Postadresse "Henger Herrjotts Fott"

Postadresse "Henger Herrjotts Fott"

Aachen (an-o) - Für die Aachener hieß er nie anders - der Platz hinter der Wirichsbongardstraße, zur Schildstraße hin: "Henger Herrjotts Fott". Jetzt aber hat er seine Existenzberechtigung schriftlich, am Samstag wurde mit großem Tamtam ein Straßenschild enthüllt.

Der Tourist, bar jeglicher Öcher Sprachkenntnisse, steht nun fassungslos vor dem Straßenschild: Denn unter der Bezeichnung "Henger Herrjotts Fott" wird ihm auf einem Zusatzschildchen in weiß auf blau lediglich mitgeteilt, dass es sich um eine mundartliche Bezeichnung des Platzes handelt. Die genaue Bedeutung des Namens bleibt also weiterhin ein Geheimnis. Und welcher Öcher ist schon in der Lage, in akzentfreiem Hochdeutsch von einem Standort im Angesichte des verlängerten Rückens des Gottessohnes zu erzählen.

Samstag Vormittag, Punkt 11 Uhr. Die Eifel-Musiker spielen einen Tusch. Gut gelaunt begibt sich Ernst Stirnberg zum noch mit einem Tuch verhüllten Straßenbild, um mit einem Ruck an der Kordel der ganzen Welt zu zeigen, wie der Platz, dessen Mitte eine von Bonifatius Stirnberg geschaffene Kreuzigungsgruppe ziert, nun auch offiziell heißt. Ein Herzenswunsch des rührigen Vorsitzenden des Bürgervereins "Henger Herrjotts Fott" ist damit ihn Erfüllung gegangen.

Selbstironischer Begriff

Die vielen Ehrengäste lauschen den Worten des Bezirksvorstehers von Aachen-Mitte, Peter Michael Koenig, der versucht, auch Nicht-Aachenern zu vermitteln, warum der Platz diesen Namen hat: "Die Aachener sind ein herzliches Völkchen mit einer herzlichen Sprache, die äußerst deftige Ausdrücke enthält." Zu der Zeit, als die inneren Ringe noch Aachen begrenzten, seien diejenigen, die inmitten der Stadt, der Marktgegend und dem Domviertel lebten, die feineren Leute gewesen. Als Domgrafen (Duemjroefe) seien sich bezeichnet worden. "Die guckten auf die Leute herab, die im ärmeren Teil der Stadt wohnten, hinter der Kreuzigungsgruppe, die von Angesicht zu Angesicht mit dem Dom korrespondierte."

Selbstironisch hätten die nicht so Begüterten die Frage nach ihrem Wohnort beantwortet: "Henger Herrjotts Fott." Auch die Kirche habe im stockkatholischen Aachen nie Probleme mit dem Ausdruck gehabt. "Im Gegenteil, die Leute, die die Rückansicht des Herrn anblicken, haben mehr Zeit, sich um andere Leute zu kümmern", habe ein Pfarrer ihm gesagt, bemerkte Koenig.

Ernst Stirnberg gab bekannt, dass sein Bürgerverein ab 2004 Mitglied im Rathausverein wird und kredenzte Bezirksvorsteher Koenig einen Spendenscheck über 200 Euro. "So schließt sich der Kreis zwischen den einstigen Widersachern.

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