Praxisintegrierte Ausbildung "PiA" startet erstmals in Aachen

„PiAs“ lernen drei Jahre in der Kita : Stadt Aachen begrüßt angehende Erzieherinnen und Erzieher

Die ersten „PiAs“ sind da. Die Stadt Aachen hat pünktlich zum Start des neuen Kita-Jahrs 46 angehende Erzieherinnen und Erzieher willkommen geheißen. 24 von ihnen betreten gemeinsam mit der Kommune Neuland.

Sie starten in die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA), die in Aachen zum ersten Mal angeboten wird. „Wir brauchen Sie alle!“ Mit diesen Worten begrüßte Jugend- und Bildungsdezernentin Susanne Schwier am Donnerstagmorgen in der Nadelfabrik 46 erwartungsvolle junge Menschen – darunter eine Handvoll Männer. „Ich freue mich, dass Sie sich entschieden haben, Erzieherinnen und Erzieher bei der Stadt Aachen zu werden.“

Die „PiAs“ absolvieren eine dreijährige Ausbildung in einer Kindertagesstätte oder in der Offenen Ganztagsschule (OGS). Sie sind ab dem ersten Tag beim Kita-Träger, in diesem Fall der Stadt Aachen, angestellt und werden tariflich bezahlt. Der schulische Part der Praxisintegrierten Ausbildung findet an einer Fachschule statt. Gegenüber dem klassischen Weg in den Beruf ist „PiA“ etwas ganz Neues. Bisher absolvieren angehende Erzieherinnen zunächst zwei Jahre lang eine Fachschule und danach ein Anerkennungsjahr als Berufspraktikantin bei einem Träger, bevor sie die staatliche Anerkennung in der Tasche haben.

Die Stadt eröffnet diesen neuen Weg in den Beruf nicht aus Jux und Dollerei. Fachkräfte für die Kitas sind seit Jahren schwer zu kriegen. „PiA“ ist ein Baustein im Personalentwicklungskonzept, das alle Bemühungen der Kommune bündelt. „Durch ‚PiA‘ wollen wir bei jungen Leuten mehr Anreize schaffen“, sagte Susanne Schwier bei der Auftaktveranstaltung. Erzieherin bei der Stadt, diese Perspektive solle attraktiver werden. Und zumindest im ersten Anlauf scheint das zu funktionieren. Für die 24 PiA-Stellen habe es 60 Bewerbungen gegeben, berichtete die Dezernentin. „Das war sehr erfreulich.“ Weitere acht Auszubildende, die schon ein Jahr Fachschule hinter sich haben, wechseln nun gleich ins zweite Jahr der Praxisintegrierten Ausbildung.

Schwier zeigte sich überzeugt, dass beide Seiten von dem neuen Konzept profitieren. „Die jungen Leute sind von Anfang an in die praktische Arbeit eingebunden. Und für unsere Teams in den Kitas sind die Kräfte eine Riesenentlastung. Jeder Mitarbeiter zählt.“

Die Stadt muss für „PiA“ allerdings deutlich mehr Geld in die Hand nehmen. Eine Erzieherin im Anerkennungsjahr koste die Stadt rund 23.000 Euro, sagte André Kaldenbach, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Eine angehende Erzieherin startet mit 1100 Euro brutto monatlich in die Praxisintegrierte Ausbildung. Das ergibt für die Stadt als Träger unterm Strich Kosten von 60.000 Euro pro Auszubildender. „Geld, das wir aber gerne in die Hand nehmen“, versicherte Berthold Hammers, Fachbereichsleiter Personal und Organisation bei der Stadt.

Eingesetzt werden die 24 „PiAs“ in 22 der 57 städtischen Kitas sowie in zwei der neun Offenen Ganztagsschulen in städtischer Regie. Die Arbeit in den Einrichtungen sei durchaus anspruchsvoll, warnte Susanne Schwier die Neuen. „Die ganz Kleinen in den Kitas sind erst acht Monate alt.“ Und die Vielfalt der Nationen, die sich auch in den Aachener Kitas abbilde, bringe zusätzliche Herausforderungen. „Jede Nation bringt ihre Kultur, ihre Erziehungsmethoden mit.“ Schwier findet es sinnvoll und wichtig, dass angehende Erzieherinnen das in ihrer Ausbildung von Anfang an miterleben.

Praxis von Anfang an: Michelle Koleczko ist eine von 24 „PiAs“, die die neue Form der Erzieherausbildung in Aachen beginnen. Foto: Andreas Herrmann

Michelle Koleczko ist eine der 24 ersten „PiAs“. Als Auszubildende wird die 20-Jährige das Team der Kita Passstraße 123 verstärken. Und sie freut sich schon sehr darauf. In ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr hat Koleczko in der OGS einer Montessori-Schule gearbeitet. „Da habe ich viel von der Praxis mitbekommen.“ Das wünscht sie sich auch für ihre Ausbildung. Und dass sie von Anfang an Geld verdient, sei auch keine schlechte Perspektive.

Beim Auftakt in der Nadelfabrik gab es für die Neuen erst mal reichlich Informationen über die Stadtverwaltung und den Fachbereich Kinder, Jugend und Schule. Mehrere städtische Kitas waren mit Infoständen vertreten und stellten ihre Schwerpunkte vor. Bereits am Donnerstagnachmittag aber verbrachten alle „PiAs“ ihre ersten Stunden in einer städtischen Kita – Praxis von Anfang an.

Die Stadt wolle gleichwohl auch den klassischen Weg für Erzieherinnen – Fachschule plus Anerkennungsjahr – weiterhin anbieten, betonte die Jugenddezernentin. Hier sind allerdings schon in der aktuellen Runde nicht alle Praktikumsplätze besetzt worden. Fest steht ebenfalls schon jetzt: Die zweite Runde der Praxisintegrierten Ausbildung in Aachen beginnt am 1. August 2020. „Bewerben kann man sich ab sofort“, sagte Berthold Hammers. Erzieherinnen und Erzieher sucht die Stadt nämlich ständig. Derzeit gibt es laut Hammers 15 bis 20 offene Stellen im Kita-Bereich. „Bei insgesamt rund 1000 Fachkräften ist das relativ gut“, betonte er. Erledigt hat sich der Fachkräftemangel aber noch lange nicht.

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