Preiserhöhung im Aachener Verkehrsverbund verärgert ältere Menschen

AVV-Tarif : Für ältere Paare wird es künftig richtig teuer

Die für nächstes Jahr angekündigten Preiserhöhungen im Aachener Verkehrsverbund (AVV) sorgen weiter für erhebliche Kritik. Ob die neue Preisrunde das passende Instrument ist, mehr Menschen in Busse und Bahnen zu locken, ist die eine Frage.

Ob sie auch sozial ausgewogen ist, ist die andere. Vor allem für ältere Paare und Rentner fallen die Preissteigerungen deutlich drastischer aus als bisher gedacht.

Am kommenden Freitag soll die AVV-Verbandsversammlung endgültig über die neuen Preise entscheiden und dabei auch das bisherige Ticket „Aktiv Duo“ für Menschen über 60 abschaffen. Die Folgen für die bisherigen Nutzer sind durchaus schwerwiegend, denn der Schritt kommt einer Preisanhebung von sage und schreibe 26,4 Prozent gleich. Ältere Paare, die das Duo-Abo bisher für 91,80 Euro erwerben konnten und weiter mit Bussen und Bahnen mobil bleiben wollen, müssen sich ab Januar pro Person ein „Aktiv Abo“ kaufen. Beide Tickets zusammen schlagen dann mit 116 Euro zu Buche.

„Das ist zu viel“, empört sich eine 78-jährige Rentnerin, die gemeinsam mit ihrem Mann von einer eher knappen Rente leben muss. 24,20 Euro jeden Monat mehr reißen bei ihnen ein schmerzhaftes Loch in die Kasse, klagt die Frau. Noch hat sie Hoffnung, dass die AVV-Verantwortlichen ein Einsehen zeigen.

Das ist allerdings mehr als fraglich, wie nicht zuletzt die beiden Aachener Verkehrspolitiker Jörg Lindemann (CDU) und Ye-One Rhie (SPD) deutlich machen. Denn längst seien in den verschiedenen Gremien des AVV-Reichs in Heinsberg, Düren und der Städteregion Aachen Fakten geschaffen worden, die kaum noch rückgängig gemacht werden könnten. Da die Tarife im gesamten Verbundsystem gelten, könnten einzelne Kommunen nun schwerlich ausscheren oder bereits getroffene Beschlüsse korrigieren.

Vor allem die Aachener SPD hatte an der Beratungsfolge in den AVV-Gremien zuletzt heftige Kritik geübt und auch da schon ihre Bedenken gegen die Preiserhöhungen geäußert, die im nächsten Jahr Hartz-IV-Empfänger und Senioren überdurchschnittlich stark belasten werden. Abgelehnt wurden die Erhöhungen letztlich jedoch nur von Grünen, Linken und Piraten.

Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings die Auswirkungen der nun vorgesehenen Abschaffung des „Aktiv Duos“ auf dem Schirm, wie auch Jörg Lindemann zugibt. „Die Problematik war uns nicht bewusst“, sagt er. Und auch Rhie erklärt, dass es vielleicht besser gewesen wäre, nochmals „genauer nachzufragen“.

Denn der AVV hat sein Vorhaben in den Beratungsunterlagen eher in einem Nebensatz versteckt und die Folgewirkungen offenbar auch heruntergespielt. „Uns wurde gesagt, dass die Nutzerzahlen verschwindend gering sind“, sagt Rhie.

Land will einheitliche Tarife

Auch auf Anfrage unserer Zeitung erklärt AVV-Pressesprecher Markus Vogten, dass die Zahl der „Aktiv Duo“-Abonnenten „nicht so riesig“ sei. Die Zahl liege bei „etwas über 400“, sagt er. Demgegenüber verkaufe man rund 3600 Einzel-„Aktiv-Abos“. Den Wegfall des bisherigen Rabatts für das Duo-Abo begründet er mit dem Wunsch des Landes, den Tarif-Dschungel zu lichten und möglichst einheitliche Tarife zu schaffen. Der AVV sei landesweit der einzige Anbieter eines Duo-Abos. Zugleich verweist Vogten auf die verbesserten Leistungen im Seniorenangebot. Denn das Aktiv-Abo kann künftig auch schon morgens vor 9 Uhr genutzt werden, was bisher nicht erlaubt war. Auch könnten Mitfahrer nach 19 Uhr und an Wochenenden kostenlos mitgenommen werden.

Fraglich, ob das die 400 Rentner-Paare tröstet, die ab Januar eine Preisanhebung um 26,4 Prozent verkraften müssen. „Wir sind nicht glücklich mit dem, was für die Senioren rauskommt“, sagt Rhie. Und auch vom Seniorenrat kam bereits Kritik an der Preisgestaltung. Wie die AVV-Verbandsversammlung damit umgeht, wird sich nächsten Freitag zeigen.

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