Skatepark in Aachen: Politik legt sich für die Skater ins Zeug

Skatepark in Aachen: Politik legt sich für die Skater ins Zeug

Nachdem bekannt geworden ist, dass die Skateranlage im Bürgerpark im Frankenberger Viertel nur noch bis Oktober betrieben werden darf, ist der erste Aachener Skateboardclub auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

Jetzt will die Politik helfen – und bespricht das Thema in mehreren Ausschüssen. „In letzter Zeit werfe ich praktisch jeden Tag einen Blick auf das städtische Ratsinformationssystem, das habe ich vorher noch nie gemacht“, sagt Tobias Kleinschmidt. Er ist Vorsitzender des ersten Aachener Skateboardclubs (ASC) und hat vor Kurzem die Bestätigung dafür bekommen, dass sein Antrag beim Aachener Bürgerforum eingegangen ist – der Antrag dafür, dass die Stadt dem als gemeinnützigen Verein eingetragenen ASC dabei helfen möge, eine neue Heimstätte zu finden. Denn die Skateranlage, die die jungen Vereinsmitglieder im Laufe der letzten vier Jahre in Eigenleistung im Bürgerpark aufgebaut haben, ist ab November dieses Jahres geschlossen, und zwar für immer.

Jetzt hat sich auch die Aachener Politik eingeschaltet, um den jungen Sportlern bei ihrem Problem zu helfen. Mathias Dopatka, Vorsitzender der Aachener SPD, hat sich nach dem ersten Bericht in unserer Zeitung beim Vereinsvorstand gemeldet und vorgeschlagen, vor Ort eine Begehung durchzuführen, um eventuell eine einfache Lösung zu finden. Auch die Partei Die Linke habe sich mit den Sportlern bereits in Verbindung gesetzt, erzählt Tobias Kleinschmidt. Und Jonas Paul, Ratsherr der Grünen, will das Thema auf die Tagesordnung des Sportausschusses setzen, dessen Vorsitzender er ist.

Thema in der Verwaltung

Die Stadtverwaltung, die ebenfalls daran interessiert ist, dem Verein zu helfen und die bald olympische Sportart Skaten in Aachen zu halten, wird das Thema in der kommenden Woche in mehreren Ausschüssen ansprechen, wenn auch zunächst nichtöffentlich. Neben dem Sportausschuss wird die Anlage dem Vernehmen nach auch im Kinder- und Jugendausschuss besprochen.

Selbst wenn der Skatepark im Bürgerpark in dieser Form nie hätte entstehen dürfen, zeigt man sich auch seitens der Verwaltung sehr beeindruckt von dem großen Engagement und der Einsatzbereitschaft, die die Sportler des Vereins bereits jetzt an den Tag gelegt haben. Zehn Mitglieder haben das Basismodul Übungsleiter C-Schein abgelegt, der ASC kooperiert mit mehreren Aachener Schulen und erteilt Skate-Unterricht im OGS-Betrieb der Grundschule Lousberg.

Außerdem war die Aachener Stadtverwaltung – zumindest in Teilen – nicht ganz unbeteiligt an der Entstehung des jetzigen Skateparks im Frankenberger Viertel. Bereits 2015 hatte man Kenntnis von ersten Bauaktivitäten durch die Vorgänger des heutigen Vereinsvorstands. 2016 zog die Stadt gar einen soliden Stabgitterzaun um das Gelände, bezahlt wurde dieser aus Spielplatzmitteln. Die Bauaktivitäten nach der Errichtung dieses Zauns gerieten dann aber offenbar, weil die Verantwortlichkeit für Spielplätze vom Fachbereich 45 (Kinder und Jugend) zum Fachbereich 36 (Umwelt) wechselte, ein wenig aus dem Fokus. 2018 gab es dann aus der Anwohnerschaft der benachbarten Turpinstraße offizielle Beschwerden wegen Lärms.

Interesse an einer Lösung

„Wir sind sehr daran interessiert, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den Anwohnern eine Lösung zu finden, mit der alle gut leben können“, sagt Tobias Kleinschmidt, der betont, wie konstruktiv die Gespräche stets verlaufen seien. Das gelte auch für das Mediationstreffen im Januar dieses Jahres, bei dem als Kompromiss erarbeitet wurde, dass die Skater die Anlage zumindest noch bis Oktober mittwochs und samstags nutzen dürfen. Auch die Anwohner seien bemüht, den Sportlern zu helfen. Auch in unserer Redaktion meldeten sich bereits Leserinnen und Leser, die Vorschläge unterbreiten wollten, wo man eine neue Skateanlage aufbauen könnte, ohne jemanden zu stören. Erste potentielle Standorte, die die Verwaltung sich näher anschauen möchte, soll es bereits geben.

„Wir haben fest vor, den Verein in unsere Sportausschuss-Sitzung im Juni einzuladen“, sagt Jonas Paul im Gespräch mit unserer Zeitung. „Denn auch wenn der Skatesport keine der klassischen Sportarten ist, so fühlen wir uns dennoch zuständig. Das soll auch ein Signal sein, dass wir diese Sportart in Aachen ernst nehmen und fördern möchten.“ Gerade, dass aus den Aktivitäten im Bürgerpark heraus ein so engagierter Verein entstanden sei, findet er bemerkenswert.

Wo auch immer eine neue Skateanlage in Aachen entstehen könnte: Der Verein hat mehrfach signalisiert, dass man gerne bereit sei, wieder von vorn zu beginnen. Mit dem Aufbau einer Anlage, die weit über Aachens Grenzen hinaus in der Szene Bekanntheit erlangt.

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