Aachen: Personalnot in den Kitas: Verdi schlägt Alarm

Aachen : Personalnot in den Kitas: Verdi schlägt Alarm

Der Stadt Aachen gehen die Erzieherinnen aus. Der sich seit Jahren abzeichnende Personalmangel in den städtischen Kindertagesstätten (Kitas) und Offenen Ganztagsschulen (OGS) nimmt offenbar immer dramatischere Formen an.

In einem fünfseitigen Schreiben an den Oberbürgermeister schlägt jetzt die Gewerkschaft Verdi Alarm und fordert schnelle Notmaßnahmen. In manchen Einrichtungen seien die Ausfälle teils so gravierend, dass sogar Schließungen erwogen werden müssten.

„Die Personallücke wird immer größer und die Arbeitsbelastung für alle Beschäftigten nimmt zu“, heißt es in dem Verdi-Schreiben, das inzwischen auch den Spitzen der Politik zugeleitet wurde. „In einzelnen Kitas ist die Situation so zugespitzt, dass das System kurz vor dem Kollaps steht.“ Grund seien nicht nur Ausfälle wegen Krankheiten, sondern auch die vielen unbesetzten Stellen, die offenbar nicht mehr ausreichend mit qualifiziertem Personal besetzt werden können.

Mit Bangen blicken viele Erzieherinnen schon jetzt der bevorstehenden Grippesaison entgegen, die die Lage in den Kitas weiter verschärfen könnte. Nach Einschätzung von Verdi würden viele Beschäftigte an ihre Belastungsgrenze und „oft auch darüber hinaus gehen“.

Laut Verdi-Sekretär Mathias Dopatka könnten in einigen Einrichtungen nur noch mit Ach und Krach die gesetzlichen Mindestanforderungen eingehalten werden. Jüngst habe es eine viergruppige Einrichtung getroffen, in der von den eigentlich eingeplanten zwölf Beschäftigten nur noch vier die Stellung halten konnten.

Aus Sicht des städtischen Personaldezernenten Markus Kremer sind das allerdings absolute Einzelfälle. Er will daher auch nicht von einem drohenden „Kollaps des Systems“ sprechen, sondern allenfalls von einer „angespannten Situation“. Seinen Worten zufolge sind derzeit 34 der 703 Vollzeitstellen in den 56 städtischen Kitas. Hinzu kommen die Ausfälle durch Krankheiten. Rein zahlenmäßig sei dies nicht mal besonders auffällig.

Aber er weiß, dass die Kinderbetreuung wie etwa auch der Feuerwehr- und Rettungsdienst besonders sensible Bereiche sind, für die es in der Tat immer schwerer wird, geeignetes Personal zu finden. Kremer betont daher, dass die Stadt seit längerem „konstruktive Gespräche“ mit den Gewerkschaften und dem Personalrat führe und sich auch in der grundsätzlichen Ausrichtung einig sei.

„Es gibt keinen Dissenz“, sagt er, „viele der Verdi-Forderungen decken sich mit unserem Handlungsplan.“ Daher empfinde er auch das Verdi-Schreiben „als konstruktive Begleitung“. Er versichert: „Wir machen im Moment, was wir können.“

Vor allem bei den mittel- und langfristig angelegten Lösungsvorschlägen, die Verdi in dem Alarmschreiben aufzählt, gibt es offenbar größere Übereinstimmungen. Sie zielen darauf ab, stärker auszubilden und das Berufsbild der Erzieherin attraktiver zu machen. Für Verdi wäre eine bessere Bezahlung ein gutes Anwerbeargument, außerdem solle die Stadt direkt unbefristete Einstellungen vornehmen. Auch könnten staatliche Abschlüsse aus den Niederlanden und Belgien anerkannt werden, um Personal jenseits der Grenzen abwerben zu können.

Wie Personalratsvorsitzender Stephan Baurmann darlegt, müssten aber in der derzeit so angespannten Situation auch kurzfristige Lösungen gefunden werden, um die Beschäftigten zu entlasten. Und in dieser Hinsicht habe die Stadt bislang viel zu wenig unternommen.

Dass die Personallücken immer größer werden, sei seit langem bekannt. Zugleich steige nun aber auch die Zahl der zu betreuenden Kinder, wodurch auch die physische und psychische Belastung und die Krankheitsanfälligkeit der Beschäftigten zunehme.

Baurmann fordert daher eine Aufgabenkritik, um den Druck rauszunehmen. Erzieherinnen sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren können und nicht mit immer neuen Aufgaben konfrontiert werden.

Verdi fordert zudem, Überlegungen zur Ausweitung von Öffnungszeiten zurückzustellen. Und Einrichtungen, die besonders stark vom Personalmangel betroffen sind, sollten freiwerdende Plätze nicht sofort mit nachrückenden Kindern besetzen.

Für den Extremfall

Keinesfalls dürfe die personelle Mindestbesetzung unterschritten werden, fordert Verdi, die daher auf eine „Notfallvereinbarung“ drängt. Sie soll den Kita-Leitungen Sicherheit bei den Entscheidungen über die Absage von pädagogischen Aktivitäten oder über Gruppenzusammenlegungen geben. Und für den Extremfall müsse auch geklärt, unter welchen Bedingungen eine Kita ganz geschlossen bleibt. Auch drängt Verdi auf mehr Offenheit den Eltern gegenüber, die über die Hintergründe solcher Maßnahmen aufgeklärt werden sollten.