Aachen: Penn-Sitzung: „Es gibt nur einen Jürgen Brammertz“

Aachen : Penn-Sitzung: „Es gibt nur einen Jürgen Brammertz“

Am Ende dann brachen (fast) alle Dämme. Viele der Rekruten, Soldaten, Fähnriche und Offiziere der ruhmreichen Stadtgarde Oecher Penn von 1857 weinten. Und sogar im Publikum flossen Tränen. Nur einer behielt die Fassung: Jürgen Brammertz.

Der Kommandant hatte zuvor gewohnt souverän durch die mehr als vierstündige Penn-Sitzung geführt — wie immer in den vergangenen zwölf Jahren. Dabei war es seine letzte Sitzung als Chef des ältesten und größten Karnevalsvereins Aachens. Nach dieser Session ist Schluss, dann tritt der 40-Jährige zurück ins zweite Glied.

dd. Foto: Andreas Steindl

Das Beste zum Schluss

Zeit, um auf Wiedersehen zu sagen: Kommandant Jürgen Brammertz (Mitte winkend) verabschiedete sich bei der Penn-Sitzung aus der ersten Reihe und wird es nun — karnevalistisch gesehen — etwas ruhiger angehen. Seine Frau Sandra (Foto links oben) überraschte er mit einem dicken Blumenstrauß. Für Aufheiterung sorgten dann unter anderem Knacki Deuser (links unten), De Originale (rechts oben) und die Tanzgarde. Foto: Ralf Roeger

Diesen Schritt vollzog er symbolisch schon am frühen Sonntagmorgen, als er die Penn-Sitzung mit ein paar persönlichen Worten beendete und seiner Frau Sandra einen Blumenstrauß überreichte. „Viele Sitzungspräsidenten danken ihrer Frau drei Mal pro Sitzung. Ich habe das bislang nie gemacht. Weil ich es mir für den Moment aufheben wollte, wenn tatsächlich Schluss ist“, sagte Brammertz auf der Bühne vor 1400 Jecken im ausverkauften Europasaal des Eurogress.

Zeit, um auf Wiedersehen zu sagen: Kommandant Jürgen Brammertz (Mitte winkend) verabschiedete sich bei der Penn-Sitzung aus der ersten Reihe und wird es nun — karnevalistisch gesehen — etwas ruhiger angehen. Seine Frau Sandra (Foto links oben) überraschte er mit einem dicken Blumenstrauß. Für Aufheiterung sorgten dann unter anderem Knacki Deuser (links unten), De Originale (rechts oben) und die Tanzgarde. Foto: Ralf Roeger

Und dann brach ihm doch — ein einziges Mal — die Stimme vor Rührung weg. Doch er fasste sich schnell wieder, legte die Kommandantenkette ab, tauschte die Uniformjacke gegen das Weißzeug der Rekruten, schnappte sich eine Querflöte und marschierte in den Reihen des Spielmannzuges aus dem Saal.

Das wollte er jedenfalls, doch weit ließ die Penn ihren Kommandanten nicht kommen und trug ihn schließlich in einer Sänfte ins Foyer. Und dabei flossen immer wieder Tränen.

Karriere als Flötist begonnen

Als Flötist hatte Jürgen Brammertz als Siebenjähriger einst seine Penn-Karriere im Spielmannszug begonnen. Nach dieser Session will er erst einmal ein karnevalistisches Sabbat-Jahr einlegen. „Die Penn ist Leistungssport“, beschrieb der Kommandant, der im Jahr locker auf 100 Termine kommt, anschließend. „Und nach zwölf Jahren hatte ich das Gefühl, es wird Zeit.“

Er ziehe sich zurück „aus Verantwortung“, sagte er. Natürlich seiner Familie gegenüber, denn Gattin Sandra und seine Kinder Selina (11), Lukas (9) und Jan (4) „mussten doch sehr zurückstecken“. Aber auch der Penn gegenüber, denn die Stadtgarde brauche einen Kommandanten, der „ähnlich wie ein Sportler top motiviert ist und alles gibt“. Und das habe er nun 16 Jahre lang in der Kommandantur und zwölf Jahre als deren Chef getan.

In dieser Zeit hat er mit dem 150- und 160-jährigen Bestehen der Penn zwei große Geburtstage gefeiert, die Stadtgarde auf mehr als 700 Mitglieder ausgebaut und die Penn-Veranstaltungen und Aktionen als Garant für guten traditionellen Karneval in Aachen und darüber hinaus etabliert.

Das merkte man auch am Samstagabend. Programmgestalter und Vize-Kommandant Georg Cosler hatte mit dem „Lustigen Rheinländer“ Hans-Jürgen Pinter, „Nightwash“-Erfinder Knacki Deuser und dem Amerikaner John Doyle gleich drei Redner aufgeboten — eine Seltenheit im Öcher Fastelovvend. Und selbst der sehr gute Doyle fand auch zu vorgerückter Stunde nach 23 Uhr immer noch genügend Aufmerksamkeit bei den Jecken im Saal. Seine Witze kamen super an.

„Ein Narr sagt Dankeschön“

Die Lokalmatadore De Originale um Sänger und Penn-Mitglied Michael Cosler und die 4 Amigos ließen es sich natürlich nicht nehmen, Jürgen Brammertz persönlich zu verabschieden. Cosler, der sich zusammen mit Tanztrainerin Angelika Gerbel und Sängerin Nicole Malangré auch in diesem Jahr die Penn-Show unter dem Motto „Freunde rund um den Globus“ ausgedacht hatte, sang Arm in Arm mit Brammertz „E Jölden Hazz“. Und Uwe Brandt bedankte sich für die Beförderung der Amigos zu Penn-Oberfähnrichen der Reserve mit der Ernennung von Brammertz zum fünften Amigo.

„Keine Angst, ich werde nicht singen“, sagte Brammertz augenzwinkernd auf der Bühne. Das überließ er schließlich keinem Geringeren als Udo Jürgens. „Ein Narr sagt Dankeschön“, ließ Jürgen Brammertz zu seinem Abschied einspielen. Das Publikum revanchierte sich mit Sprechchören: „Es gibt nur einen Jürgen Brammertz.“

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