Aachen: Pfaffenturm für 250.000 Euro fit gemacht für die Zukunft

Aachen: Pfaffenturm für 250.000 Euro fit gemacht für die Zukunft

Nach aufwendiger Sanierung erstrahlt der Aachener Pfaffenturm wieder in neuem Glanz. Knapp ein Jahr haben die Arbeiten gedauert, durch die einer der wenigen unversehrt erhaltenen Türme der Aachener Stadtmauer gesichert wird. Die Kosten hat ein Mitglied der katholischen Studentenverbindung Ripuaria getragen, die den historischen Turm an der Junkerstraße seit 1958 nutzt.

Rund 250 000 Euro hat der Manager und Ripuaria-Bundesbruder Wolfgang Dondorf für die Sanierung des Turms und angrenzender Räume der Verbindung bereitgestellt. „Die Stadt kann uns dankbar sein“, meint Leo Gibbels. Schließlich kassiere sie regelmäßig Miete und muss nun dennoch keinen Cent für die Sanierung aufbringen.

Als Verfasser mehrerer Festschriften der im Jahr 1912 gegründeten Verbindung kennt der „alte Herr“ Gibbels die Geschichte des Pfaffenturms wie kaum ein anderer. Als Teil der äußeren Stadtmauer ist der Turm im Jahr 1444 fertiggestellt worden. Von den insgesamt einst 22 Türmen stehen heute neben dem Pfaffenturm nur noch der benachbarte Lange Turm, der Lavenstein Turm am Boxgraben, der Marienturm an der Ludwigsallee und der Adalbertsturm am Kaiserplatz.

Gleich neben dem Pfaffenturm floss einst offen der Johannisbach, der schon in Römerzeiten als Abwasserrinne genutzt worden sein soll. Weil der Bach offenbar einer stinkenden Kloake gleichkam, wurde er im 15. Jahrhundert auch Suylisbach — und der Turm entsprechend Suylisturm genannt. Erst nachdem das Münsterstift sich verpflichtet hatte, die Wachen des Turms auszurüsten und zu verpflegen, erhielt er den Namen Pfaffenturm.

Dem Abriss ist er entgangen, weil sein Keller lange Zeit auch zur Lagerung von Eis gedient hat. Die Weltkriege hat er ebenfalls unbeschadet überstanden, und so konnte er 1958 der katholischen Verbindung Ripuaria als Heimstätte angeboten werden. Der Zustand sei damals katastrophal gewesen, erinnert sich Gibbels. Der Keller sei mannshoch zugemüllt gewesen. Wände und Decken mussten gesandstrahlt und von Dreck befreit werden. Ein Festsaal und Studentenunterkünfte wurden noch angebaut.

Jetzt war es also Zeit für eine neuerliche Grundsanierung. Der Beschluss wurde im Jubiläumsjahr 2012 — 100 Jahre nach der Gründung von Ripuaria — gefasst. Wie umfassend die Arbeiten sein würden, war zunächst kaum zu überblicken. Efeu hatte die schlimmsten Schäden überwuchert.

Teils habe man ganze Mauerstücke einfach rausnehmen können, berichtet Robert Siegers, der die Bauleitung übernommen hat. Eigentlich befasst sich seine Eschweiler Firma eher mit Innenarchitektur, sagt er. Doch die Sanierung dieses historischen Bauwerks sei eine interessante Herausforderung gewesen.

Die Feuchtigkeit musste raus. Das Mauerwerk wurde komplett neu verfugt. Dem 8,60 Meter hohen Turm wurde ein neues Dach aufgesetzt, das nun von einem Schieferband gekrönt ist. Und weil man einmal dabei war, wurden auch die Elektroinstallationen erneuert und nebenan der Festsaal, die vier Studentenwohnungen und die Gemeinschaftsküche grundsaniert.

Dass der Pfaffenturm ab sofort in neuem Glanz erstrahlt, kann durchaus wörtlich genommen werden: Im Boden frisch eingelassene Strahler rücken ihn nun auch bei Dunkelheit ins rechte Licht.

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