Wenn der Tod mit durch den Alltag geht: Pfarre Franziska von Aachen startet das Kindertrauerprojekt „diesseits“

Wenn der Tod mit durch den Alltag geht : Pfarre Franziska von Aachen startet das Kindertrauerprojekt „diesseits“

Im Kindertrauerprojekt „diesseits“ gibt es ab September ein neues Gruppenangebot. Eingeladen sind Schulkinder bis zwölf Jahre.

Plötzlich ist nichts mehr, wie es war: Wenn die Mutter stirbt, der Vater oder ein Kind, dann verliert eine ganze Familie den Boden unter den Füßen. Auch Kinder, die um einen geliebten Menschen trauern, sollen mit ihrem Schmerz nicht alleine gelassen werden. Das Kindertrauerprojekt „diesseits“ der Aachener Innenstadtpfarre Franziska von Aachen gestaltet bereits seit neun Jahren Angebote für Kinder in Trauer. Am 4. September startet ein neues Gruppenangebot. Bereits am Mittwoch, 3. Juli, gibt es dazu einen Infoabend für interessierte Eltern.

Erstmals seit Jahren wird das Trauerangebot wieder als offene Gruppe angeboten. „Wir tun das den Familien zuliebe“, erläutert die Projektleiterin, Gemeindereferentin Maria Pirch, „so können wir besser auf Anfragen reagieren.“ In der Vergangenheit mussten Kinder unter Umständen eine ganze Zeit warten, bis eine neue Gruppe an den Start ging. Künftig gibt es jeden Monat ein Treffen, und der Einstieg ist grundsätzlich auch in die laufende Gruppe möglich.

Gestaltet wird die neue Trauergruppe von Maria Pirch und zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. Die Kinder haben bei den Treffen Gelegenheit zu erzählen, was ihnen auf der Seele liegt. Trauernde Kinder kämpfen oft mit großen Verlustängsten, können vielleicht nicht schlafen oder suchen womöglich sogar bei sich selbst die Schuld für das, was passiert ist. „Alle kommen mit ihrem Päckchen bei uns an“, sagt Pirch. „Sie sprechen meist sehr offen darüber, und die Kinder geben sich auch gegenseitig Tipps.“ Natürlich dürfe geweint werden in der Gruppe, „aber es wird auch viel gelacht.“ Und jedes Treffen endet mit einem optimistischen Impuls, nämlich mit der Frage: „Was habe ich noch Schönes vor?“ „Und den Kindern fällt da sofort was ein“, sagt die Trauerbegleiterin.

Maria Pirch, Trauerbegleiterin der Pfarre Franziska von Aachen, leitet das Trauerprojekt für Kinder. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Auch „Trauerhund“ Lea wird in der Runde dabeisitzen. Die Golden Retriever-Hündin, übrigens ein ausgebildeter Therapiebegleithund, hat ein feines Gespür für besonders traurige Kinder. Für Kinder, denen das Sprechen über Gefühle schwerfällt, gibt es neben der Gruppenarbeit auch die Möglichkeit der tiergestützten Kindertrauerarbeit mit Pferd oder Hund.

Auch die Eltern sind eingeladen. Sie können sich in einem Nebenraum, ebenfalls unter Anleitung, über die Trauersituation in der Familie austauschen. Nach einem schlimmen Verlust fänden die Hinterbliebenen es häufig schwer, sich auch nur für kurze Zeit zu trennen, beobachtet Maria Pirch immer wieder. „Sind Mutter oder Vater während der Gruppenstunde im Nebenraum, dann ist das beruhigend für beide Seiten.“

Das Bewusstsein für die Bedürfnisse trauernder Kinder sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, stellt die Trauerbegleiterin fest. Sie merkt das an Anfragen von Schulen und Kindertagesstätten, aber auch von Nachbarn und Freunden. Eigens für den Einsatz in Kitas und Schulen bietet das Trauerprojekt auch Fortbildungen an und stellte spezielle Materialkoffer für die Trauerwegbegleitung zur Verfügung, die gegen eine kleine Gebühr ausgeliehen werden können.

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