Aachen: Polizeiprügler muss für ein Jahr und acht Monate in Haft

Aachen : Polizeiprügler muss für ein Jahr und acht Monate in Haft

Ein Jahr und acht Monate ohne Bewährung — so lautet das Urteil gegen einen der Beteiligten aus einer Gruppe junger Männer, die am 4. November 2017 Polizisten am Peterskirchhof angegriffen und so heftig geschlagen und getreten hatten, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Die Polizei wertet das verhältnismäßig harte Urteil als klares Signal dafür, dass Angriffe auf Einsatzkräfte nicht toleriert werden, hieß es auf „Nachrichten“-Anfrage aus dem Präsidium.

Polizeioberkommissar Andreas Müller: „Wir sind froh über das Zeichen, das die Justiz mit der langen Haftstrafe gesetzt hat. Damit trägt sie konsequent der besorgniserregenden Entwicklung steigender Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten Rechnung.“

Bei der Staatsanwaltschaft Aachen laufen derzeit Ermittlungen gegen neun weitere Männer aus der Gruppe, erklärte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts.

Zehn bis 15 Personen sollen an dem Vorfall in einer Nacht von Freitag auf Samstag im vergangenen November beteiligt gewesen sein. Ein Anrufer schilderte in der Leitstelle der Polizei, wie er gegen halb drei Uhr nachts auf dem Vorplatz der Kirche St. Peter in der Nähe des Bushofs aus einer Gruppe junger Männer heraus angegriffen worden sei. Auch Anwohner hatten sich gemeldet, die sich von der Gruppe gestört fühlten.

Zwei Polizisten wurden entsandt, sich des Vorfalls anzunehmen. Vor Ort wollten sie die alkoholisierten und aggressiven Personen kontrollieren und die Personalien feststellen. Das missfiel einem 18-Jährigen, der sich den Anweisungen der Beamten widersetzte und mit ausgestreckten Armen auf die Polizisten zuging. In der Folge schlug er einen Beamten mit der Faust ins Gesicht. Die Polizisten konnten ihn anschließend zu Boden bringen und dort fixieren. Dort schlug und trat der Mann weiter um sich.

Daraufhin attackieren mehrere Männer aus der Gruppe die Beamten aus dem Hinterhalt. Brutal traten und schlugen sie gegen deren Köpfe. Den Polizisten gelang es jedoch, Verstärkung anzufordern. Acht Streifenwagen rückten an, zehn junge Männer wurden vorläufig festgenommen: ein 31-Jähriger und neun weitere Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren. Einer war nur auf Bewährung aus dem Gefängnis. Der Mann aus Würselen wurde von einem Richter direkt zurück in Haft geschickt, die anderen kamen frei oder wurden ihren Eltern übergeben.

Der 18-Jährige, der sich den Polizisten zu Beginn widersetzt hatte, randalierte auch auf dem Weg ins Präsidium weiter. „Er hat rumgelärmt, die Beamten beleidigt und sich im Streifenwagen übergeben“, sagt Daniel Kurth, Richter und Pressedezernent am Landgericht. Die Jugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten ohne Bewährung, die der Mann nun erhalten hat, wurde wegen zwei Fällen von „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“ verhängt. Ein Fall in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, einer in Tateinheit mit Beleidigung.

Schwierige Ermittlungen

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung waren nicht einfach. Stefan Wagner, Ermittler beim Kriminalkommissariat 11, zuständig für Kapitaldelikte: „Es war eine schwierige und aufwendige Ermittlungsarbeit. Der Knackpunkt lag darin, jedem einzelnen einen konkreten Tatbeitrag nachzuweisen. Das ist bei Tumultdelikten mit vielen Beteiligten äußerst schwierig. Die Verurteilung zeigt, dass die Arbeit sich gelohnt hat.“

(tv)
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