Orchester Aachen erobert am 1. Juni die Aachener Innnenstadt

Klassik open-air : „Ohren auf!“ Aachener Sinfoniker bringen die City zum Klingen

Die besten Musiker der Region sitzen quasi bereits auf gepackten Instrumentenkoffern, das Repertoire ist längst festgezurrt – jetzt muss eigentlich nur noch der Wettergott mitspielen: Am Samstag, 1. Juni, soll das City-Pflaster zum Resonanzboden für einen „Flash Mob“ der denkbar harmonischen Art mutieren. „Ohren auf!“ heißt die Devise, sobald die Aachener Sinfoniker die Klangteppiche gänzlich anderer Art ausrollen – live, open air, zum Nulltarif, versteht sich.

„Wir freuen uns sehr, dass ein langgehegter Wunsch jetzt Wirklichkeit wird“, frohlockte Thomas Beaujean, Vorsitzender der Aachener Musik- und Theaterfreunde, am Donnerstag anlässlich der ersten, vorerst freilich verbalen Ouvertüre zur lokalen „Guerilla-Aktion“ im klassischen Gewand. Rund fünfeinhalb Stunden lang geht das Orchester Aachen an fünf prädestinierten Plätzen auf Tuchfühlung mit den Innenstadt-Bummlern, um möglichst vielen Menschen bekannte Werke von Beethoven, Mozart und Co. im Wortsinn nahezubringen. „Ohne die Unterstützung des Vereins wäre auch dieses Projekt mit Sicherheit nicht realisierbar gewesen“, betont Generalmusikdirektor Christopher Ward, der dem mobilen Da capo mit ebenso sichtlicher Freude entgegenfiebert. „So bekommen wir eine ideale Gelegenheit, die außerordentliche Qualität unseres Ensembles einmal auf ganz andere Weise zu vermitteln.“

Los geht’s um 11 Uhr quasi in Vollbesetzung, wenn das gesamte Orchester ausschwärmt, um mit Flyern und ersten kurzen Darbietungen möglichst viele (potenzielle) Fans auf die „Musikmeile“ zwischen Rathaus und „fröhlichem Hengst“ zu lotsen. Denn das erste Etappenziel liegt bereits um 12 Uhr mitten auf dem Markt, wo sich vier Blechbläser etwa eine halbe Stunde lang die Ehre geben. Kammermusik in der Shoppingmeile ist bei der zweiten Station angesagt. Gegen 12.30 Uhr intonieren vier bis fünf Streicher prominente Werke in der Elisengalerie. Direkt gegenüber wird um 13 Uhr der nächste „Meilenstein“ gesetzt: Am Elisenbrunnen präsentieren 26 Künstler unter anderem Beethovens „Ritterballett“ und Teile aus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“.

Bernd Mathieu, ehemaliger Chefredakteur unserer Zeitung, der den Open-Air-Reigen als Vorstandsmitglied der Musik- und Theaterfreunde maßgeblich initiiert und in intensiver Zusammenarbeit mit Orchesterdirektor Amadeus Kausel organisiert hat, lädt zu Interviews mit Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck und Generalmusikdirektor Christopher Ward, auch Teresa Westermann und Arnd Sartor vom Orchestervorstand plaudern aus dem Nähkästchen, wenn es darum geht, fulminante Klangkleider auf höchstem Niveau zu schneidern. Thomas Beaujean gibt den einen oder anderen Einblick in die engagierte Arbeit des Fördervereins und die jüngsten Pläne der Initiative, eine neue Konzertstätte an der Monheimsallee zu schaffen.

Gegen 14 Uhr wird das ungewöhnliche Da capo mit lockeren Talks und klassischen Tönen vor dem Theater fortgesetzt, CD- und Infostände sowie kurze Führungen durch den Kunsthort inklusive. Danach zieht der konzertante Tross noch einmal zum Elisenbrunnen. Den Schlusspunkt setzen mehrere Ensembles ab 15.45 Uhr mit Barockmusik auf historischen Instrumenten vor dem Proberaum des Orchesters am Aachen-Münchener-Platz – respektive im Foyer, falls der Aachener Himmel am 1. Juni denn doch nicht nur voller Geigen hängen sollte. „Klassische“ Ausweichquartiere im Falle der Regenfälle, wie das Dach der Rotunde und der Portikus des Theaters, bieten sich im Übrigen an fast allen Stationen der ersten Aachener Musikmeile, verspricht Mathieu.

(mh)
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