Pianist Lorenzo Soulès brillierte in der Aachener Musikhochschule

Konzert : Abseits der ausgetretenen Pfade

Er steht mit seinen 26 Jahren noch am Beginn seiner Karriere, ist aber bereits viel in der Welt herumgekommen und hat etliche bedeutende Preise gewonnen: der französische Pianist Lorenzo Soulès, der jetzt seine künstlerische Visitenkarte in der Klavierreihe Aix-Piano im Konzertsaal der Aachener Musikhochschule abgab.

Dass er sich seinen letzten Schliff zur Zeit bei Pierre-Laurent Aimard an der Musikhochschule Köln holt, war seinem exquisiten Programm anzumerken, das ganz auf der Linie seines Mentors liegt: Komponistennamen wie Claude Debussy, Isaak Albéniz und Olivier Messiaen erlebt man nun wirklich höchst selten vereint in einem Programm.

Und so lässt diese Zusammenstellung einen Blick auf die künstlerische Haltung des jungen Mannes zu: Er meidet offenbar die allzu ausgetretenen Pfade des Repertoires. Das Kolorit von Spanien bestimmte den ersten Programmteil: Mit Debussys „La puerta del vino“ aus dem zweiten Band der Préludes und vier Sätzen aus dem Klavierzyklus „Iberia“ von Albéniz wurde spanisches, vor allem andalusisches Fluidum lebendig, bei Debussy mit Spanien als Sehnsuchtsland, bei Albéniz als Hommage an seine Heimat. Und Soulès bietet ein wahres Feuerwerk an intensiven Farben. Debussy, dessen „Feuilles mortes“ den Abend eröffnet hatten, spielt er höchst differenziert und feinnervig, den kräftigeren folkloristischen Anstrich in Melodik und Harmonik bei Albéniz mit ungeheurer Virtuosität und Brillanz. Er hat die „Iberia“ mit der großen spanischen Pianistin Alicia de Larocha erarbeitet. Nicht zuletzt deshalb wirkt diese Interpretation so authentisch und mitreißend. Wer die vier von Albéniz portraitierten andalusischen Städte kennt, den packt beim Hören unmittelbar die Sehnsucht danach. Im zweiten Teil dann fünf Sätze aus den „Vingt Regards sur l'Enfant-Jésus“ von Messiaen, diesem tiefgläubigen, die Transzendenz in seinen Werken einfangenden Komponisten.

Das ist keine leicht zugängliche Musik, die eruptive Ausbrüche unmittelbar neben klanglich intime Passagen und längere melodische Bögen stellt. Der Bezug zu den Titeln der einzelnen „Blicke auf das Jesuskind“ ist schwer herzustellen. Dennoch bewahrt sich diese Musik bei aller Sprödigkeit immer eine gewisse Klangsinnlichkeit, zumal wenn sie so intensiv, so vital und doch klanglich so differenziert dargeboten wird wie von Lorenzo Soulès.

Bei allen dynamischen Extremen wird der Klang des großen Flügels nie überstrapaziert, die stärksten Fortissimi wirken immer kontrolliert. Und Soulès ist ein souveräner Gestalter dieser überaus sperrigen Materie. Kein Wunder, dass der Beifall am Ende so enthusiastisch war, dass sich der junge Pianist zur Zugabe von zwei weiteren Sätzen aus der „Iberia“ von Albéniz bewegen ließ.