Aachen: Polizeipräsident will Alkoholverbot auf der Pontstraße

Aachen: Polizeipräsident will Alkoholverbot auf der Pontstraße

Alkoholverbot in der Pontstraße? Das klingt wie Oktoberfest mit Kräutertee oder geräuschloser Straßenkarneval, aber so will Klaus Oelze das nicht verstanden wissen.

Der Polizeipräsident denkt an ein räumlich wie zeitlich exakt eingegrenztes Konsum- und Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken rund um Aachens Partymeile.

Die droht bekanntlich zu einer großen Besäufnisanstalt zu verkommen, mit den üblichen Begleiterscheinungen. Übelst verschmutzte Hauseingänge, reichlich Krawall und nächtliche Randale notierte jüngst die Stadtverwaltung in einer Bestandsaufnahme für die Politik. Der Hauptausschuss sprach sich Anfang Juli dafür aus, dass die städtischen Ordnungskräfte gemeinsam mit der Polizei gegen die Auswüchse vorgehen.

Der Polizeipräsident ist dabei. „Zu einer Ordnungspartnerschaft sage ich Ja”, so Klaus Oelze, „aber sie soll formell und verbindlich sein.” Er erwartet, dass „eindeutige Rahmenbedingungen vertraglich geregelt” werden. Dabei ist es bislang keineswegs so, dass sich Polizei und Ordnungsamt über Kleingedrucktes in die Haare kriegen oder sich gegenseitig an ihren Teil der Abmachung erinnern müssten.

„Die Zusammenarbeit klappt gut”, sagt der Leitende Polizeidirektor Helmut Lennartz über die schon am Kaiserplatz praktizierte Ordnungspartnerschaft. Auch in anderen Bereichen gebe es einen fruchtbaren Austausch zwischen Vertretern beider Seiten, berichtet Klaus Oelze, „da geht es immer um die Frage, wie wir es gemeinsam schaffen.”

In Sachen Pontstraße erwartet der Polizeipräsident, dass „die rechtlichen Grundlagen in die Stadtsatzung eingearbeitet werden”. Dazu zählt für ihn ein Alkoholverbot „von zwei Seiten”: Sowohl den Konsumenten als auch den Verkäufern berauschender Getränke will Oelze etwa in späten Nachtstunden die Rote Karte zeigen. Dabei gehe es keinesfalls darum, das Kneipenviertel trockenzulegen. „Wir wollen nicht den Alkoholgenuss verbieten”, stellt Helmut Lennartz klar, „sondern nur die Spitzen abschlagen”.


Mit diesen „Spitzen” gemeint sind jene Auswüchse, die Anwohnern die Nachtruhe rauben und Passanten zu später Stunde um ihre Gesundheit fürchten lassen. An Kiosken verkaufter Alkohol trägt weiter zur Enthemmung jener Zeitgenossen bei, die eigentlich schon vor der letzten Runde in der nahen Kneipe genug hatten. Im Grunde würden mit dieser derzeit gängigen Praxis „die Gastronomen benachteiligt”, glaubt Oelze. Die müssten sich an Sperrstunden oder Auflagen beim Außenausschank halten, die für die anderen Verkaufsstellen nicht gelten würden.

Ihnen mit einem Alkoholverbot in die Parade zu fahren, dürfte ein kniffliges Unterfangen sein, meint der Polizeipräsident. „Juristisch ist das ein dickes Brett, aber man sollte es bohren.” Wenn es auf diese Weise gelingen sollte, die Schattenseiten der Pontstraße wieder aufzuhellen, wäre doch wohl allen gedient. „Das trägt zur Attraktivität des Viertels bei”, so Oelze. Die „seriöse Kundschaft” werde es sicher zu schätzen wissen, wenn sie nach einem gemütlichen Kneipenbummel ruhig und unbelästigt den Heimweg antreten könnte.

Allzu vielen Schutzmännern sollten sie auch dann nicht begegnen. „Polizeipräsenz ist sicher wichtig”, betont Helmut Lennartz, „aber es muss nicht an jeder Ecke ein Polizist stehen.” Das sei personell nicht zu stemmen, vor allem aber auch nicht wünschenswert.

Polizeipräsident Oelze will das Problem jedenfalls zügig angehen. Nach Gesprächen mit Oberbürgermeister Marcel Philipp hat er das Gefühl, „nah beieinander” zu sein. Nun gelte es, ein Konzept zu erarbeiten, um vor allem für das nächste Jahr eine Grundlage zu schaffen. Mit Beginn der Semesterferien geht die Saison draußen auf der Pontstraße langsam dem Ende entgegen. Aber die nächste kommt bestimmt.