Ordnungsamt Aachen verteilt jetzt auch Knöllchen an E-Scooter-Nutzer

Falsch geparkte E-Scooter : Gelbe Zettel für die lachsfarbenen Flitzer

Die Ersten hat es schon erwischt: Auch für falsch geparkte E-Scooter verteilt das städtische Ordnungsamt Knöllchen. 30 Euro müssen Nutzer blechen, die auf dem Gehweg andere behindern. Den entsprechenden Fahrer zu ermitteln, ist allerdings gar nicht so einfach.

Der gelbe Zettel steckt zwischen Klingel und Gasgriff. Fein säuberlich gefaltet, haben ihn Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts windfest am Lenker eines E-Scooters angebracht, der auf dem Grünstreifen auf der Monheimsallee abgestellt wurde – und zwar mitten auf dem Gehweg. Rücksichtslose Fahrer der elektrisch betriebenen Flitzer erhalten somit auch auf diesem Weg Gegenwind. „Wenn ein geparkter E-Tretroller andere Menschen behindert, wird ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro erhoben“, teilte Linda Plesch vom städtischen Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Regelkonform parken lohnt sich also: Für das Geld können Nutzer insgesamt drei Stunden und 13 Minuten mit den Leih-Fahrzeugen durch die City düsen.

Bislang ist die Anzahl der Parksünder unter den Nutzern der E-Scooter zumindest aus Sicht des städtischen Ordnungsamtes „verschwindend gering“. Knöllchen wurden nur in absoluten Einzelfällen ausgestellt. Die Devise lautet: Nur wenn ein Fahrzeug in der Fußgängerzone oder auf dem Gehweg parkt und andere Menschen behindert, greifen die Mitarbeiter zum gelben Zettel, erläutert Plesch. Nutzer, die eine Restgehwegbreite von mindestens 1,20 Meter freihalten, hätten demzufolge nichts zu befürchten.

Wer allerdings für die Ordnungswidrigkeit zahlen muss, ist gar nicht mal so einfach zu ermitteln. Sofern die Politessen die Fahrer nicht auf frischer Tat ertappen, muss bei den Leihfahrzeugen zunächst die Firma Voi eingeschaltet werden. Diese müsse dann den entsprechen Nutzer ermitteln und ihn dem Ordnungsamt melden, erläutert Plesch. Dasselbe Verfahren gilt bei Leihwagen. Die Verleiher seien grundsätzlich zur Herausgabe dieser Daten verpflichtet, so Plesch.

Das Problem ist nur: Einen Mietwagen kann man nach dem Parkvorgang nicht ohne weiteres versetzen. Bei einem E-Scooter sieht das schon anders aus. So wäre es also möglich, dass ein Nutzer den lachsfarbenen Leih-Flitzer regelkonform parkt, dieser dann aber von anderen umgestellt wird – die Knolle ginge dann jedoch an den zuletzt registrierten Nutzer. In Aachen müssten nun entsprechende Erfahrungen gesammelt werden, heißt es dazu aus dem städtischen Presseamt.

Generell gilt: E-Scooter dürfen in Aachen nur innerhalb festgelegter Parkzonen abgestellt werden. Diese erstrecken sich grob gefasst auf den Bereich innerhalb des Alleenrings, das Hochschulviertel, die Krefelder Straße bis zum Tivoli sowie weite Teile des Rehm- und des Frankenberger Viertels. Außerhalb dieser Bereiche kann man seine Fahrt nicht über die App beenden. Auch Fußgängerzonen und der historische Altstadtkern sind tabu.

Auf seiner digitalen Fahrschule verweist das Unternehmen Voi darauf, dass man die Roller nicht auf der Straße parken und auf dem Gehweg niemandem den Weg versperren darf. Zum Ende der Fahrt müssen Nutzer zudem ein Foto vom geparkten E-Scooter an das Unternehmen übermitteln. „Durch die Einsendung eines Fotos wollen wir die Nutzer vor allem dafür sensibilisieren, dass der E-Scooter auch richtig abgestellt wird“, erläutert Claus Unterkircher, General Manager von Voi für den deutschsprachigen Raum. „Wir nutzen die Fotos, um falsch geparkte E-Scooter schnell umsetzen zu können, da wir ihren Standort jederzeit mittels GPS feststellen können. Wenn ein Nutzer den E-Scooter beispielsweise in einer von uns festgelegten Parkverbotszone hinterlässt, erheben wir eine Gebühr in Höhe von 25 Euro.“

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Die Stadt Köln, die bereits seit geraumer Zeit Knöllchen für E-Scooter verteilt, hat mit den Verleihfirmen die Vereinbarung getroffen, dass der jeweils letzte Nutzer des regelwidrig geparkten E-Fahrzeugs weitergegeben wird. Seit Ende September habe man bereits 78 Knöllchen vergeben, teilt Inge Schürmann, Leiterin der Pressestelle der Stadt Köln, auf Anfrage mit. Kostenpunkt: 15 Euro.

Auch in Düsseldorf wurden diesbezüglich bereits 200 Verfahren eingeleitet. Allerdings befänden sich diese noch „im frühen Stadion“, sagt Sprecher Volker Paulat auf Anfrage. Zu möglichen Widersprüchen durch E-Scooter-Nutzer könne er deshalb noch nichts sagen. Bis das abschließend geklärt ist, dürften in Aachen also noch weitere gelbe Zettel verteilt werden.

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