Aachen: Pfarrer Fuchs ist stets auf Achse

Aachen: Pfarrer Fuchs ist stets auf Achse

Das ist schon Tradition auf dem Osterbend. Am Ostermontag wird die Messe gefeiert. Auch in diesem Jahr! Martin Fuchs, ein gestandener Bayer, zelebriert ab 10.30 Uhr im Festzelt Fiebus den Gottesdienst.

„Eine normale Eucharistiefeier, kein Hochamt. Das würde zu lange dauern”, weiß der 50-jährige Priester. Fuchs, Deutschland-Chef mit dem Titel eines Pfarrers der Circus- und Schaustellerseelsorge (CSS) der katholischen Kirche, ist ständig auf Achse. 90.000 Kilometer reißt er allein mit seinem Ford Mondeo im Jahr ab. „Dazu kommen ungezählte Bahn- und Flugkilometer”, erzählt er griemelnd. Im Bistum Eichstätt ist Fuchs beheimatet, dort, in Neumarkt in der Oberpfalz, hat er auch eine Wohnung. Die aber steht meistens leer. Weil er eben stets in Sachen Messen, Taufen, Firmungen und Eheschließungen unterwegs ist. „Meine Sakristei habe ich im Kofferraum”, sagt der Priester lachend. Für die Ostergottesdienste wählt er stets ein österlich weißes Messgewand. „Vorne ist das Siegel der CSS gestickt”, erklärt er. „Ein Zirkuszelt, darüber ein Kreuz, davor ein springender Schimmel.”

Am Ostermontag hat der stimmgewaltige Gottesmann auf dem Bend wieder eine Menge zu tun. „Während der Messe, nach dem Evangelium, werde ich ein Kind taufen.” Die Eltern dieses Kindes, der vier Monate alten Miley, sind schon entsprechend aufgeregt. Frank und Jessica Roos haben bereits alles vorbereitet. „Es ist doch total schön, an Ostern getauft zu werden”, sagt der stolze Papa.

Den ungewöhnlichen Namen der kleinen Tochter haben die beiden „älteren” Schwestern, die zehnjährige Marilyn und die neunjährige Jil aussuchen dürfen. Die beiden schwärmen von Miley Cyrus, der Hauptdarstellerin in der Jugendkult-TV-Serie Hannah Montana.

Da gab´s kein Vertun mehr, das kleine Schwesterchen musste nach dem US-Star benannt werden. Der kleine Täufling kann durchaus stolz auf seinen Namen sein. Er stammt aus dem Alt-Persischen und bedeutet die „Wundervollbringende”.

Nach dem Ostergottesdienst werden die Schausteller mit dem Pfarrer in einer kleinen Prozession zum Kiddy-Coaster „Willy der Wurm” ziehen. Das ist das nagelneue Fahrgeschäft von Frank Roos. Eine Kinderachterbahn mit einer Front von 22 Metern und 20 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Und die muss natürlich mit Gottes Segen fahren. Deshalb wird Pfarrer Fuchs mit Weihwasser nicht sparen. Der stolze Vater und Schausteller Roos: „Wir haben also am Ostermontag zwei Taufen auf dem Bend.” Nachher geht´s übrigens zum gemeinsamen Frühstück ins Fiebus´sche Festzelt.

Das erste Mal war der Schaustellerseelsorger vor fünf Jahren in Aachen. „Da habe ich gefirmt”, das darf er auch. Denn für einen Kandidaten würde wohl kaum ein Bischof kommen.

Köln und Dortmund

Pfarrer Fuchs wird am Nachmittag wieder auf Achse sein. Ihn zieht´s nach Dortmund, dort wird er am Dienstag nach dem Osterfest seinen geistlichen Pflichten nachkommen. „Ostersonntag bin ich traditionell auf der Osterkirmes in Köln-Deutz.” In der Domstadt rollen die Karussells direkt am rechten Rheinufer, beim Riesenrad fahren hat der Kirmesjeck das Gefühl, direkt über dem großen Strom zu schweben.

„Schausteller haben kaum Gelegenheit, Gottesdienste zu besuchen”, weiß Fuchs. Ständig irgendwo anders, fehlt ihnen auch der Bezug zu einer Pfarrgemeinde. „Schausteller und Zirkusleute stehen aber besonders treu zur Kirche”, hat der Gottesmann in seiner Laufbahn erfahren. Und sind in der Mehrheit katholisch. „Rund 60 Prozent, schätze ich. Bei den Zirkusleuten ist der Katholiken-Anteil wegen der vielen Südeuropäer noch höher.” Fuchs macht aber nicht jede Tradition mit. Er hat keinen Wohnwagen. „Wenn ich übernachten muss, dann im Hotel”, bekräftigt der Pfarrer, dessen Amtssitz in Bonn ist.

Mehr von Aachener Nachrichten