Plakat macht auf Wohngebiet Schönauer Friede in Richterich aufmerksam

Banner über der Kohlscheider Straße : Anwohner klagen über „unerträgliche Belastung“ durch Straßenlärm

Eine lachende Sonne mit der Aufforderung „Freiwillig 50“ prangt auf einem Banner, das Anwohner des Richtericher Wohngebiets Schönauer Friede an „ihrer“ Fußgängerbrücke über der Kohlscheider Straße angebracht haben. So werben sie nun um Verständnis und hoffen, dass die Autofahrer Rücksicht nehmen.

Tempo 70 gilt an dieser Stelle offiziell, aber nur die wenigsten halten sich daran. Das meint zumindest Georg Schöpping. Seit etlichen Jahren schon kämpft er mit seinen Nachbarn um einen wirksamen Lärmschutz für das Wohngebiet. Vergebens. „Wir können nachts kein Fenster öffnen, und im Garten können wir im Sommer auch nicht sitzen“, sagt er. Als er vor 23 Jahren begann, sein Häuschen im neuen Wohngebiet Schönauer Friede in Richterich zu bauen, ahnte er nicht, was das wirklich bedeutet.

„Wir waren damals einfach nur froh, ein Grundstück gefunden zu haben“, sagt er. Doch als dann alles fertig war, da wurden er und seine Nachbarn sich erst gewahr, wie störend der Lärm ist, der von der Kohlscheider Straße bis zu ihren Häusern dringt. „Und im Laufe der vielen Jahre wurde die Belastung nicht gerade weniger“, meint er. Der Lärm ist in der Tat beträchtlich. „Besonders schlimm ist es, wenn Motorräder so richtig aufdrehen“, erzählt Schöpping. Und dass praktisch niemand die Geschwindigkeitsbegrenzung beachte, mache die Sache auch nicht besser.

Gemeinsam mit seinen Nachbarn wandte er sich immer wieder an die Verwaltung und an die Richtericher Bezirksvertretung mit der Bitte, etwas gegen diese „unerträgliche Belastung“ zu tun. Bezirksvertreter Horst Werner (SPD) hörte zu und setzte sich immer wieder für das Anliegen der verzweifelten Bürger ein. Doch die Verwaltung kam zu dem Schluss: „Die Lärmbelastung liegt im Normbereich von 60 Dezibel, die bereits vorhandene Lärmschutzwand erfüllt ihren Zweck, es gibt keinerlei Handlungsbedarf.“ Die Anwohner haben laut Horst Werner inzwischen nahezu resigniert. Er ist gemeinsam mit Bezirksvertreter Ralf Dautzenberg (SPD) vor Ort, um die verärgerten Bürger zumindest durch ihre Anwesenheit zu unterstützen.

„Kein Wunder, dass die Leute immer politikverdrossener werden“, kommentiert Ralf Dautzenberg. Auch er hat Verständnis für den Ärger der lärmgeplagten Nachbarn, die bislang trotz all ihrer Proteste und Eingaben so gar nichts erreicht haben. Das Banner ist quasi eine „Verzweiflungstat“. Die Nachbarn ließen es aus einer LKW-Plane anfertigen und mit Metallösen versehen, damit es der Witterung standhält und möglichst lange an der Brücke hängt. „Wohngebiet – Lärmschutz“ steht dort für die Autofahrer gut sichtbar geschrieben. Dann sind da noch Häuser skizziert mit verzweifelten Anwohnern: Und natürlich die Sonne und die Bitte, vom Gas zu gehen: „Freiwillig 50.“

Dabei hat sich die Situation inzwischen ein bisschen verändert. Zum einen habe die „Lärmkarte 2017“ gezeigt, dass die Lärmbelastung bei 70 Dezibel liegt, und nicht wie immer angegeben bei 60 Dezibel, sagt Horst Werner. Außerdem wurde der entsprechende Streckenabschnitt auf der Kohlscheider Straße inzwischen von der Polizei als Gefahrenstelle eingestuft. Nach deren Einschätzung wird die Geschwindigkeitsbegrenzung dort tatsächlich nicht eingehalten. Eine Radarfalle soll also dafür sorgen, dass an dieser Stelle langsamer gefahren wird, und das wäre dann eben ganz nebenbei auch eine wirksame Maßnahme zum Lärmschutz.

Und auch wenn das doch eigentlich gute Nachrichten sind, tröstet es die lärmgeplagten Nachbarn nicht wirklich. „Wir haben unsere erste Eingabe vor 23 Jahren gemacht“, sagt Georg Schöpping. Inzwischen glaube eigentlich niemand mehr daran, dass sich etwas ändern wird. Und die Radaranlage stehe schließlich noch nicht. „Wer weiß schon, wann sie kommt, und ob sie überhaupt kommt“, meinen die Nachbarn. In der Zwischenzeit vertrauen sie lieber auf ihr Banner und auf das Verständnis der Autofahrer. Denn die wüssten ja vermutlich gar nicht, dass sich hinter dem vielen Grün ein Wohngebiet verberge.

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