Aachen: Pädagogen bereden die sexualethischen Werte des Islam

Aachen : Pädagogen bereden die sexualethischen Werte des Islam

Die kulturellen und religiösen Prägungen der Kinder und Jugendlichen werden mit wachsender Migration immer unterschiedlicher, die Anforderungen an Pädagogen immer vielfältiger. „Wertevermittlung ist ein zentraler Bestandteil der Bildungsarbeit und betrifft die Fachkräfte der Jugendhilfe, Sozialpädagoginnen und Pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen.

Dazu gehört auch, die Werte des Anderen zu verstehen, daran anzuknüpfen und in einen Werte-Dialog zu treten“, sagt Bernd Drescher, Sachbereichsleiter der Jugendförderung der Stadt Aachen.

Deslhalb fand im Rahmen des Landesprogramms „Wertevermittlung und Prävention sexualisierter Gewalt in der und durch die Jugendhilfe“, die Fortbildung „Sexualethische Werte im Islam“ in der Katholischen Hochschule (KatHo) Aachen statt. „Die Fortbildungsreihe stellt das nötige Hintergrundwissen für eine auf gelingende Integration abzielende Jugendhilfe bereit“, so Ruth Comos, Teamleiterin in der Schulsozialarbeit.

Über 60 Interessierte hörten einen Vortrag über sexualethische Wertvorstellungen im Islam. Nils Fischer, Experte für Islamwissenschaft und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, erklärte, es sei entscheidend, sich die Gemeinsamkeiten vor Augen zu führen und der „Denkfallen“ bewusst zu werden. Fischer betonte: „Die durch unsere Traditionen geprägte Sicht auf den Islam stellt nicht das Bild dar, das Muslime von ihrer eigenen Kultur haben.“ Natürlich gebe es Widersprüche mit unseren Werten, gerade was sexualethische Themen angeht. Die resultierenden Handlungsanforderungen müssten erkannt, ethische, religiöse und kulturelle Erziehung ernstgenommen werden.

Expertengespräch

Die nächste Veranstaltung des Landesprogramms steht unmittelbar bevor. Fachkräfte aus Jugendhilfe und Bildungsarbeit, erfahrene Ehrenamtliche und Menschen mit eigener Fluchterfahrung sind eingeladen zum zweiten moderierten Expertengespräch am Mittwoch, 13. Juni, um 17 Uhr in den Kurpark-Terrassen. Das Thema lautet „Ehre und Patriarchale Strukturen“. Patriarchale Strukturen und Vorstellungen von Ehre begegnen Fachkräften und ehrenamtlich Tätigen immer häufiger in ihrem Arbeitsalltag. Zugleich hindern sie Jugendliche aller Geschlechter an der freien Entwicklung ihrer Persönlichkeit und schränken mögliche Lebensentwürfe ein, bis hin zu sogenannten Verbrechen im Namen einer vermeintlichen Ehre. Referentin ist Susanne Reitemeier-Lohaus, Projektleiterin und Initiatorin von HeRoes Duisburg.

Sie kommt ursprünglich aus der Frauenbildungsarbeit und ist spezialisiert im Bereich Gendercrossing bei Jungs e.V. Seit über 20 Jahren ist sie beim Jugendamt der Stadt Duisburg im Bereich Jugendfreizeitstätten beschäftigt. Zudem ist sie Referentin für hierarchiekritische Ansätze zu Ungleichwertigkeitsvorstellungen (auch) in der (Post-)migrantischen Minderheitsgesellschaft. Zu ihren Spezialgebieten gehören Ehrunterdrückung und Handlungskompetenzen für Pädagogen.

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung erforderlich bei Ax-o e.V. unter Telefon 0241/4631876 oder info@ax-o.org und Online-Anmeldung möglich unter https://ax-o.org/wissenstransfer/expertengespraeche/.

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