Aachen: Pilomaten sind Gegenstand der Diskussion in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte

Aachen : Pilomaten sind Gegenstand der Diskussion in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte

Wer an der Ecke Jakobstraße-Judengasse auf die Metallscheiben der beiden in die Erde versenkten Terrorpoller guckt, steht vor hundert und mehr Fragen. Können die „Pilomaten“ genannten Dinger wirklich Terrorattacken per Lkw blocken? Was nutzen sie allein hier, wenn die gesamte Innenstadt an sonnigen Sommertagen ein einziges Open-Air-Café ist, in dem Tausende den Tag genießen?

Solche Fragen treiben auch die Fraktionen von CDU und SPD in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte um. Sie forderten für die jüngste Sitzung einen Sachstandsbericht zum Pilomaten-Einsatz. Die Verwaltung möge ihr Sicherheitskonzept vorstellen.

Es sei zu beobachten gewesen, schreiben die Fraktionssprecher Ralf Otten (CDU) und Patrick Deloie (SPD), „dass lediglich zu Zeiten des Weihnachtsmarktes die bislang vorhandenen Poller in Funktion gebracht wurden“. Weder zum Karlsfest noch zum Handwerkermarkt oder zu anderen Feierlichkeiten seien sie eingesetzt worden. Und an schönen Tagen seien auf dem Markt rund 1000 Außengastronomieplätze besetzt. „Die Poller sind gerade dafür angeschafft worden, hier das Vordringen mit schweren Fahrzeugen zu verhindern“, wundern sich Otten und Deloie.

Zum Karlspreis eingefahren

Selbst zum Karlspreis blieben die Anti-Terror-Pfosten in ihren Erdlöchern. Warum? Irritiert durch Presseberichte, wonach die Poller zum Karlspreis „wieder einsatzfähig“ seien, schlussfolgern die Politiker, dass die Pilomaten vorher also nicht funktioniert hätten. Seien seitens der Verwaltung Gewährleistungsrechte gegenüber den Herstellern geltend gemacht worden?

In der Bezirksvertretung legten Otten und Deloie nach. Ein Handlungskonzept für den Markt wie etwa für den Tivoli müsse her für Veranstaltungen ab einer bestimmten Größe. Ein Konzept, aus dem hervorgehe, ob und wie die Pilomaten eingesetzt werden. Wer könne sie „wann und wie“ absenken? Wie lange dauere das? Wie häufig seien sie bisher eingesetzt worden?

Freilich liegt es in der Natur der Sache, dass ein Anti-Terror-Konzept nicht auf dem Markt in aller Öffentlichkeit diskutiert werden kann, also auch nicht in öffentlicher Sitzung der Bezirksvertretung Aachen-Mitte. Weshalb sich Detlef Fröhlke, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Ordnung, denn auch um einen behutsam-vorsichtigen Bericht bemühte.

Weitere Standorte

„Zur Sicherung des Pfalzbezirks“, erläuterte Fröhlke, seien neben dem bestehenden Standort Jakob-straße-Judengasse drei weitere Pilomaten-Standorte geplant: Markt-Büchel/Rethelstraße; Markt-Großkölnstraße; Ursulinerstraße-Buchkremerstraße. Die Standorte seien „als umsetzbar, sinnvoll, verhältnismäßig und letztlich tatsächlich effektiv zu bewerten“. Markt-Büchel werde bis zum 13. Juli realisiert, Markt-Großkölnstraße vom 1. Oktober bis zum 10. November des Jahres. Die Kosten für die Maßnahmen seien zwischenzeitlich von 300.000 auf 450.000 Euro gestiegen.

Zu der immer wieder hinterfragten Funktionstüchtigkeit der Pilomaten Jakobstraße-Judengasse versicherte Fröhlich, selbst bei großer „Aufpralllast“ komme da „kein Pkw, geschweige denn ein Lkw durch“. Drei Gruppen — Polizei, Feuerwehr und Ordnungsdienst — seien befugt, die Poller per Schlüssel, Handy oder Transponder zu bedienen. Sechs Sekunden dauere es, sie herunterzufahren.

Die Frage, wann bei den völlig unterschiedlichen Veranstaltungen auf dem Markt die Terrorpoller hochgefahren und damit ihre Sperrfunktion erfüllen würden, werde „von den zuständigen Sicherheitsbehörden und -institutionen im Vorfeld der jeweiligen Veranstaltungen“ entschieden. So seien beim Karlspreis die Pilomaten an der Jakobstraße-Judengasse auf Bitten der französischen und deutschen „Sicherheitschefs“ nicht eingesetzt worden.

Derzeit werde geprüft, ob der Markt außerhalb der Ladezeiten generell zu sperren wäre. „Wenn alle Pilomaten eingebaut sind, werden wir uns damit noch einmal beschäftigen müssen“, sagte Detlef Fröhlke.

Die Bezirksvertretung Aachen-Mitte nahm Fröhlkes Bericht „zustimmend zur Kenntnis“.

(cz)