Peek&Cloppenburg investiert in Aachen

Wie geht es weiter im Einzelhandel? : Handelsriese Peek&Cloppenburg will in der Adalbertstraße abspecken

Das Modehaus Peek&Cloppenburg investiert in der Aachener Adalbertstraße – das ist Fakt. Neu aber ist, dass das Unternehmen seine bisherigen Ziele wohl neu definieren will. Oder besser gesagt: abspecken will.

Im Unternehmen selber hält man sich bezüglich der Neuausrichtung eher bedeckt. Erst am Freitag sei ein Sprecher zum Thema verfügbar, hieß es dazu am Dienstag aus Düsseldorf. Mehrere hundert Kilometer südlich hingegen soll nach Informationen unserer Redaktion deutlich offener über den Aachener Einzelhandel im Allgemeinen und die Adalbertstraße im Speziellen geredet worden sein. Auf der Münchener Immobilienmesse „Expo Real“, bei der sich die Region Aachen in den Bereichen „Gewerbe, Wohnen und Logistik“ präsentiert und bei der es traditionell zum formellen und informellen Treff zwischen Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung auf der einen und Investoren auf der anderen Seite kommt, sollen die aktuellen P&C-Pläne nicht nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert worden sein. Stadtsprecher Bernd Büttgens bestätigte am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung, dass sich Oberbürgermeister Marcel Philipp in München mit den Verantwortlichen ausgetauscht habe. P&C plane verschiedene Varianten, konkrete Infos dazu gebe es aber erst Ende des Jahres.

„Ja, wir kommen nach Aachen, aber anders“, könnte die Devise also lauten. Bisher sah es so aus, als würde der Modekonzern das ehemalige Wehmeyer-Haus und die links und rechts angrenzenden Gebäude komplett nutzen. Im Sommer vorigen Jahres hatte das Unternehmen den Bauantrag für ein sogenanntes „P & C Weltstadthaus“ eingereicht. Eine Baugenehmigung sollte im Frühjahr 2018 erfolgen.

Jetzt also Kommando zur Hälfte zurück? Lediglich 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche sollen es dem Vernehmen nach sein. Und was geschieht mit dem Rest? Denkbar ist, dass P&C die Flächen aufteilt und mehrere kleinere Mieter sucht. Oder man holt sich einen zweiten „Großen“ ins Boot. Da fiel unter anderem der Name „Müller“. Die Drogeriekette soll mit ihrem jetzigen Standort an der Ecke Großkölnstraße/Meffardatisstraße nicht gerade überglücklich sein. Dass Müller ein Kandidat für einen Umzug in die Adalbertstraße ist, wird ebenfalls derzeit als eine Möglichkeit gehandelt. Eine diesbezügliche Anfrage in der Konzernzentrale in Ulm-Jungingen blieb bisher unbeantwortet.

Auch an dieser Fassade - wie an zahlreichen anderen in der Innenstadt - protestierten die Grünen mit Plakaten gegen „Verwahrlosung“, „Wohnungsleerstand“ und „Immobilienspekulation“. Foto: Harald Krömer ZVA/Harald Krömer

Auf jeden Fall würde eine Änderung der Ausrichtung eine weitere Verzögerung zur Folge haben. Denn die neue Aufteilung der Flächen bedingt auch eine andere Architektur – bis hin zur Fassadengestaltung.

„Städtebauliches Desaster“

Die Fraktion „Die Grünen“ im Rat sehen offensichtlich angesichts der aktuellen Entwicklung eher schwarz. Zumal sie bisher davon ausgehen, dass P&C gar keine Aachener Filiale errichten wird. In dem Fall, so hieß es am Dienstag, drohe ein „ähnliches städtebauliches Desaster wie in der Großkölnstraße im Umfeld des ehemaligen Pfeifer-Kaufhauses“, wo jetzt erst nach 20 Jahren mit dem jetzt angegangenen Hotelneubau die Signale wieder auf Grün gesetzt werden.

Die „zunehmende Verwahrlosung“ der Innenstadt veranlasste die Fraktion jedenfalls zu einer ungewöhnlichen Aktion. Am Dienstag prangten an zahlreichen leerstehenden Einzelhandelsgeschäften in der Innenstadt Plakate mit dem Slogan „Eigentum verpflichtet“. Und die Grünen präzisierten den Paragrafen 14 des Grundgesetzes noch: „Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Gemeinschaft dienen.“

Übrigens: Die Verweildauer der Plakate an den ansonsten verwaisten Schaufenstern war im Laufe des Tages durchaus unterschiedlich. An manchen Stellen waren sie nach kurzer Zeit wieder entfernt. Von wem, war nicht zu eruieren...

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