Aachen: Politiker schützen den Innenstadthandel

Aachen: Politiker schützen den Innenstadthandel

Erwartungsgemäß haben sich die städtischen Planungspolitiker gegen eine Ausweitung der Verkaufsflächen auf dem Gelände des Hirsch-Centers im Aachener Osten ausgesprochen. In nichtöffentlicher Sitzung folgten CDU, SPD, Grüne und Linke damit der im Einzelhandelskonzept der Stadt vorgesehenen Linie, den Handel in der Innenstadt zu schützen und das Einkaufen auf der „grünen Wiese” einzuschränken.

Lediglich die FDP wollte dem Bau eines großen Elektromarktes den Segen geben.

Von einer grünen Wiese kann an der Breslauer Straße zwar längst keine Rede mehr sein, eine Schwächung der Innenstadt wäre aber aus Sicht der Politiker zwangsläufig die Folge gewesen, wenn man dem Wunsch der Düsseldorfer Hirsch-Holding gefolgt wäre. Denn die hat beantragt, auf dem Parkplatz am Hirsch-Center 3500 Quadratmeter Verkaufsfläche zu schaffen für einen Elektronikmarkt der Metro-Gruppe, zu der unter anderem Saturn und Mediamarkt gehören.

Hirsch erhofft sich davon neuen Schwung für das unter schwächelnder Besucherfrequenz leidende Verkaufscenter mit Edeka als Hauptmieter. Das Versprechen, rund 100 neue Arbeitsplätze zu schaffen, sollte die Politik freundlich stimmen. Doch die wollte sich mehrheitlich nicht mal durch die Ankündigung unter Druck setzen lassen, dass der Elektro-Anbieter ansonsten nach Eschweiler ausweiche.

So wird es dabei bleiben, dass Hirsch auf seinem Gelände lediglich bereits genehmigte 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche schaffen darf für sogenannte „innenstadtrelevante Ware” - also Ware, die Kundenströme vom Zentrum weg in die Industriegebiete locken könnte. Dazu zählen neben Textilien oder Spielwaren beispielsweise auch CD-Player, TV-Geräte und ähnliches.

Hätten sie einer Verdoppelung der Fläche zugestimmt, so die Sorge der Politiker, wäre das Aus für den Mediamarkt an der Franzstraße nur eine Frage der Zeit gewesen. „Das wollen wir nicht”, erklärte ein Planungspolitiker. Wenn man schon ein Einzelhandelskonzept erlasse, dürfe man an keiner Stelle einknicken.

Nach einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen gebe es in der Stadt für den Elektrobereich eine Kaufkraft in Höhe von rund 48 Millionen Euro. Mehr als ein Viertel dieser Summe hätte ein neuer Markt im Ostviertel abziehen können, so die Sorge. Die Hirsch-Gruppe sah hingegen genug Potenzial für einen weiteren Markt, für eine Stellungnahme war der Geschäftsführer am Freitag nicht erreichbar.

Erleichtert reagierten jedoch IHK und Einzelhandelsverband auf das Votum der Politiker. Beide Verbände haben bereits die Aachen-Arkaden skeptisch bewertet, weil die Befürchtung groß war, dass das Einkaufscenter den Umsätzen des innerstädtischen Handels schaden könnte. Im Gegensatz zum Hirsch-Center hätte in den Arkaden weitere Elektronik angeboten werden dürfen. Mangels Mietinteressenten wurde dort jedoch später eine Ausweitung des Textilangebots erlaubt.

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