Politiker auf dem Fahrrad: Ye-One Rhie im Verkehrsdschungel von Aachen

Verkehrspolitiker auf dem Fahrrad (2) : „Orientierungslos“ im Aachener Verkehrsdschungel

Politiker treten in die Pedale: SPD-Vertreterin Rhie mit uns auf dem Rad

Teil zwei unserer Serie „Wir setzen Verkehrspolitiker aufs Rad“: Ye-One Rhie, die mobilitätspolitische Sprecherin der Aachener SPD, erlebt schlechte Wegführungen und mangelhafte Beschilderungen für Radfahrer am eigenen Leib.

Mit der Sicherheit ist das für Radfahrer in Aachen ja bekanntlich so eine Sache. Kein Wunder also, dass auch die Damen und Herren Verkehrspolitiker bei diesem Thema mitunter zu einer leichten Verunsicherung neigen. „Am besten fahren Sie vor und ich fahre einfach nur hinterher“, will Ye-One Rhie vor dem ersten Tritt in die Pedale lieber mal auf Nummer sicher gehen. Dass das so nicht geht, akzeptiert die mobilitätspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Aachener Stadtrat dann aber doch ohne Murren.

Schließlich setzt unsere Zeitung Politikerinnen und Politiker auf den Sattel, damit diese ganz real den Alltag von Radfahrern in Aachen erleben und erfahren. Betreutes Fahren wäre da der falsche Ansatz. Stattdessen sollen sich die politischen Entscheider selbst einen Weg durch den städtischen Verkehrsdschungel schlagen, den sie ja zum Teil auch mitzuverantworten haben. Und deshalb fährt Ye-One Rhie vor.

Wo geht es hier in die Stadt?

Am Anfang ist das auch noch ein leichtes Unterfangen. Vom Startpunkt an der Velocity-Station an der Forkenbeckstraße auf dem Campus Melaten, wo Rhie arbeitet, geht es los in Richtung Klinikum. Der einfachste Weg in die Innenstadt wäre – das muss fairerweise gesagt werden – der Seffenter Weg. Doch da in den vergangenen Tagen viele Leserinnen und Leser insbesondere die Radverkehrsanlagen auf den Ausfallstraßen kritisiert haben, führt dieser Praxistest über die Vaalser Straße bis zum Klosterplatz in der City.

Doch diese muss man erst einmal finden, also als Radfahrer. In dem Kreisverkehr über dem Pariser Ring, der eigentlich ein Oval ist, fällt die Orientierung zum ersten Mal etwas schwerer, zumal die SPD-Politikerin den richtigen Weg nicht kennt, wie sie später einräumt. Ye-One Rhie fährt zwar nach eigenem Bekunden oft Fahrrad, aber eher in ihrem Wohnviertel und nicht zur Arbeit. Doch ist dies nicht der Hauptgrund, weshalb sich die gebürtige Aachenerin auf den folgenden Kilometern mitunter ein bisschen „orientierungslos“ fühlt im Aachener Verkehrsdschungel.

„An vielen Stellen führen eine unklare Wegführung und eine schlechte oder sogar fehlende Beschilderung dazu, dass Radfahrer verunsichert werden“, kritisiert die Sozialdemokratin. Auf der Vaalser Straße ist dies zum Beispiel im Bereich der Einmündung Amsterdamer Ring der Fall, wo Pedaltretern gleich verschiedene Radwege angeboten werden. Oder unten in der Linkskurve an der Schanz, wo man über Fußgängerübergänge und Bürgersteige kurvt. „Auf diese Verkehrsführung muss man erst einmal kommen“, sagt Rhie. Oder ein paar Meter weiter in Richtung Jakobstraße, wo der Radweg unter der Bahnbrücke abrupt endet und Radfahrer schlicht allein gelassen werden. „Das nehme ich mit von dieser Tour, dass wir die bestehenden Radverkehrsanlagen dringend verbessern müssen“, sagt Rhie – zumal dies ja auch mit vergleichsweise einfachen Mitteln möglich sei.

Dass dies nicht reicht, weiß die Verkehrspoltikern aber auch. „Wir sind uns im Ausschuss einig darüber, dass die Sicherheitslage für Radfahrer in Aachen überhaupt nicht befriedigend ist“, räumt Rhie ein. Und hadert zugleich ein bisschen mit dem ziemlich schlechten Image, dass die SPD in dieser Frage als Teil einer großen Koalition mit der CDU hat: „Wir werden ja immer wieder als Fahrradgegner beschimpft.“

Zu unrecht, findet Rhie. Man habe erkannt, dass man den begrenzten Platz in einer Stadt teilweise auch neu verteilen muss, um die Sicherheit für Radfahrer zu erhöhen. „Dabei muss man auch den Autofahrern wehtun“, sagt sie, „aber mit Augenmaß.“ Die geplanten Radvorrangrouten, die die Politik beschlossen hat, seien in dieser Hinsicht gar „ein Durchbruch“. Allerdings gibt es davon noch keine einzige, und der Weg zur Realisierung ist steinig. Es sei „frustrierend“, gibt die Verkehrspolitikerin zu, dass man „immer erst auf die Stawag warten“ müsse, ehe man ein Stück Radroute anpacken könne. Und oft habe man ja auch keinen finanziellen Spielraum.

Der Einwand, dass die Politik – und insbesondere die politische Mehrheit – doch das Heft des Handelns in der Hand habe, bringt Rhie dann etwas ins Grübeln. „Vielleicht sollten wir uns wirklich mal mehr trauen“, sagt sie, „und einfach mal mehr investieren.“ Die Radfahrer in Aachen würden die Umsetzung dieser politischen Idee begrüßen. Mit Sicherheit.

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