Aachen: Präsident Gauck wird von der Stadt Aachen nicht viel sehen

Aachen: Präsident Gauck wird von der Stadt Aachen nicht viel sehen

Am Tag vor dem großen Tag geht es in der Stadt zu wie daheim, wenn Besuch kommt. Es werden noch ein paar Stühle gerückt auf dem Katschhof und ein Techniker hält am Mikrofon eine kleine Rede: „Test, Test, eins, zwei, drei — da brummt was“.

Es brummt auch im Rathaus, wo die Medienvertreter auf die Ausstellungen eingestimmt werden. 140 Journalisten sind dem Vernehmen nach gekommen, und der Oberbürgermeister freut sich über das große Interesse an dem, was sich die Stadt zum Karlsjahr hat einfallen lassen.

Wer Joachim Gauck zuwinken will, hat dazu auf dem Markt und auf der Krämerstraße Gelegenheit. Foto: Stock/Thilo Schmülgen

Jahre haben sie daran gearbeitet, und trotzdem werden manche Details erst auf den letzten Drücker fertig. Im neuen Centre Charlemagne sind Handwerker noch mit Kabeltrommeln unterwegs, und der Blick der Presseleute fällt weniger auf wertvolle Ausstellungsstücke, sondern zunächst auf eine Aluminiumleiter. Aber man hat schließlich noch einen Tag bis zur feierlichen Eröffnung durch den Bundespräsidenten.

Joachim Gauck und First Lady Daniela Schadt werden am heutigen Donnerstag knapp drei Stunden in der Stadt verbringen, allerdings nicht allzuviel von ihr sehen. Aber immerhin die Highlights. Rathaus, Centre Charlemagne und Domschatzkammer stehen auf dem Programm, ein Empfang in der Aula Carolina ist mit dem Zusatz „eventuell“ versehen.

Umgekehrt werden die Aachener auch nicht viel von ihrem Bundespräsidenten sehen. Ein großer Auftritt vor großem Publikum ist jedenfalls nicht geplant. Die Ausstellungseröffnung findet zwar nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern Open Air auf dem Katschhof, aber vor etwa 900 geladenen Gästen. „Das sind die politischen Repräsentanten von Bund, Land und Stadt“, erklärt Olaf Müller, der Leiter des städtischen Kulturbetriebs, „aber auch Vertreter von Sponsoren und Leihgebern.“ Bei all den Honoratioren seien aber auch Bürgerwünsche berücksichtigt worden, sagt Müller.

Die Beschränkung auf 900 Gäste ist mit der Öcher Gewohnheit zu erklären, je nach Wetterlage einen Plan B in der Tasche zu haben. Sollte es aus Kübeln schütten oder ein Unwetter im Anzug sein, wird der Festakt in den Aachener Dom verlegt. „Dort können wir 900 Leute unterbringen“, erklärt Olaf Müller, „und deshalb können wir auch nicht mehr einladen.“

Wer als normaler Öcher dem Bundespräsidenten zuwinken will, hat dazu zwei Gelegenheiten. Um 16 Uhr werden Gauck und Schadt auf dem Markt der Limousine entsteigen, mit der sie von der Nato-Airbase in Geilenkirchen nach Aachen kommen. Begrüßt werden sie vor dem Rathaus von Oberbürgermeister Marcel Philipp und NRW-Kultusministerin Ute Schäfer. Dann verschwindet der hohe Besuch im Weißen Saal und trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Danach geht es in den Krönungssaal zu einem Rundgang durch den Ausstellungsteil „Orte der Macht“. Das Rathaus verlassen die prominenten Besucher gegen 16.50 Uhr, laut Protokoll geht es dann zu Fuß über die Krämerstraße zum Katschhof.

Auch dabei können Passanten aus gebotenem Sicherheitsabstand einen Blick auf die Prominenz erhaschen, von der sie — wie zuvor schon auf dem Markt — durch Absperrgitter getrennt sind. Nach dem Festakt auf dem Katschhof werden Gauck und Schadt noch die Ausstellung „Verlorene Schätze“ in der Domschatzkammer besichtigen und anschließend „eventuell“ noch am Empfang in der Aula Carolina teilnehmen. Kurz vor sieben Uhr reisen sie wieder ab.

Aber man kennt ja das alte Lied: „Wer einmal in Aachen war...“