Aachen: Polizei beendet Streit in der Notunterkunft

Aachen : Polizei beendet Streit in der Notunterkunft

Wie spannungsgeladen das Zusammenleben vieler Menschen auf engem Raum sein kann, hat sich Ende vergangener Woche in den beiden Flüchtlingsunterkünften Michaelsberg­straße und Körner-Kaserne gezeigt. Polizei und Stadt mussten massiv eingreifen, um einen Streit zu schlichten, der offenbar von einer größeren Gruppe junger Männer angezettelt worden war.

Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Auseinandersetzung dauern noch an.

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 10.09.2015 Flüchtlinge Körnerkaserne Aachen JOB : Kaserne 2.

Bereits in der Nacht zum Donnerstag waren die jungen Männer in der Turnhalle Michaelsbergstraße mit anderen Flüchtlingen in Streit geraten. Es sei dabei zu Prügeleien gekommen, die vor allem auch für die dort ebenfalls untergebrachten Kinder sehr bedrohlich gewesen seien. Die Stadt hat nach Angaben von Evelin Wölk vom Presseamt sehr schnell eingegriffen und die Rädelsführer, die als sehr aggressiv und provokant beschrieben werden, später in die Körner-Kaserne an der Lintert­straße verlegt, die ebenfalls als Notunterkunft des Landes hergerichtet wurde und in der ein Haus ausschließlich für männliche Flüchtlinge reserviert ist.

Friedlich blieb die Gruppe auch dort nicht. Am Freitag mussten gegen 17.30 Uhr etliche Streifenwagen zum Kasernengelände beordert werden, um dort einen Streit zwischen „mehreren Dutzend Beteiligten“ zu unterbinden. Genauere Zahlen kann die Polizei nicht mitteilen, ebensowenig kennt sie bislang den Grund für die Eskalation. „Die Befragungen laufen noch“, sagt Polizeisprecherin Petra Wienen. Ein politischer Hintergrund könne aber ausgeschlossen werden.

Allem Anschein nach sind dort arabische Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten aneinandergeraten. Dabei sei es lautstark zugegangen, immer wieder hätten einige Beteiligte rumgepöbelt und anderen Menschen mit Gewalt gedroht. Nach Angaben der Polizei sind am Freitag fünf Männer vorübergehend festgenommen worden, zudem wurden mehrere Platzverweise ausgesprochen. Inzwischen sind alle wieder auf freiem Fuß. Ein Teil der Störenfriede soll die Stadt in Richtung Dortmund verlassen haben.

Eine Auseinandersetzung mit einer solchen Vielzahl von Beteiligten habe es in den Aachener Flüchtlingsunterkünften bislang noch nicht gegeben, sagt Wölk. Kleinere Streitereien gebe es jedoch immer wieder mal. Die Polizei spricht von „kleinen Gesellschaften“, in denen es wie überall im Leben auch zu Konflikten zwischen den Bewohnern komme.

Vor allem in den dicht belegten Turnhallen sei die Situation zuweilen durchaus angespannt. Die Enge, das Nichtstun, die fehlende Privatsphäre und auch die nächtliche Unruhe belaste die Menschen. Problematisch sei es zudem, dass man oftmals nicht wisse, welche Menschen anreisen und ob möglicherweise Angehörige von Konfliktparteien zusammengelegt werden.

„Wir versuchen, immer die Augen offenzuhalten und frühzeitig zu erkennen, ob es brodelt“, sagt Evelin Wölk. Vor Ort eingesetzte Sozialarbeiter und Sicherheitskräfte würden stets frühzeitig versuchen, deeskalierend einzugreifen. Diesmal war man allerdings auf die Unterstützung der Polizei angewiesen.

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