Aachen: Premiere geht gründlich daneben

Aachen: Premiere geht gründlich daneben

Schöne und traurige Momente hat Jupp Martinelli so einige mit der Alemannia erlebt - „als Spieler und als Fan, da war einfach alles bei, was es im Fußball gibt”, bemerkt das Aachener Urgestein.

Der Montagabend, der überschattet wurde von einem schlimmen Unfall eines St.-Pauli-Fans, der nach dem Spiel eine acht Meter hohe Brüstung heruntergefallen ist, hat sich nahtlos in das Gedächtnis des ehemaligen Fußballprofis eingeprägt - er begann schön und endete traurig mit einem Schwerverletzten. Dagegen wirkt die 0:5-Niederlage im ersten Heimspiel im neuen Stadion beinahe nebensächlich.

Die mehr als magere Ausbeute nach dem ersten Spiel kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Jupp Martinelli sehr auf der erste Heimspiel gefreut hat. In den vergangenen Monaten hat er den neuen Tivoli wachsen sehen und war bei Stadionführungen dabei. Die Frage, ob er beim ersten Spiel auch ins Stadion gehen würde, hat sich für den 73-Jährigen gar nicht gestellt. „Das war doch klar”, sagt er. Auch wenn heute der Fußball nicht mehr ganz an erster Stelle stehen würde, wäre er doch immer sehr wichtig für ihn. Daher war lange klar, wo er am 17. August um 20.15 Uhr sein würde - im Stadion gemeinsam mit seiner Gattin Erika.

Die neue Spielstätte begeistert Martinelli, auch wenn ihm der Abschied vom alten Tivoli nicht leicht gefallen sei. „Doch die Alemannia hat das gut gemacht. Sie bewahrt die Tradition mit dem neuen Stadion. Das ist ja bei der heutigen Kommerzialisierung im deutschen Fußball nicht mehr unbedingt üblich.”

Tradition liegt Martinelli sehr am Herzen, umso besser, wenn man sie geschickt mit Modernität verbindet.

Das habe man mit dem neuen Tivoli geschafft, das Stadion sei sehr eng, nicht so weitläufig wie andere moderne Spielstätten. Es sei auch nicht übertrieben pompös, alles sei im angemessenen Rahmen geblieben. „Und es ist gelb, das gefällt mir am besten”, sagt Martinelli, den die Vereinsfarben Schwarz-Gelb geprägt haben. Kein Wunder also, dass dem ehemaligen Profi auch das neue Trikot gefällt. „Das sind eben meine Farben”, sagt er und lächelt.

Allein die Akustik macht ihm zu schaffen. „Da muss ich mich erst noch dran gewöhnen, das fängt sich hier mehr als im alten Tivoli”, erklärt er und deutet auf die Dachkonstruktion der neuen Spielstätte, während sich die Fans auf der Stehplatz-Tribüne eine Stunde vor dem Spiel langsam warmjubeln. Auch diese Tribüne schätzt Jupp Martinelli. Dass der Verein so viele Stehplätze einrichtet, spräche eben eine eindeutige Sprache und zolle der Traditionsstätte ihren Tribut.

Dass die Atmosphäre im neuen Stadion gut sein wird, da ist sich Martinelli sicher. „Aber das neue Stadion ist kein Selbstläufer, jedes Spiel muss gespielt werden”, spricht der erfahrene Mann eine Warnung aus, die sich etwa anderthalb Stunden später leider beim ersten Tor von Marius Ebbers bewahrheiten wird. Fans können auch sehr laut pfeifen.

Fußballgeschäft

Dennoch seien sie für einen Verein wichtig, weil sie in entscheidenden Momenten die Mannschaft unterstützen würden. Das erhofft sich Jupp Martinelli für die nächsten Spiele, merkt aber auch an, dass im Fußballgeschäft nicht immer alles so einfach sei, wie es scheine.

Doch Martinelli ist trotz des vermasselten Auftakts im neuen Stadion überzeugt, dass die Fans dem Team treu bleiben werden. Und ohne Hoffnung sieht er nicht in die Zukunft: „Natürlich ist es nicht schön zu verlieren, besonders bei diesem besonderen Anlass. Aber es ist erst der Beginn der Saison und es wird noch viele Spiele geben. Aus einer Niederlage sollte man noch keine Schlüsse ziehen.”

Und so ist leider klar, was im Nachhinein bleiben wird, ist die Erinnerung an einen schönen und gleichzeitig traurigen Abend im neuen Tivoli.

Lange Rückstaus nach dem Spiel

Nach dem Spiel ist es auf der Krefelder Straße gegen 22.30 Uhr zu langen Rückstaus gekommen. Über 30.000 Fans hatten sich das Spiel im neuen Stadion angesehen, dementsprechend waren die Straßen rund um den Tivoli blockiert.

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