Aachen: „One-Billion-Rising-Tag“: Das Thema ernst, die Stimmung gut

Aachen : „One-Billion-Rising-Tag“: Das Thema ernst, die Stimmung gut

„Erhebt euch und tanzt.“ Dieser Aufforderung sind am Sonntag rund 250 Frauen und auch Männer in Aachen gefolgt. Am „One-Billion-Rising-Tag“ zeigten sie sich solidarisch und demonstrierten am Elisenbrunnen gegen sexualisierte Gewalt.

Davon ist laut Agnes Zilligen vom Frauennotruf in Deutschland rund jede siebte Frau in ihrem Leben einmal betroffen.

Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, treffen sich alljährlich eine Reihe von Aachener Organisationen und Einrichtungen und erheben ihre Stimme. Und obwohl das Thema eigentlich sehr ernst ist, war die Stimmung richtig gut. Beim One-Billion-Rising-Tanz unter Leitung von Lazara Giellet Saez und ihrer Tanzgruppe aus der Nadelfabrik kamen die Besucher in Schwung.

Tanzen und Reden war schließlich auch das Programm vor dem Elisenbrunnen. Begonnen hat laut Moderator Julius Schlumberger alles vor Jahren mit einem Bericht der Vereinten Nationen. Demnach wird weltweit jeder dritte Mensch Opfer einer Vergewaltigung. Daraus ergab sich die Parole „One Billion Rising“, was soviel heißt wie: Eine Milliarde erhebt sich.

Renate Wallraff von der Fachstelle gegen häusliche Gewalt knüpfte an den Protesttag gleich mehrere Forderungen. „Es sollte für jede Frau einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus geben“, meinte sie. Außerdem müssten die Opfer besser geschützt werden. Und um den Kreis der Gewalt zu durchbrechen, müsse es niedrigschwellige Angebote geben.

Agnes Zilligen stellte einmal mehr klar: „Nein ist nein.“ Sie setzte sich dafür ein, dass jeder sexuelle Übergriff gegen den Willen einer Person strafbar sein muss. Bislang wird ein solches Verhalten erst dann geahndet, wenn es mit Gewalt oder Androhung von Gewalt einhergeht. Vielleicht kommt auch deshalb ein Großteil der Sexualdelikte erst gar nicht zur Anzeige oder wird strafrechtlich nicht weiter verfolgt. Diese große Lücke im Strafgesetz müsse laut Zilligen geschlossen werden. Sie erinnerte daran, dass es in den 80er Jahren niemand für möglich gehalten habe, dass Väter, Großväter, Onkel oder Nachbarn Täter sein können. Und auch die Vergewaltigung in der Ehe sei erst seit rund 20 Jahren eine Straftat.

„Das Frauennetzwerk in Aachen bemüht sich darum, Frauenpolitik nach vorne zu bringen“, sagte deren zweite Vorsitzende Sibylle Keupen. Eine ganze Reihe von Organisationen bündeln hier ihre Kraft und bieten eine Plattform, um parteiübergreifend aktiv zu sein.

Laut Keupen beschäftigt sich das Netzwerk mit Themen wie Frauenbildung, der Situation Alleinerziehender, Arbeit und Frauenquote sowie Vergewaltigung. Nicht nur am weltweiten One-Billion-Rising-Tag ziehen alle an einem Strang.

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