Aachen: Pachtvertrag für Quellenhof läuft aus: SPD bringt Gesamtkonzept ins Spiel

Aachen: Pachtvertrag für Quellenhof läuft aus: SPD bringt Gesamtkonzept ins Spiel

Bislang hat sich die Debatte im Kurpark auf eine großangelegte Sanierung des denkmalgeschützten Neuen Kurhauses beschränkt. Doch nun lenkt die SPD den Blick zusätzlich auf ein weiteres Aachener Schmuckstück gleich in der Nachbarschaft. Denn auch für den Quellenhof könnten bald neue Zeiten anbrechen.

Ende nächsten Jahres läuft der Nutzungsvertrag mit der zur Accor-Gruppe gehörenden Hotelmarke Pullman aus. Dies habe möglicherweise Folgen, die bei den weiteren Planungen für den Gesamtkomplex samt Eurogress mitbedacht werden müssten, meint der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Boris Linden.

„Die Stadt darf Entwicklungen dieser Tragweite nicht einfach abwarten“, sagt Linden, der damit indirekt Kritik an Oberbürgermeister Marcel Philipp durchklingen lässt. Er müsse nun aktiv werden und darlegen, ob er ein Gesamtkonzept für das so wichtige Gebäude­ensemble im Park hat. „Wir kennen es bisher nicht“, sagt Linden.

Klar ist somit bislang nur, dass das Eurogress zusätzlichen Platzbedarf für sein Kongress- und Veranstaltungsgeschäft hat. Und klar ist auch, dass es Interesse am derzeit leergeräumten Neuen Kurhaus hat, dessen Sanierung wegen der enormen Kosten vorerst gestoppt worden ist. Hinzu kommt nun die ungewisse Zukunft für Aachens einziges Fünf-Sterne-Haus Quellenhof.

Wie es dort ab 2020 weitergeht, können derzeit weder Hoteldirektor Walter Hubel noch Christian Plöger, Pressesprecher der Deutschen Immobilien Gruppe, die Eigentümer des Quellenhofs ist, sagen. „Wir befinden uns in einer Frühphase der Überlegungen und können daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Genaues sagen“, teilt Plöger mit.

Die Vertragsverhandlungen laufen noch, ergänzt Hubel, der zugleich deutlich macht, dass auch im Quellenhof umfängliche Sanierungen unumgänglich seien. Nach Einschätzung von Linden könnten die auch genutzt werden, um das gesamte Hotelkonzept zu überdenken und etwa auch das Spielcasino dorthin zu verlagern. Damit würden sich neue Möglichkeiten für das Neue Kurhaus ergeben.

Wie sehr der Wurm drin ist im Neuen Kurhaus, hat die Verwaltung inzwischen genauer ermittelt. Beim Stand von rund 38 Millionen Euro für die Herrichtung der Immobilie hatte die Stadt im vergangenen Herbst erst einmal die Reißleine gezogen. An das städtische Gebäudemanagement erging der Auftrag, die Kalkulation gründlich durchzurechnen und nach Einsparpotenzialen zu suchen.

Kaum Einsparungen möglich

Herausgekommen ist jetzt eine füllige Vorlage für die morgige Ratssitzung, die den Politikern vermutlich den Abend verderben wird. „Das Konzept, das Gebäude mit zur Optimierung der Mieteinnahmen mit möglichst vielen externen Nutzungen zu belegen, ist gescheitert“, schreiben die Gebäudemanager ziemlich undiplomatisch. Die ursprüngliche Idee, im Neuen Kurhaus wieder das Spielcasino anzusiedeln und daneben noch Gastronomie, ein Eventmuseum und einen Club bei gemischter Nutzung des zentralen Foyers, macht den Umbau schwierig. Die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzer ziehen schließlich allerlei technischen Anforderungen nach sich.

Deshalb sollte sich das Gebäudemanagement nach städtischen Alternativ-Nutzungen umsehen, die ins Neue Kurhaus passen könnten, ohne erhöhten technischen Aufwand auszulösen. Ins Visier gerieten „aachen tourist service“, Eurogress, Klangbrücke, Stadtbibliothek, Standesamt, Suermondt-Ludwig-Museum und Volkshochschule. Bibliothek, VHS und Museum wurden wegen des Flächenbedarfs bald wieder aussortiert.

Bei den übrigen Varianten sei zwar Geld zu sparen, erklärt das Gebäudemanagement, viel mache das aber nicht aus. Zwei Drittel der Kosten hätten mit der jeweiligen Nutzung nichts zu tun und würden ohnehin anfallen. Außerdem müssten Umplanungen den externen Planern auch wieder honoriert werden. Rechne man noch gestiegene Baupreise und andere Risikofaktoren hinzu, würden die möglichen Einsparungen beim Bau wieder „aufgezehrt“. Die Politik möge daher eine Variante wählen, die sich „inhaltlich“ am größten Nutzen für die Stadt und ihre Bürger orientiere, raten die Gebäudemanager. Eine „Kostenentscheidung“ sei es aber nicht.