Aachen: Preiswertes Wohnen: 20.000 Quadratmeter als Übungsgebiet

Aachen : Preiswertes Wohnen: 20.000 Quadratmeter als Übungsgebiet

„Das sind keine Luftschlösser, wir halten uns an die Realität.“ So erklärt Städtebauerin Anne Klasen-Habeney ein interessantes Projekt, für das am Montag der Startschuss erfolgte. An einer schwierigen Stelle des Stadtgebiets werden bis zum Sommer 40 ihrer Studenten Entwürfe für zeitgemäßes und preiswertes Wohnen anfertigen.

Auf einem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Jülicher Straße/Burggrafenstraße. 5000 davon sind schon bebaut, mit Reihenhäusern aus dem Jahr 1922, die stark renovierungsbedürftig sind und ein Teil des Gesamtprojektes ausmachen.

Das sind die Schlüssel der vorhandenen Wohnungen, die zum Teil schon entmietet sind, um mit der Restaurierung beginnen zu können. Foto: Ralf Roeger

Gebaut wurden sie im Zusammenhang mit dem wachsenden Industriegebiet Jülicher Straße, etwa dem aufstrebenden Schienenfahrzeughersteller Talbot, der 1929 1700 Mitarbeiter beschäftigte, oder der Anlage des Schlachthofs Ende der 1920er Jahre.

Bedarf ist da

Die restlichen 15 000 Quadratmeter sind jetzt Brachland in Richtung der Kleingartenanlage Wiesental. An dieser Stelle kommt städtebaulich viel zusammen, wie Thomas Hübner, Vorstand der Gewoge, am Montagmorgen bei der Kick-Off-Veranstaltung im Innenhof der Talbot-Siedlung erläuterte: Industriearchitektur, schon renovierte Häuser aus den 1960er Jahren im klassischen Geschosswohnungsbau und die denkmalgeschützten, noch älteren Reihenhäuser, angrenzend auch ein moderner Neubau der Lebenshilfe. „Von allen Seiten entwickelt sich hier im Nordviertel etwas. Man kann sehr gut erkennen, dass man hier sehr gut wohnen kann.“

Genau dahin soll der — jetzt zum vierten Mal stattfindende — Wettbewerb der Studierenden des FH-Fachbereichs Architektur führen. Die S-Immo hat dafür ein Preisgeld von 2500 Euro ausgelobt, die für drei Gewinne und eventuelle Ankäufe verwendet werden. Geschäftsführer Dietmar Röhrig erläuterte, weshalb die Sparkassen-Tochter sich in diesem Bereich engagiert: „Wir machen das im Schulterschluss mit der FH, weil wir hoffen, dass nicht nur Entwürfe entstehen, sondern auch preiswerter Wohnraum, für den der Bedarf da ist.“

Den ersten Aufgalopp nutzten die Studierenden, um sich mit den Örtlichkeiten und der vorhandenen Bausubstanz vertraut zu machen. In den denkmalgeschützten Häusern entlang der Jülicher Straße befinden sich reizvolle Details wie alte Türen oder Treppengeländer, die bei der Restaurierung erhalten bleiben sollen. Die Miete dort betrug zuletzt 2,75 Euro pro Quadratmeter, allerdings fehlt jeder moderne Wohnstandard. Nach der Modernisierung soll die Miete noch überschaubar bleiben, etwa 5,75 Euro, wenn öffentliche Gelder fließen, oder sechs bis sieben Euro in den zu entwerfenden Neubauten, rechnet Gewoge-Vorstand Hübner vor.

Die 40 jungen Männer und Frauen müssen ihre Entwürfe zum Abschluss ihres dreijährigen Bachelorstudiums vorlegen. Neben Prof. Anne Klasen-Habeney vom Lehrgebiet Städtebau werden sie betreut von Prof. Ulrich Eckey vom Lehrgebiet Entwerfen und Wohnbau: „Die Studierenden haben jetzt bis zum Juli Zeit, daran zu arbeiten.“ Das Preisgericht wird im September tagen. Aufgabenstellung ist unter anderem, sozialen Wohnungsbau bei sparsamem Flächenverbrauch zu entwickeln und gleichzeitig eine hohe Wohnqualität und Raum für gemeinschaftliches Wohnen zu schaffen. Etwa 150 neue Wohnungen werden entstehen, 30 Prozent davon öffentlich gefördert. Investiert werden mehr als 20 Millionen Euro.

Eine Chance?

Hat denn einer den Entwürfe die Chance, wirklich verwirklicht zu werden? Einfach bejahen kann Gewoge-Vorstand Thomas Hübner diese Frage nicht. Aber immerhin sagt er: „Ich freue mich auf die Ergebnisse im Juli.“

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