Politik will die Tram zurück nach Aachen holen

Von Baesweiler bis zum Aachener Bushof : Politik stellt erste Weichen für die Euregio-Tram

Über die Jahre gesehen ist es nun schon der dritte Vorstoß, die Verkehrsprobleme in Aachen mit Hilfe der Schiene zu lösen. Doch diesmal soll es auch gelingen und nicht wieder am Widerstand der Bevölkerung scheitern.

Mit diesem festen Vorsatz hat die Aachener SPD am Montag als erste Fraktion im Stadtrat einen Grundsatzbeschluss zur „Regio-Tram“ gefasst, die einen wesentlichen Beitrag „zur Lösung der Pendlerproblematik“ und zur Luftreinhaltung leisten könnte.

Damit nimmt das Thema weiter Fahrt auf, das auch in der CDU sowie bei den Grünen und Linken großen Anklang findet. Die „Regio-Tram“ soll in Zukunft die Euregiobahn ergänzen und vor allem auch Menschen aus Baesweiler, Alsdorf und Würselen auf der Schiene bis zum Bushof im Herzen der Innenstadt befördern.

Dafür wirbt seit längerem der ehemalige AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich, der inzwischen im Vorstand der Initiative Aachen aktiv ist und in dieser Eigenschaft die Menschen weiter für die Schiene begeistern will. Die Idee für einen Abzweig der Euregiobahn von Merzbrück aus über Würselen und Haaren zum Bushof gibt es bereits seit 2001. Damals wurde sie verworfen, weil sich niemand schwere Eisenbahnfahrzeuge auf der Jülicher Straße bis zum Bushof vorstellen wollte.

Flexibel und emissionsarm

Inzwischen sieht die Sache anders aus, wie Sistenich versichert. Heute gibt es hochmoderne und wendige Fahrzeuge, die „alle Hemmnisse von damals mit einem Schlag auflösen“, ist er überzeugt. Sie könnten selbst durch enge Straßen fahren, seien sehr flexibel und vor allem emissionsarm. Angetrieben werden sie nicht mit Diesel, sondern mit Strom.

So ist für ihn die „Regio-Tram“ auch die einzig richtige Antwort auf die Luftproblematik in der Stadt. Kein anderes Projekt hätte größere Effekte für den Luftreinhalteplan. Denn bedient würde eine der verkehrsreichsten Achsen in der gesamten Städteregion mit täglich rund 66.000 Pendlerbewegungen. „Wenn wir nur zehn Prozent auf die Tram holen könnten, hätte das schon große Effekte“, meint Sistenich.

Die Busse sind überfüllt

Schon heute sind die Zufahrtstraßen aus den Nordkreiskommunen in die Stadt zu Stoßzeiten dicht, die Busse sind vielfach überfüllt. Wie soll das erst werden, wenn etwa in Merzbrück ein neues Gewerbegebiet entsteht und außerhalb Aachens weitere Wohngebiete erschlossen und damit zusätzliche Pendlerbewegungen erzeugt werden? Diese Frage hat nicht nur Sistenich, sondern auch Fachleute aus der Verwaltung und in der Politik bewogen, die „Regio-Tram“ zügig auf die Tagesordnung zu setzen.

Doch natürlich steckt allen Politikern auch noch der niederschmetternde Bürgerentscheid gegen die Campusbahn vor fünf Jahren in den Knochen. Und schon Anfang der neunziger Jahre konnten CDU und FDP als Gegner einer Stadtbahn einen Wahlkampf für sich entscheiden. Entsprechend zurückhaltend und vorsichtig agieren die Befürworter diesmal im Umgang mit der „Tram“.

Und das war auch der Diskussion in der öffentlichen Fraktionssitzung der SPD am Montag in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt an der Joseph-von-Görres-Straße anzumerken. Ein ums andere mal betonte Fraktionschef Michael Servos, wie wichtig ihm die frühzeitige offene und transparente Diskussion und die Einbindung der Bürger ist. Bloß keine Grabenkämpfe aufkommen lassen, heißt die Devise.

Und so sieht es auch Sistenich, der keine „Phantomdiskussion“ über die Wiedereinführung einer Stadtbahn will. Stattdessen spricht er lieber von einem „Lückenschluss“ im Streckennetz der Euregiobahn. Die „Regio-Tram“ sei die passende Ergänzung, die zur Wiederbelebung einer etwa 25 Kilometer langen Strecke führen könne, deren Gleise oder Gleisbetten größtenteils noch vorhanden sind.

Bis zum ehemaligen Nordbahnhof

In Aachen würde sie von Haaren aus entlang des Grünen Wegs bis zum ehemaligen Nordbahnhof führen. Dort müsste dann der Schwenk zur Jülicher Straße und weiter über den Hansemannplatz bis zum Bushof geschaffen werden. „Wir sprechen über 600 sensible Meter“, sagt Sistenich. Aber eben diese „sensiblen“ Meter seien dringend notwendig, ist er überzeugt. „Die Tram muss ins Herz der Stadt gehen, alles andere ist Quatsch.“

Mit seinem Enthusiasmus hat Sistenich inzwischen nicht nur die Aachener SPD überzeugen können, deren Fraktion am Montag einstimmig dafür votierte, das Konzept weiterzuverfolgen, sondern auch CDU, Grüne und Linke als Befürworter gewinnen können. In der Städteregion gab es bereits Ende September den Auftrag an die Verwaltung, das Projekt „Regio-Tram“ weiterzubearbeiten.

In den Nordkreiskommunen sei der Druck besonders groß, erklärte Till von Hoegen, der als Beigeordneter der Stadt Würselen ebenfalls an der SPD-Diskussion teilnahm und sich vehement für die Weiterführung der vorhandenen Schienentrasse nach Aachen aussprach. Angst dürfe man vor dieser Diskussion trotz der Campusbahn-Erfahrungen nicht haben.

So stellten sich die Sozialdemokraten am Montag mehrfach die Frage: „Wie können wir die Menschen für die Tram begeistern?“ Man müsse zeigen, dass es einen Mehrwert für die gesamte Region gibt, heißt eine Antwort. Neben eines neuen Angebots für die staufreie Fortbewegung von A nach B gehört dazu auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Tram würde nur wenige Meter an den alten Talbot-Hallen vorbeifahren, wo die Wagen nicht nur gebaut, sondern auch gewartet werden könnten. „Das Know-how sitzt noch an der Jülicher Straße“, schwärmt Sistenich. Er könne daher nur empfehlen, jetzt schnell zu entscheiden.

Denn derzeit seien auch wegen der Diesel-Diskussion alle Fördertöpfe für alternative Verkehrskonzepte rappelvoll. „Wer jetzt nicht die Weichen stellt, wird später in die Röhre gucken.“

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