zweck. Der Erlös ihrer Feier unter dem Motto „Jeder Jeck es angesch“, die erstmals von Heike Collas-Grabowski moderiert wird, geht an den Förderverein Krebskranke Kinder.

Der Tag beginnt für die blauen Weiber mit einem gemeinsamen Frühstück mit den Blaumännern auf Gut Neuhaus, anschließend wird der Stab der Kaserne gestürmt und das Kommando von General Ralf Lungershausen übernommen.

Lorenz Büffel rockt in Brand

Im Brander Festzelt feiern derweil die Brander Unterbähner unter dem Kommando von Moderator Ingo Strang. Tagsüber gibt es dort eine lockere Party unter anderem mit dem Brander Kinderprinzenpaar. Abends rockt Mallorca-Star Lorenz Büffel das Zelt, bevor der Aachener Prinz Thomas III. und der Brander Bürgerprinz Ralf IV. das Finale bestreiten.

Die KG Närrische Elf flieht vor dem Wetter vom Außengelände in den Saalbau Kommer. Dort wird Fastelovvend im kleinen Kreis gefeiert mit Kurt Christ, Robert Daum, Hubert Aretz, dem Lichtenbuscher Dreigestirn und anderen.

An Altweiber ist bekanntlich auch Aachens Justizia jeck. Moderator Holger Brantin begrüßt mit einem dreifachen Oche Alaaf Prinz Daniel I. mit den Richte­richer Koe Jonge, selbstredend begibt sich auch Prinz Thomas III. in die Höhle der Justizlöwen. Hier wird wild in der Cafeteria getanzt, selbst der ehemalige Kinderstar Heintje, heute der erwachsene Hein Simons aus Neu-Moresnet, gibt sich die Ehre.

Und im Apollo-Kino in der Pontstraße feiern die Zwölf- bis 18-Jährigen bei der Underground-Party — ohne Alkohol, dafür mit umso mehr Spaß.

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