Aachen: Polen gewinnt Jugendkarlspreis mit Aufarbeitung eines NS-Lagers

Aachen: Polen gewinnt Jugendkarlspreis mit Aufarbeitung eines NS-Lagers

Die Jugend Europas hat am Dienstag den Krönungssaal im Aachener Rathaus erobert — zumindest für zwei Stunden, fröhlich, hoffnungsvoll, unternehmungslustig. Zum elften Mal wurde im Vorfeld des Internationalen Karlspreises der Europäische Karlspreis für die Jugend vergeben. 320 Projekte aus allen 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hatte die Jury zu beurteilen.

Alles war möglich, es musste nur zur Verständigung beitragen. Wie das die Akteure geschafft haben und wer das Rennen um die ersten drei Plätze gemacht hatte, fand Moderator Stefan Jahnke in temporeichen Kurzinterviews mit jungen Leuten aus allen beteiligten Ländern heraus. Das Publikum im voll besetzten Krönungssaal, in erster Reihe Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, und Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, staunte.

Zuvor warf Michael Jansen, Sprecher des Vorstandes der Stiftung Internationaler Karlspreis, einen Blick zurück auf die Erfolgsgeschichte der Auszeichnung, die junge Europäer in den Mittelpunkt rückt. „Wenn ich die Gestaltungskraft sehe, habe ich keine Angst um Europa“, betonte Jansen.

Als roter Faden zog sich das Motto „Europajugend“ durch die kurzweilige Veranstaltung mit gut gemachten, zum Teil witzigen, zum Teil nachdenklichen Videos, Poetry-Slam-Landesmeisterin Ella Anschein, die mit ihrem „Denk ich an Europa in der Nacht“ (frei nach Heinrich Heine) Gänsehautgefühl weckte, und den beruhigend-warmen Klängen des Saxofon-Quartetts „Aeternum“ der Musikhochschule Köln.

Als Laudator durfte Philipp die dritte Preisträgerin aus Malta, Farah Abdi — geboren in Somalia — mit ihrem Schicksal vorstellen. Hans-Gert Pöttering, 2007 bis 2009 Präsident des Europäischen Parlaments und Mitinitiator des Europäischen Karlspreises für die Jugend, betonte: „Die Entscheidung ist jedes Mal eine Herausforderung. Der Preis gehört zu den besten Beschlüssen des EU-Parlaments!“ Er sprach über „Juvenilia“ aus Italien, den zweiten Preis, und damit die Förderung europäischer Verständigung durch Musik.

Die Aachener CDU-Politikerin Sabine Verheyen, Sprecherin des Kultur- und Bildungsausschusses des EU-Parlaments, lüftete schließlich das gut gehütete Geheimnis um den ersten Platz: „Das Wichtigste ist, dass hier sehr konkret eine Gemeinschaft gebildet wurde“, betonte Sabine Verheyen hinsichtlich der Initiative aus Polen. „Sie sind Vorbilder für alle jungen Leute europaweit.“ Das Gemeinschaftsprojekt an der Neiße habe Brücken gebaut. Wichtig: Die Aufarbeitung von Zeitgeschichte wurde ergänzt durch Ferienaktivitäten wie Radtouren oder gemeinsame Grillabende. Kräftiger Applaus für alle, die sich zum Schluss auf der Bühne ihre Karlspreismedaille abholen durften.

(dpa)
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