Aachen: „Pferdeschwanz“ zeichnet Reitsportexperte Carsten Sostmeier aus

Aachen : „Pferdeschwanz“ zeichnet Reitsportexperte Carsten Sostmeier aus

Die Gemeinschaft der Starter-, Ziel- und Hindernisrichter „Der Pferdeschwanz“ ist, man darf das hier etwas salopp formulieren, eine aufrechte Truppe. Nicht nur auf dem Turnierplatz in der Soers sind die Richter bei der Frage, welcher Reiter an welchem Hindernis patzt oder um wie viele Sekunden die Zeit überschritten wurde, der Wahrheit verpflichtet.

Nein, auch im normalen Leben mögen es die Herren offensichtlich gerne ehrlich. Als der ARD-Reitsportexperte Carsten Sostmeier (58) am Mittwochabend im Schützenheim der Soerser Schützen von der Gemeinschaft mit dem „Stammtischabzeichen am Bande“ und der damit verbundenen Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet wurde, war der Präsident Dieter Herff jedenfalls weit entfernt davon, die Kritik, die es nach verbalen Entgleisungen Sostmeiers während seiner Live-Reportagen bei den Olympischen Spielen 2016 gegeben hatte, unerwähnt zu lassen.

„Carsten Sostmeier ist die Stimme des deutschen Reitsports und wegen seiner Emotionen und blumigen Sprüche Kult. Sostmeiers Spitzname lautet nicht von ungefähr „Sosti on fire“. Aber er ist nicht unumstritten. Zweimal hat seine lose Art der Wortwahl zu Kritik geführt. Die Geschichten kennen wir alle und sie werden hier nicht weiter ausgeführt. Sie gehören aber dazu und erwähnt sind sie jetzt“, sagte Präsident Herff. So etwas nennt man wohl ehrlich.

Der Geehrte selbst versuchte in seiner Dankesrede erst gar nicht, das heikle Thema zu umschiffen und übermittelte auf sympathische Art und Weise die Botschaft, dass er sich der Sache bewusst sei und sie fortan zu seinem Leben dazu gehöre. „Das bin ich“, sagte Sostmeier.

Den obligatorischen Schluck aus dem Silberkrug meisterte der Geehrte fehlerfrei und mit Bestnote, allerdings verriet er, dass er den Korn, der normalerweise das Gefäß füllt, gegen Bier getauscht habe. Sostmeier hob in seiner Rede die Bedeutung hervor, die Aachen für ihn persönlich habe. „Das Besondere an Aachen ist nach wie vor, dass hier die Besten reiten“, sagte der 58-Jährige und nannte die Soers den „Vatikan des Reitsports“. Noch heute betrete er vor jedem CHIO das menschenleere Dressurviereck, stelle sich in dessen Mitte, schließe die Augen und denke an das menschenvolle Stadion am nächsten Tag. Ein Ritual, das Sostmeier pflegt, wie die besten Reiter ihre Toppferde.

Und wo wir schon bei den Ritualen sind: Natürlich gab es den obligatorischen Rheinischen Sauerbraten. Und den genoss auch die versammelte Prominenz, unter anderem der Bundestrainer der deutschen Springreiter, Otto Becker, Springreiterin Janne Friederike Meyer-Zimmermann, ALRV-Vorstandsvorsitzender Frank Kemperman sowie mehrere Mitglieder des ALRV-Aufsichtsrates. ALRV-Präsident Carl Meulenbergh, der der Gesellschaft zu später Stunde noch die Ehre erwies, lehnte den Sauerbraten dankend ab. Der Turniertag war lang. Und zu Essen hatte es reichlich gegeben.

Ausgezeichnet für seine 40-jährige Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Starter-, Ziel- und Hindernisrichter wurde Bartel Pütz-Gossen. Und für ihre 30-jährige Zugehörigkeit zeichnete Präsident Herff die Kollegen Erich Lantin und Josef Drießen aus.

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