Praxisintegrierte Ausbildung für Erzieher ab Sommer in Aachen

Neues Personal für die Kitas : Die Stadt bildet künftig Erzieherinnen aus

Das ist ganz neu: Junge Menschen können sich bei der Stadt Aachen in drei Jahren zur Erzieherin oder zum Erzieher ausbilden lassen. Im Sommer soll es loszugehen. Auf ihrem Karriereportal im Internet wirbt die Stadt bereits um „auszubildende Erzieher­*innen“.

Mit dem Einstieg in die noch recht neue Praxisintegrierte Ausbildung (PIA) will die Stadt einen weiteren Schritt gegen den massiven Fachkräftemangel in ihren Kindertagesstätten tun.

Wer Erzieherin oder Erzieher werden möchte, besucht bisher zwei Jahre lang eine Fachschule und absolviert danach ein einjähriges Berufspraktikum bei einem Träger. Nun kommt ein weiterer Weg dazu. Mit PIA findet die dreijährige Erzieherausbildung beim Kita-Träger statt, in enger Zusammenarbeit einer Fachschule für Sozialpädagogik, zum Beispiel an der Aachener Käthe-Kollwitz-Schule.

Im Personal- und Verwaltungsausschuss hat die Verwaltung dieses „erfolgversprechende Handlungsfeld“ jüngst vorgestellt. Der offizielle Beschluss soll in der nächsten Ratssitzung Anfang Mai gefasst werden.

Wie Björn Gürtler vom städtischen Presseamt auf Anfrage mitteilte, will die Stadt zum 1. August 25 Bewerberinnen und Bewerber für das erste Ausbildungsjahr einstellen. Mitte Mai sollen bereits die ersten Bewerbungsgespräche stattfinden.

Aber auch angehende Erzieherinnen, die am 1. August schon ein Jahr Fachschule hinter sich haben, können dann noch in die Praxisintegrierte Ausbildung einsteigen und im zweiten Ausbildungsjahr loslegen. Hierfür will die Stadt 17 Plätze bereitstellen. Zudem gibt es auch künftig insgesamt 49 Plätze für das Anerkennungsjahr nach der klassischen zweijährigen Fachschulausbildung.

PIA ist aus Sicht der Verwaltung für beide Seiten vorteilhaft. Die Auszubildenden erhalten einen festen Ausbildungsvertrag über drei Jahre inklusive Ausbildungsvergütung ab dem ersten Jahr. Die Kommune wiederum sieht die Chance, den Nachwuchs auf diese Weise frühzeitig an sich zu binden. Wer in einer städtischen Kita gelernt hat, so die Überlegung, bleibe hoffentlich auch nach der Ausbildung als Erzieherin in Aachen. In Aussicht gestellt wird erfolgreichen Absolventen ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis bei der Stadt.

PIA ist Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, mit dem die Stadt dem Personalmangel in der Kinderbetreuung begegnen will. Die Lage ist ernst. Im Februar 2018 waren zusammengerechnet 35 Vollzeitstellen in den Kitas nicht besetzt. Das waren immerhin rund fünf Prozent aller Stellen. Ganz so schlimm ist die Lage mittlerweile nicht mehr. Laut Verwaltung ist die Zahl der unbesetzten Stellen auf unter 20 gesunken. „Das ist immer noch nicht ideal, aber wir sehen erste Erfolge“, sagt Björn Gürtler vom städtischen Presseamt.

Notfallvereinbarung unterzeichnet

Endlich in trockenen Tüchern ist auch die „Vereinbarung zum Umgang mit personellen Notsituationen“ in den städtischen Kitas. In dem Papier ist verbindlich festgelegt, was zu tun ist, wenn in einer Einrichtung gleich mehrere Kräfte ausfallen. Ab wann werden Gruppen zusammengelegt? Unter welchen Umständen muss eine Kita geschlossen werden? Wie sind die Eltern zu informieren? Verwaltung und Personalrat haben die Vereinbarung unterschrieben, die für beide Seiten bindend und seit gut einer Woche in Kraft ist. An den Inhalten war monatelang gefeilt worden. Zuletzt hatte es noch einmal Verstimmungen gegeben, weil die Verwaltung die Regelungen lediglich per Dienstanweisung umsetzen wollte.

Stephan Baurmann, Personalratsvorsitzender der allgemeinen Verwaltung bei der Stadt Aachen, ist sehr zufrieden mit der Vereinbarung. „Die Beschäftigten haben nun klare Handlungsanweisungen und eindeutige Rückendeckung“, sagt er, „alle wissen, wann und wie zu reagieren ist.“ Auch der kurze Draht in den städtischen Fachbereich Kinder, Jugend und Schule ist ab sofort gewährleistet. Über ein „Notfalltelefon“ ist morgens zwischen 7 und 8.30 Uhr immer eine pädagogische Teamleitung zu erreichen.

Zustimmung gibt es auch bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die bereits Ende 2017 in einem Alarmbrief an den Oberbürgermeister dringend Maßnahmen gegen den Personalmangel gefordert hatte. „Wir sind sehr froh, dass die Vereinbarung nun in trockenen Tüchern ist“, sagt Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka. In jeder Kindertagesstätte sei künftig hinterlegt, was zu tun sei, wenn eine bestimmte Personalbesetzung unterschritten werde – im Extremfall bis hin zur vorübergehenden Schließung der gesamten Einrichtung.

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