Aachen: Organistin Barbara Dennerlein brilliert beim Konzert in der Annakirche

Aachen: Organistin Barbara Dennerlein brilliert beim Konzert in der Annakirche

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente. Barbara Dennerlein macht sie sich leicht Untertan. Beim ausverkauften Gastspiel in der Reihe „Orgelkonzerte in der Annakirche“ begeisterte die weltbekannte Jazz-Organistin am Wochenende das Publikum beim Eröffnungskonzert des Orgeljahrs.

Dennerlein hat — vor allem an der Hammond-Orgel — bereits große Konzerthallen gefüllt. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt sich die Münchnerin aber auch mit der Pfeifenorgel und hat hier ebenfalls schon prominente Orgelstandorte auf der Liste, doch die Annakirche wurde samt Publikum von Dennerlein schon vor einigen Jahren bei einem ersten Besuch ins Herz geschlossen. Jetzt durfte sie sich zusätzlich über eine erst 2016 eingebaute, computergesteuerte Setzeranlage in der Weimbs-Orgel freuen, die ihr virtuoses Spiel noch entspannter erscheinen ließ.

Die 53-Jährige projiziert ihren Auftritt stets so in den Kirchenraum, dass der Zuhörer auch zum Zuschauer wird. Alle vier Manuale der Weimbs-Orgel — drei für die Hände, eins für die Füße — waren so zu sehen. Auch das macht die Faszination von Dennerleins Auftritten aus, denn sie fliegt mit Händen wie Füßen über die Tasten und Pedale.

Entscheidend ist die Musik

Entscheidend ist aber die Musik: In Aachen präsentierte sie sechs eigene Jazz-Werke und eine Zugabe. Blues, Funk, Calypso — stilistisch vielfältig und mitreißend lotete sie die klanglichen Möglichkeiten der Orgel aus. Der „Early Bird Blues“ musste ins Programm, so die Musikerin. Schließlich verfüge die Orgel in der Annakirche über eine Pfeife mit Vogelstimme, das einzige Register, das noch per Hand bewegt werden muss. Die „Waltzing Pipes“ konnten dank der Setzeranlage ins Programm, denn bei aller Fingerfertigkeit hätte wohl auch eine Barbara Dennerlein nicht so viele Züge gleichzeitig ziehen können, wie das Stück vorsieht. Spätestens bei „Corean Smile“ wusste das Publikum, zu welchen virtuosen und ausdrucksstarken Möglichkeiten Dennerlein an den Manualen fähig ist. Geradezu lässig, als wäre es nichts, verfolgte sie drei unterschiedliche Rhythmen gleichzeitig.

Der „Stormy Weather Blues“, eins der bekanntesten Werke Dennerleins, fehlte genauso wenig wie „New York Impressions“, eine Improvisation zu Bachs Toccata und Fuge in d-moll und zugleich ein musikalisches Sinnbild für den Schmelztiegel am Manhattan River, rissen das Publikum zu Recht zu Begeisterungsstürmen hin. Am Ende hielt es die Zuhörer nicht mehr auf den Kirchenbänken — tosender Jubel im Kirchenschiff nach einem grandiosen Konzert.

Orientalisch-exotisch wird es beim zweiten Orgelkonzert in der Annakirche: Unter dem Titel „Bach goes Bagdad“ gastieren Bettina Strübel (Orgel) und Saad Thami (Rezitation, Gesang, Perkussion) am Freitag, 6. April, um 20 Uhr. Musik von Johann Sebastian Bach alterniert mit arabischer Musik und Rezitation.

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